Schon am Mittwochabend war für uns klar, dass der Samstag ideal für das Degenhorn werden würde. Ganztägig stabiles Hochdruckwetter mit wenigen Wolken. Kurz dachten wir an eine Überschreitung, aber mit dem Herzasstaxi wäre das zeitlich zu knapp geworden und ein zweites Auto bei der Unterstalleralm abstellen hätte bedeutet, doppelt Maut zahlen zu müssen. Daher blieben wir beim selben Anfangs- und Endpunkt, variierten aber den Abstieg ein wenig.
Zweiter Tourentag. Ursprünglich geplant war die Leckfeldalm (wie durchgeführt). In der Früh checkte ich nochmal die Wettermodelle und sah ausgerechnet dort das höchste Schauerpotential am Nachmittag und kaum Chancen auf Auflockerungen. Ich schlug stattdessen die Karlsbader Hütte in den Lienzer Dolomiten vor – da wäre der Gipfel optional gewesen, aber der See als Tagesziel zumindest ungetrübt.
Wir trödelten in der Früh ein wenig zu lang und waren ca. zwei Minuten zu spät am Weg von Außervillgraten nach Sillian. Es gab nämlich ausgerechnet in dieser Zeit Forstarbeiten mit einer Seilbrücke über das Tal hinweg, wo in steilem und unwegsamen Gelände Windwurf und Borkenkäferschäden aufgearbeitet wurden. Dafür wurde die Straße stündlich für nur zehn Minuten geöffnet. Also eine Stunde warten und dann erst nach Lienz, das wäre spät geworden. Wir riefen daher Manfred an, der aus Lienz zu uns stoßen sollte, dass wir doch zur Leckfeldalm hinauffahren werden. Im Schlepptau vom Linienbus kurz nach 9 Uhr rutschten wir außerdem vorzeitig durch die Sperre. Der Motor sprang nicht gleich an und der Forstarbeiter zog ungeduldige Grimassen.
Für Nachahmer: Auto-Navis leiten über die falsche Straße von Westen hinauf, die aber in einer Sackgasse endet. Die richtige Straße ist ausgeschildert und biegt bei der Kapelle zu unserem Herrn im Elend scharf links ab. Man kommt zu einem Schranken mit einem Ticketautomaten. Eine meistens breite Forststraße führt bis zum Parkplatz auf der Leckfeldalm hinauf.
Bisher bin ich den Rauen Kamm zwei Mal gegangen: Im Herbst 2014 mit Günter und Übernachtung am Ötscherschutzhaus, damals von Wienerbruck weg. Dann im Herbst 2023 mit Werner von Lackenhof weg als Tagestour. Dieses Mal fühlte ich mich trittsicher und erfahren genug, um den Rauen Kamm alleine zu gehen. Vom Wetter her gab es keinen Zeitdruck, nur das Wasser würde knapp werden. Rückblickend betrachtet hätte ich mindestens vier Liter mitnehmen sollen oder doch versuchen sollen, mit kleinerem Rucksack zu gehen. Aber es ist alles gut gegangen.
Vegetation: Hummel-Ragwurz, Helm-Knabenkraut, Vogel-Nestwurz, Schmalblättriges und Breitblättriges Waldvögelein; Gras-Schwertlilie, Orobranchen;
Aus Zeitgründen eine kürzere Tour (für meine Verhältnisse), aber diese sollte ausgiebig genutzt werden zur Orchideensuche (und anderes). Wetter: Lockere Quellwolken, stabil geschichtet und recht mild. Ungewöhnlich gute Fernsicht nach Norden und Osten.
Geminsam mit Günter wollte ich mir den Jagdsteig auf die Karlshöhe anschauen, der schon seit längerem auf meiner Liste stand. Das Wetter war zwar verbesserungswürdig, aber zumindest blieb es den ganzen Tag trocken. Mit der lebhaftem Nordwestströmung bildeten sich am Alpenostrand hochreichende Gebirgswellen („mountain waves“), was uns neben dem kalten Dauerwind auch zunehmend ortsfeste Leebewölkung bescherte, die stundenlang die Sonne abschirmte.
Anders als in den letzten Jahren arbeitete ich die Silvesternacht nicht, dafür an Neujahr und nach etlichen Tagen mit frühem Aufstehen war entsprechend ein Ausschlaftag angesagt. Den zweiten Tag im neuen Jahr wollte ich dafür nutzen, für eine traditionelle Tour zu meinen liebsten Hausbergen. Ich entschied mich dann doch für den Anninger-Stock und gegen den Hohen Lindkogel, und damit für späteres Aufstehen und die kürzere Anfahrt. Es war kalt und windig und außer einer allfälligen Einkehr hätte ich mich nirgends aufwärmen können.
Höhenmeter | Strecke | reine Gehzeit: 1140hm | 17.2km | 5 Std. 20 Min.
Viecher: 1 Wespe bei der Hütte, 1 Katze
Nach einer weiteren Woche ohne Sonne – in Wien wahrscheinlich die zweitlängste Periode ohne Sonnenschein seit Aufzeichnungsbeginn – zog es mich nochmal auf den Berg. Günter wollte den seit Oktober wieder begehbaren Abschnitt übers Alpleck gehen. Dort hatten Starkregen und Orkan Mitte September 2024 weite Teile des Nordost- bis Osthangs des Krummbachsteins umgelegt. Die Idee war gut – neben maximaler Fernsicht am Gipfel genossen wir die milde Luft am Gipfel und bei der geschlossenen Knofeleben. Insgesamt trafen wir sicher rund zwanzig Wanderer, sechs alleine am Gipfel und etliche kamen uns im Abstieg entgegen.
Höhenmeter | Strecke | Reine Gehzeit: 700hm | 17.5km | ca. 4 Std. 50 Minuten
Track auf der Open Topo Map
Nach dem Nachtdienst wollte ich mir noch etwas die Beine vertreten und fuhr bis Hadersdorf, womit zumindest die ersten Kilometer für mich neu sein würden.
Höhenmeter | Kilometer | Reine Gehzeit: 970hm | 16,5km | ca. 6,5 Stunden
Die Idee zur Tour kam von Wolfgang. Bei vorhergesagten 15 Grad auf 1500m sollten wir auf unsere Kosten kommen. Im Wiener Becken dominierte ganztägig Nebel, mit Obergrenzen um 600-700m. Für uns beide war der Anstieg Neuland. Am Spielkogel stand ich erstmals Ende Juni 2020 im Zuge einer geführten Wanderung. Kerpenstein und Hochalpl waren ebenfalls neu. Die Stirnlampe leistete dann solide Dienste im Abstieg.