
Wegführung: Volkzeiner Hütte (9.40) – Schrentebachboden (11.00) – Falkommsee (12.20-12.35) – Degenhornsee (13.15) – Kleines Degenhorn (13.35-13.50) – Großes Degenhorn (14.25-15.05) – Heinkaralm – Volkzeiner Hütte (18.35) | 1200hm, 13.4km | 1 Murmeltier
Schon am Mittwochabend war für uns klar, dass der Samstag ideal für das Degenhorn werden würde. Ganztägig stabiles Hochdruckwetter mit wenigen Wolken. Kurz dachten wir an eine Überschreitung, aber mit dem Herzasstaxi wäre das zeitlich zu knapp geworden und ein zweites Auto bei der Unterstalleralm abstellen hätte bedeutet, doppelt Maut zahlen zu müssen. Daher blieben wir beim selben Anfangs- und Endpunkt, variierten aber den Abstieg ein wenig.

Beim Aussteigen hatte ich Mühe, meine Kamera aus dem Beutel zu ziehen und muss dabei etwas verstellt haben, denn plötzlich war eine feste ISO von 200 eingestellt und das Einstellrad änderte daran nichts mehr. Vorläufig musste ich im Aufstieg damit zurechtkommen. Nach der ersten Geländestufe am Schrentebachboden fand Günter das versteckte Setup-Menü, wo man die ISO-Automatik wieder einstellen konnte und ich konnte fortan wieder an die Lichtverhältnisse angepasst fotografieren.

Vor lauter Grant über die verstellten Kamerafunktionen ging ich ohne Stecken los und bemerkte das erst relativ weit oben.

Der erste Abschnitt des Aufstiegs folgte unserer Wegführung vom September 2014 auf die Hochgrabe (2951m). Damals lagen noch Lawinenreste im Bachbett an dieser Stelle (vgl. Bild 6).


Auf der anderen Seite würden wir später absteigen und das frische Murengebiet überqueren. Dort floss vorher kein Bach.

Die Kühe machten keine Anstalten beiseite zu gehen, also schlugen wir einen kleinen Bogen um sie beim Vorbeigehen. Sie schienen das kalte Fußbad zu genießen.

Beim Schrentebachboden legten wir eine erste Rast ein, ehe wir über die Schulter hier rechts im Bild steil zur nächsten Geländestufe anstiegen.

Das Bachbett zu queren war eine kleine Herausforderung, denn es gab keine Brücke oder größere Steine als natürliche Brücke. Günter nahm die Schuhe in die Hand und ging barfuß durch. Wolfgang und ich fanden eine geeignete Engstelle zum Drüberspringen und dann ein paar flache Steine, um den zweiten Bachlauf zu queren.

Beim weiteren Aufstieg holte ich Manfred ein und im lockeren Tempo erreichten wir bald die nächste Geländestufe mit einer namenlosen Lacke. Manfred wollte dem Falkommsee noch einen Besuch abstatten und ich fühlte mich nicht ausgelastet genug, um nicht mitzugehen. Wir brauchten etwa eine Viertelstunde zum See.

Durchgucker in die Schobergruppe: Ganot (3102m), Glödis (3206m), ganz rechts Hochschober (3242m):



Auf der Wilden Platte hielt sich noch bis ins frühe 19. Jahrhundert ein Gletscher. 1866 war er noch als „kleiner Gletscher“ verzeichnet. Im August 1870 weitgehend verschwunden. Heute sind allenfalls noch Toteisreste übrig. (Quelle und noch mehr Interessantes zur Geschichte des Tals hier)

Über den See ist nichts bekannt. Auch die Namensherkunft (manchmal Falkamsee) bleibt unklar.


Als wir zurückgehen, sehen wir Günter und Wolfgang gerade beim Ausstieg zum Degenhornsee.

Nach etwa fünfundzwanzig Minuten ab der letzten Aufnahme erreichten wir den Degenhornsee. Linkerhand war der Aufstiegsweg gut erkennbar.

In der Vergrößerung sah man auch die Erzherzog-Johann-Hütte auf der Adlersruhe (3451m) und die Stüdlhütte (2802m).

Vergletscherte Berge im Hintergrund: Links Dreiherrnspitze (3499m), rechts Großvenediger (3657m).

Das letzte Stück zum Gipfel des Kleinen Degenhorns war nicht schwierig, aber ich musste ständig gegen die Sonne schauen, das war auch mühsam. In etwa zwanzig Minuten war ich oben – oder mit anderen Worten: Ich war fit wie mein Zustiegsschuh. Beim Gipfel waren wir schließlich wiedervereint und genossen bereits das umfassende Panorama:


Blick über ganz Südtirol bis zur Umbrailgruppe (schweiz-italienische Grenze):

Blick in die Adamellogruppe und zur südlichen Ortlergruppe: Im Vordergrund rechts Rotlahner (2743m).






Das ausgedehnte Laperwitzkees mit deutlichem Eisrückgang rechts.






Blick vom Gipfel über die höchsten Erhebungen der Villgratner Berge in die Riesenfernergruppe:
Links das Arntal, das zur Unterstalleralm führt, rechts das Brugger Almtal Richtung Defereggental

Nach rund dreineinhalb Stunden Gesamtgehzeit erreichten wir den Gipfel. Ich empfand den Grat als nicht allzu schlimm. Am Rauen Kamm gibt es schmalere Stellen am Grat, wo es links und rechts ordentlich runterpfeift. Aus der Entfernung sah der Grat viel dramatischer aus als beim Betreten. Aber wie so oft täuscht die Perspektive gewaltig: Je weiter entfernt, desto steiler wirkt nicht so stark geneigtes Gelände.

Der kürzeste, aber nicht der schönste Anstieg führt vom Defereggental her mit dem Sessellift zur Mooseralm (2350m), dann unterhalb der Hochleitenspitze zur Ochsenlenke und steil zum Degenhornsee hinab, was man entsprechend als Gegensteigung wieder zurückgehen muss.



Nachdem die Fernsichtorgie bereits am Kleinen Degenhorn stattfand, beschränkte ich mich auf Detailaufnahmen am Gipfel – wie hier zu den Zillertaler Alpen:

Blick zur Gipfel-Landschaft vom Vorjahr, als wir den Rauchkofel bestiegen und anschließend zum Wolayersee abstiegen.

Blick zu den Bergen meines Osttirol-Urlaubs vom August in Kals am Großglockner.


Mittlerweile war es schon 15 Uhr und es wehte ein mäßiger, kalter Nordwind, sodass ich mir die Handschuhe anzog. Wir begannen mit dem Abstieg.





Beim Plaudern im Aufstieg hatte ich schon verdrängt, dass die obere Stufe so steil war:







Die beiden Jäger hielten sich länger in unserem Abstiegsgebiet auf. Später hörten wir auch zwei Schüsse in der Nähe.


Um ein wenig Varation in den Abstieg zu bringen, namen wir den markierten (aber nicht ausgeschilderten) Weg über die Heinkaralm. Zuerst einem engen Seitengraben folgend, der reichlich feucht war. Dann eine kurze Steilstufe, aber ohne Klettern.







Um kurz vor halb sieben erreichten wir die Volkzeiner Hütte. Ich rechnete ehrlich gesagt nicht mehr damit, dass wir noch etwas zu essen bekamen, aber weit gefehlt. Die Hütte war von Jägern belagert, wir saßen in einem Vorbau und hatten unsere Ruhe. „Vier Mal Hirtenmakkaroni bitte!“ – die Entscheidung fiel leicht. Ich aber hatte so einen großen Hunger, dass ich davor noch eine Gerstensuppe nahm. Ich hatte dabei die Suppe am Vortag auf der Sillianer Hütte vor Augen, die aus viel Wasser und wenig Einlage bestand. Hier stellte sie sich hingegen als wohlschmeckender, aber deftiger Eintopf heraus. So sollte es sein, aber das waren jetzt eigentlich zwei Hauptmahlzeiten. Nachdem die Nudeln mit Eierschwammerln nicht so viel waren, wurde ich trotzdem genau richtig satt, ohne zu platzen. Ein gelungener Tourenabschluss!
