Vorschlag von Wolfgang: Traflberg und Unterberg kombinieren, dadurch kam die respektablen Höhenmeter zusammen. Das Wetter war nahezu perfekt, allenfalls die Fernsicht durch die inzwischen mächtige Dunstschicht schon deutlich getrübt, aber für knapp 100km gen Westen hat es noch gereicht. Das Unterberg-Schutzhaus hatte entgegen der offiziellen Informationen nicht geöffnet. Es gab Selbstbedienung mit Suppenkessel und Topfenkuchen. Doch die beiden verschmusten Katzen versöhnten mich.
Nach dem unfreiwilligen Gewittererlebnis am 16. August 2010 in den Haller Mauern sollte es mich fast genau ein Jahr später erneut am Berg treffen. Diese Erfahrung setzte einen Nachdenkprozess in Gang, dessen konstruktive Folgen sich bis heute auswirken. An jenem Tag waren von den Wettermodellen keine Gewitter vorhergesagt.
Es erwischte dabei nicht nur mich, sondern auch zwei Bekannte am Hochtausing (1823m), Totes Gebirge, beim Begehen eines C-Klettersteigs, sowie zwei Freunde am Admonter Reichenstein, Gesäuse, ein herausfordernder Gipfel mit schwierigen Abkletterstellen (II) sowie einer sehr abschüssigen Platten-Querung. Beide Gipfel waren kein Gelände, um ein Gewitter überstehen zu müssen.
Ich hab meinen damaligen Wanderbericht nochmal überarbeitet und neue Erkenntnisse einfließen lassen.
Anfahrt zum Buchauer Sattel: Großer Pyhrgas, Scheiblingstein, Hexenturm, Natterriegel
Buchauer Sattel – Grabneralmhaus – Admonter Haus – Admonter Warte – Admonter Haus; Abbruch vor dem Mittagskogel – Admonter Haus – Grabner Alm – Buchauer Sattel | 1000hm, 12km
Ein denkwürdiges Datum. Ich verwende speziell den zweiten Tag der Wanderung seit Jahren bei Vorträgen über Gewittervorboten. Unvergessen ist der Tag, als wir zu dritt in einem Wäldchen am Boden kauerten, während die Blitze in der Nähe einschlugen. Es schüttete eine Stunde lang und hagelte dazu. Was war damals in der Vorbereitung schiefgelaufen? Ich bestand knapp zwei Wochen vorher die Diplom-Prüfung zum Meteorologen und wir wurden dennoch „vom Gewitter überrascht. Die Tage vorher waren wir im Zuge des jährlichen Moderatorentreffens in der Sadniggruppe unterwegs – bereits da war das Wetter sehr unbeständig mit morgendlichen Gewittern.
Damals suchte ich in den Wetterkarten nach einer Region, die am Wenigsten schauer- und gewitteranfällig sein sollte. Die nördliche Obersteiermark schien aufgrund der südwestlichen Höhenströmung föhnbegünstigt. Am Gewittertag selbst konnte ich die Wolkenvorboten nicht deuten, wir ignorierten auch den Hüttenwirt, der meinte, einen Donner gehört zu haben, während wir nichts gehört hatten. Wir stiegen trotz umschlagenden Wind und einfallenden Nebel ab.
Aus Schaden wird man klug, könnte man meinen, doch ein Jahr später geriet ich am Schneeberg erneut ins Gewitter – an einem Tag, wo die Wettermodelle nichts gerechnet hatten. Wieder deutete ich die Wolkenvorboten falsch. Im Sinne der schonungslosen Aufarbeitung möchte ich die damaligen Versäumnisse rekapitulieren. Daher veröffentliche ich die Wanderberichte neu – ohne Geschnörkel.
Blick von der Hohen Wand zum Baumkogel gegenüber, dahinter Stuhleck
Wegführung: Spital am Semmering (9.00) – Baumkogel (1416m, 10.35) – Hohe Wand (1409m, 12.05) – Tratenkogel (1565m, 12.57-13.35) – Scheibenhütte und Große Scheibe (1473m, 14.30-15.15) – Mürzzuschlag (16.40) | 1100hm, 17.4km | 1 Mäusebussard | zahlreiche Gefranste Enziane
Seit einigen Monaten stand die Hohe Wand schon auf meiner To-Do-Liste, aber bisher war mir nicht klar gewesen, ob auf den steilen Zacken überhaupt ein Weg ohne Kletterei führen wurde. Dann entdeckte ich kürzlich einen Wanderbericht von P.B. im Gipfeltreffenforum, der dort zum Sonnenuntergang war und dann mit der Stirnlampe abstieg. So schwer konnte der Aufstieg also nicht sein. Günter schloss sich spontan an und so starteten wir am Sonntag pünktlich in Spital am Semmering (Direktzug ab Hbf).
Die letzten Male bin ich über die Bärenwand und den Probststeig auf die Kampalpe gestiegen. Über den Saurücken war ich bisher nur einmal im Winter im Abstieg mit Schneeschuhen unterwegs und das war über zehn Jahre her.
Wetterlage: Kaltfrontdurchgang am späten Abend, im Vorfeld nochmal spätsommerlich warm mit bis zu 28°C am Alpenostrand und rund 24,3 in Mürzzuschlag. Leider nach Südwesten hin schon recht dunstig. Kaum Wind.
Nach der Rückkehr vom Degenhorn verlängerten wir unseren Aufenthalt im Villgratental spontan um eine Nacht, damit sich am Sonntag noch eine ganze Tagestour ausging, um nicht erst gegen Mitternacht in Wien aufschlagen zu müssen. Sonst wäre es womöglich die Karlsbader Hütte in den Lienzer Dolomiten geworden. Ich brachte den Obstanser See ins Spiel, dessen Zugang über einen breiten Steig leicht erschien – oben am Kamm ergaben sich dann zahlreiche Gipfeloptionen.
Bei der Anfahrt war der Parkplatz beim Sportzentrum in Kartitsch schon gut gefüllt. Wir fuhren weiter ins Tal hinein. Dabei überholten wir einen Mountainbiker mit einer Trompete im Rucksack. Kurz vor der Kehre auf ca. 1450m Höhe konnten wir parken. Als sich eine Familie neben uns stellte, erfuhren wir, dass bei der Hütte eine Bergmesse für den Erweiterungsbau stattfinden sollte. Daher herrschte hier so ein Trubel. Zumindest konnten wir so relativ weit hinten parken.
Zweiter Tourentag. Ursprünglich geplant war die Leckfeldalm (wie durchgeführt). In der Früh checkte ich nochmal die Wettermodelle und sah ausgerechnet dort das höchste Schauerpotential am Nachmittag und kaum Chancen auf Auflockerungen. Ich schlug stattdessen die Karlsbader Hütte in den Lienzer Dolomiten vor – da wäre der Gipfel optional gewesen, aber der See als Tagesziel zumindest ungetrübt.
Wir trödelten in der Früh ein wenig zu lang und waren ca. zwei Minuten zu spät am Weg von Außervillgraten nach Sillian. Es gab nämlich ausgerechnet in dieser Zeit Forstarbeiten mit einer Seilbrücke über das Tal hinweg, wo in steilem und unwegsamen Gelände Windwurf und Borkenkäferschäden aufgearbeitet wurden. Dafür wurde die Straße stündlich für nur zehn Minuten geöffnet. Also eine Stunde warten und dann erst nach Lienz, das wäre spät geworden. Wir riefen daher Manfred an, der aus Lienz zu uns stoßen sollte, dass wir doch zur Leckfeldalm hinauffahren werden. Im Schlepptau vom Linienbus kurz nach 9 Uhr rutschten wir außerdem vorzeitig durch die Sperre. Der Motor sprang nicht gleich an und der Forstarbeiter zog ungeduldige Grimassen.
Für Nachahmer: Auto-Navis leiten über die falsche Straße von Westen hinauf, die aber in einer Sackgasse endet. Die richtige Straße ist ausgeschildert und biegt bei der Kapelle zu unserem Herrn im Elend scharf links ab. Man kommt zu einem Schranken mit einem Ticketautomaten. Eine meistens breite Forststraße führt bis zum Parkplatz auf der Leckfeldalm hinauf.
Schottlandfeeling in den Villgratner Bergen – mit teilweise dichten Nebelschwaden, lebhaftem Südwestwind und kurzem Regenschauer. Dazu Heidekrautboden und zahlreiche kleinere Seen. Es war auf seine Weise reizvoll, denn sonst hatte man von diesem Hochplateau einen erstklassigen Dolomitenblick.
Der vielleicht letzte extrem heiße Sommertag in diesem Jahr. In Wien waren es nochmal +33°C, an der Uni Innsbruck sogar 34,3°C – der alte Bundesland-Rekord in Kufstein für September von 1947 um 1,2°C überboten. Erstmals in der österreichischen Messgeschichte gab es in einem September über 1100m Seehöhe einen Hitzetag: 30,1°C in Seefeld. Neuer Septemberrekord auch in Frankreich, mit 40,8°C in Durban-Corbières (Golf von Lyon). In Südtirol (Bozen) gab es bereits 85 Tage mit über 30°C und es kommen noch ein paar hinzu – das sind drei volle Monate.
700hm, 16.2km, ca. 5 Stunden | 1 Reh | extreme Dürre, v.a. Eichen und junge Buchen ohne Fremdeinwirkung umgefallen, an Wurzel vertrocknet, verhungernde Kaltfront
Geburtstag in Wien und bis zum Vortag war unsicher, ob die Kaltfront mit oder ohne Niederschlag durchgehen würde. So ließ sich keine größere Bergtour planen, also blieb ich in der Nähe. Das war aufgrund der instabilen ÖBB wahrscheinlich auch die frustfreiere Variante. Schon bei der Anfahrt nach Liesing hatten wir zehn Minuten Verspätung – bei fünfzehn Minuten planmäßiger Fahrtzeit.
Letztendlich war es dann ein gelungener Ausflug, wenn auch bei deprimierendem Landschaftsbild. Ob sich der Wald jemals wieder erholen kann?
Es fiel mir schon ein wenig schwer den idyllischen Ort zu verlassen, speziell mit dem Wissen, am Abend im 35 Grad warmen Wien aufschlagen zu müssen, aber es half nichts, ich hatte am nächsten Tag Dienst. Was ich definitiv nicht in meine Pläne eingerechnet hatte, war der Feiertag (Mariä Himmelfahrt). Damit war für einen Samstag noch mehr los als üblich. Zudem hoffte ich, in der Mariazellerbahn noch einen Platz zu bekommen. Es ging alles gut, auch weil ich früh dran war und die meisten sowieso bei Wienerbruck wieder ausstiegen.