
Wegführung: Payerbach-Reichenau Bf. (9.40) – Mariensteig-Beginn (10.30) – Karlshöhe (831m, 10.55) – Saurüssel (1340m, 12.30) – Lärchbaumriegel (1313m, 13.20) – Knofelebenhütte (14.30-15.40) – Eng – Payerbach-Reichenau Bf. (17.10)
Höhenmeter: 1050hm | Strecke: 20,1km | Reine Gehzeit: ca. 5 Std. 45 Minuten | Viecher: Rudel Gämse
Geminsam mit Günter wollte ich mir den Jagdsteig auf die Karlshöhe anschauen, der schon seit längerem auf meiner Liste stand. Das Wetter war zwar verbesserungswürdig, aber zumindest blieb es den ganzen Tag trocken. Mit der lebhaftem Nordwestströmung bildeten sich am Alpenostrand hochreichende Gebirgswellen („mountain waves“), was uns neben dem kalten Dauerwind auch zunehmend ortsfeste Leebewölkung bescherte, die stundenlang die Sonne abschirmte.
Nach den ersten Metern mit dem kalten Wind war meine Müdigkeit wie weggeblasen.

Beim Forsthaus der Stadt Wien war alles verwaist, kein Hund zu sehen. Nach einer knappen Stunde erreichten wir den Beginn der Versicherungen am Mariensteig. Diesem folgten wir aber nicht weiter, sondern bogen beim Bankerl auf den gut sichtbaren Jagdsteig ab, der sich einen steilen Grashang hinaufschlängelt.

Nach Südosten querend hatte ich ständig die Sonne frontal im Gesicht und daher Mühe, am Steig zu bleiben. Wildwechselspuren erschwerten die Orientierung. Im Schotterhang befand sich aber auch allerhand frisches Abbruchmaterial, vielleicht war es kein Fehler, schneller zu queren.

Es wurde mir zwar erst hinterher bewusst (in meiner Coros App mit externem Brustgurt), wie stark mein Puls anstieg, was ich vor lauter rauschendem Sturm nicht wahrgenommen hatte, aber die Steilstufe war trotzdem kein Problem.

Danach wurde es bald flacher und die lange Querung auf nun wieder deutlichem Steig begann.




Die Abzweigung zur Karlshöhe übersehen wir (ich) beim ersten Mal, also nochmal zurück. Am höchsten Punkt wuchsen niederliegende Kugelblumen.

Der Weiterweg führte an weiteren Niedersitzen vorbei und war komfortabel ausgebaut.




Die eigentliche Schlüsselstelle war die Querung vor Günters Standort, denn hier wurde der Steig schmal und war von tiefem, sehr rutschigem Buchenlaub bedeckt. Einen Fehltritt durfte man sich hier nicht erlauben. Von weitem hörten wir schon Stimmen und sahen ein paar Kinder beim Ausstieg des Jagdsteigs am Forstweg sitzen. Als wir ankommen, begrüßte uns der Lehrer, der sich mit seiner Schulklasse offenbar verkoffert hatte. Sie waren unterwegs zur Knofeleben und hatten eine Abzweigung zu früh erwischt Richtung Saurüssel. Wir rieten ihnen mit Nachdruck davon ab, den Jagdsteig zu gehen, sonst hätten wir wohl in den Nachrichten davon gehört. Über die Bodenwiese war es ein gehöriger Umweg. Offenbar hatte er nicht einmal eine Karte dabei oder GPS benutzt. „Ich bin hier schon öfter gangen“.
Dann kam die steilen Forstwegabkürzungen am markierten Steig zum Saurüssel, wodurch ich meinen Puls konstant über 150 trieb. Das nächste Mal muss ich a) langsamer gehen, b) vorher anständig frühstücken und c) zwischendurch schnelle Energie nachschieben. So habe ich mich mehr geplagt als nötig. Dazu wehte unablässig der kalte starke Wind.
Bei den Wiesen unterhalb des Gipfels sahen wir ein paar Altschneereste und Kroküsse austreiben, deren Blüten aber noch geschlossen waren. Ich fand auf Anhieb ohne große Umwege den Platz mit dem Gipfelkreuz und der schönen Aussicht.

Im August 2024 kam ich hier das erste Mal vorbei, hatte aber eine dunstige Sicht nach Südwesten. Dank der ausgeprägten trockenen Luftschichtung mit dem Nordwestföhn ging sich dieses Mal die maximale Fernsicht aus:





Vom Aussichtsplatz war es nurmehr ein Katzensprung zum höchsten Punkt des Saurüsselbergs.

Dem braunen, niedergedrücktem Gras nach war der Schnee noch nicht lange weg. Entsprechend karg präsentierte sich die Vegetation mit den typischen Frühblühern nach der Schneeschmelze: Schneerosen, Huflattich, Weiße und Rote Pestwurz und viel Seidelbast.

Von dort wollten wir nach Norden absteigen, aber ohne den Kompass zu verwenden stiegen wir genau nach Osten ab, und kamen auf den Forstweg, der den Lerchbaumriegel umrundet.


Bei der Knofelebenhütte verneinten wir „ob wir der Simon sind“, aber stellten überrascht fest, dass die Schulklasse bereits eingetroffen war. Nicht nur das, sie übernachteten auf der Hütte und hatten entsprechend keinen Zeitdruck durch den beträchtlichen Umweg (rund 13km statt 6km). Ein paar Kinder folgten mit etwas Verspätung und sahen ziemlich abgekämpft aus. Liebe Lehrer, Karte und GPS können nicht schaden, wenn man so viel Verantwortung trägt!
Ich schaute mir die Hirschbratwürstel mit Sauerkraut ausgiebig auf der Tafel an, um mich dann für das vegane Gemüsecurry zu entscheiden. Gute Wahl! Der Hüttenhund, ein mutmaßlicher Labradoodle, holte sich überall Streicheleinheiten. Einmal zoomte ich ihn mit meinem Objektiv heran, da sprang er auf und bellte, kam geradewegs auf mich zu und ließ sich unterm Ohr kraulen. Seltsame Bestrafung 😉





Auch wenn mir die Gipfelinfrastruktur am Sonnwendstein nicht so zusagt, gehe ich immer wieder gerne hinauf, weil es von Maria Schutz weg ein nettes Höhenmetertraining ist (rund 800hm) und man auf der Polleroshütte gut essen kann.

Beim Ende des Mariensteigs schloss sich der Kreis und vor uns sprang ein ganzes Rudel Gämse über den Hang mit dem Jagdsteig hinauf.
Beim Forsthaus stand jetzt ein Auto vor der Tür und meine Hoffnung erfüllte sich damit:

Der Hund lag eingerollt in seinem Körbchen und hob verwundert seinen Kopf, als wir ihn überschwänglich begrüßten „Schön, dass Du da bist und noch lebst!“ Ich freute mich jedes Mal, wenn ich ihn friedlich dort liegen sah.

Wir drückten aufs Tempo und der frühere Zug um 17.24 ging sich problemlos aus. Wegen „Personen im Gleis“ zwischen Meidling und Wien-Mitte endete der Zug allerdings außerplanmäßig in Liesing. Mit einer Doppelstockgarnitur ging es aber nach kurzer Wartezeit schon weiter und so waren wir nur leicht verspätet in Wien.
Wieder eine tolle Tour bei nicht ganz einfachen Windbedingungen. Die Natur schien auch im Tal ein wenig hinten zu liegen – die Trockenheit und wiederholte Kälterückfälle machten sich bemerkbar.
Abschließend der Track:
Für potentielle Nachahmer: Der Verbindungssteig ist zwischen Eng und Saurüssel-Anstieg ist unmarkiert, NICHT schulklassentauglich und nur für trittsichere und in der Orientierung erfahrene Berggeher geeignet! Bei Nässe und Schnee nicht empfehlenswert.
