
Wegführung: Helenental Cholerakapelle (8.50) – Steiniger Weg – Hoher Lindkogel (834m, 10.25) – Orchideenwiese (11.10) – Zobelhof – Dernberg (640m, 12.20) – Schwarzensee (13.00) – Peilsteinhaus (716m, 13.30-15.00) – Gipfelkreuz – Burg Neuhaus (16.00) – Weissenbach an der Triesting Haltestelle (16.35)
Höhenmeter: 1030 | Strecke: 21,7km | Reine Gehzeit: ca. 6 Stunden | Viecher: 2 Rehe, Katze
Ein lange gehegter Plan endlich umgesetzt: Vom Helenental ins Triesting unter Mitnahme zweier bekannter Kalkgipfel im Wienerwald. Dabei störten mich auch das Wochenende und das vermehrte Besucheraufkommen nicht. Der Samstag war für die Anfahrt sogar etwas günstiger, weil ich sechzehn statt sechs Minuten Umstiegszeit hatte. Der unmarkierte Steig nördlich vom Allandriegel war sehr schön zu gehen. Bei den Orchideenwiesen war ich zu früh dran für Orchideen. Der Weitwanderweg (04er) quert die Höfe ohne Hundebegegnung. Am Dernberg verpasste ich den echten Gipfel, dazu später mehr. Das Wetter gestaltete sich frühsommerlich warm, doch der lebhafte Westwind war sehr lästig.
Alles verlief nach Plan und so konnte ich ohne Stress bei der Haltestelle Cholerakapelle starten. Über den steinigen Weg bin ich nun schon öfter aufgestiegen. Letzten Herbst sah ich dort einen Riesenbovisten.

Bald erreichte ich den Hochstand mit der Aussicht neben dem markierten Anstieg. Dieses Platzerl musste ich einfach jedes Mal besuchen. Die Wiener Skyline war erkennbar – weiter nach Osten war der Dunst zu mächtig.

Beim Schutzhaus Eisernes Tor verzichtete ich auf die Einkehr, die war dieses Mal im Peilsteinhaus geplant. Auf die Sinawarte stieg ich aber. Auf der nicht allzu geräumigen Aussichtsplattform saß ein Funker mit Funkgerät und gab zig Mal eine bestimmte Wortkombination und danach seine Kennung durch (OE3BIY), und wartete auf eine Antwort.





Etwas unterhalb des Senders ist ein weiterer Aussichtsplatz mit Bankerl.

Am markierten Weg weiter, vorbei am Hirschenkreuz und dann rechts unmarkiert einen Graben hinab.

Später verjüngte sich der Forstweg zu einem Steig, gelegentlich markiert mit einem Steinmann.

Er mündete nordöstlich vom Allandriegel (682m) in einen Forstweg. Kurz darauf stand ich bei den laut Karte „Orchideenwiesen“. Es blühten jede Menge Himmelsschlüsseln (Primula veris) und einzelne Trauben-Hyazinthen. Für Orchideen war der Boden offenbar noch zu kalt. Weiter oben hatte ich noch einzelne verblühte Schneerosen gesehen. Er heißt halt nicht umsonst „Kalter Berg“.

Schneebergblick und mein nächstes Ziel:








Der Dernberg selbst musste nicht weglos erstiegen werden, sondern über der eingezeichneten Schneisen, die über den (vermeintlichen) Gipfelpunkt verlaufen. Die von Nordosten war jedenfalls ein gut ausgebauter Forstweg, anfangs flach, später immer steiler werdend.


In allen Karten steht beim Dernberg 640m Höhe dabei. Laut AMAP befand sich der Gipfelpunkt dort, wo ich gestanden war. Das war allerdings nicht der höchste Punkt! Die Open Topo Karten hatten zwar den richtigen Gipfelstandort weiter östlich korrekt lokalisiert, aber mit der falschen Höhe versehen:

Was machen wir jetzt? Ich war am Dernberg-Südwestgipfel (640m), hab aber den Hauptgipfel (642m) verfehlt – vielleicht in Verbindung mit einer Herbsttour noch einmal.

Kurz drauf spazierten ohne Hast zwei große Rehe von links nach rechts und verschwanden im Buchenwaldickicht.





Über den steilen Judith-Kremer-Steig bewältige ich die (fast) letzten Höhenmeter des Tages und beendete endlich meine tagelange Durststrecke, was Orchideensichtungen betraf.


Draußen sitzen war mir nach Stunden in der prallen Sonne zu warm, also setzte ich mich in den Gastraum und konnte sie die Speisentafel ausgiebig studieren. Die Linsen mit Knödel waren ausgezeichnet, danach gönnte ich mir noch eine „fluffige Bananenschnitte“, die ich bis zum Ende der Wanderung wohl regelrecht verbrannt hatte – jedenfalls gut vertragen. Zu trinken gab es Hainfelder Bier vom Fass, da sagte ich nicht nein.




Früher verlief die der Mariazeller Wallfahrtsweg (und 01er) über die große Weide nach Neuhaus. Später wurde er in der Weidesaison umgeleitet, inzwischen handelt es sich um eine dauerhafte Lösung.




Ich schaute auf die Uhr, den nächsten Zug würde ich verpassen, also ging sich ein Schlenker zur 1246 erstmals urkundlich erwähnten Burg Neuhaus auch noch aus. Die hab ich bereits 2021 besucht, aber hatte keine lebhaften Erinnerungen mehr daran.


Die ehemalige Hauptburg ist abseits von Veranstaltungen offenbar nicht zugänglich. In Weissenbach hätte ich mir am „Bahnhof“ einen Getränkeautomaten gewünscht. Also verbrachte ich die Wartezeit auf einem Rastplatz neben der Straße. Plötzlich raschelte es im Gebüsch neben mir.

Die Katze ließ sich weder vom einfahrenden Zug, von kreischenden Motorradfahrern noch von aufgedrehtem Bass vorbeifahrender Autos irritieren. Erst als ein Fahrzeug mit einem hellen Klingeln vorbeifuhr, hob sie den Kopf. Der sich bald wieder senkte und sie weiterdöste.

Die Rückfahrt verlief wieder völlig unkompliziert und ein schöner Tag ging zu Ende.