
Wegführung: Kahlenbergerdorf – Nasenweg – Leopoldsberg – Vogelsangberg (516m) – Hermannskogel (544m) – Hameau – Gränberg (462m) – Heuberg (464m) – Jubiläumswarte (449m) – Satzberg (435m) – Dehnepark – Hütteldorf
Strecke: 20,3km | Höhenmeter: 830hm | Viecher: 5 Smaragdeidechsen, 2 Eichkatzln
Eigentlich wollte ich nach Frohnleiten an der Mur fahren, auf den Haneggkogel gehen, ein paar Kirchen besichtigen und gut essen gehen. Doch am Vorabend dämmerte mir, dass der aktuelle Waldbrand „nördlich von Graz“ genau am Nachbarberg meines geplanten Gipfels wütete – weniger als zehn Kilometer Luftlinie entfernt. Die Höhenströmung war zwar indifferent, aber durch die tageszeitliche Erwärmung war thermisch auflebender Südostwind zu erwarten, also im ungünstigen Fall stärkere Rauch- und Brandgeruchentwicklung. Das verschob ich lieber auf einen Zeitpunkt nach dem irgendwann hoffentlich eintreffenden Regen.

Vor kurzem hatte jemand am Nasenweg eine Spinnen-Ragwurz (Orchidee) gesehen. Das erstaunte mich, denn dort hab ich noch nie Orchideen gesehen und auch keine erwartet. So verwunderlich war es aber nicht, denn die Kalkrippen dort bieten ideale Trockenrasenbedingungen.

Es dauerte nicht lange, bis ich fündig wurde.




Mit den Orchideensichtungen hatte ich auch wenig Glück, denn von oben nach unten putzten Mitarbeiter der Stadt Wien gerade den Weg durch, mit Axtschere und mobilem Rasenmäher (Zerkleiner). Dabei wurde – in meinen Augen – recht unsensibel – die wertvolle Trockenrasenvegetation unmittelbar neben dem Wegesrand einfach weggesenst. Da dürfte es auch die ein oder andere Spinnen-Ragwurz miterwischt haben. Ich werde mir den „Schaden“ zeitnah nochmal anschauen. Auf die vorbeigehenden Spaziergänger nahm man auch wenig Rücksicht. Ein Passant bekam anscheinend ein Stück gemähten Ast an den Kopf und rief laut „Au!“ – „Du musst schon etwas aufpassen“ sagte er dem Arbeiter, der es gar nicht mitbekam.
Eine weitere Überraschung: Mit Smaragdeidechsen hatte ich ebenso wenig gerechnet. Insgesamt sah ich drei Männchen und zwei Weibchen, aber es raschelte überall in der Böschung



Eigentlich zoomte ich auf eine rot blühende Mohnblume davor, aber das interessantere Motiv verbarg sich am Boden dahinter:


Dieses Mal ersparte ich mir den Asphalthatscher über den Kahlenberg, sondern ging nördlich an ihm vorbei, erst beim Parkplatz am Leopoldsberg und dann den markierten Weg mit dem Bogenschützen-Parcourt, der beim Baumfriedhof endete.

Angesichts der starken Trockenheit ist ein Lagerfeuer derzeit weiß Gott keine schlaue Idee, aber offenbar möchte man das Sterben des kleinen Eschenwäldchens am Gipfel beschleunigen.


Maximale Fernsicht am Vogelsangberg über den gleich hohen Exelberg hinweg.


Gerne hätte ich mich auf die Sonnenterrasse gesetzt und ein Bier getrunken, aber Montag und Dienstag sind wie so oft Ruhetag bei den Gasthäusern. Den Hermannskogel erklomm ich über die direttissima, die direkt beim Gipfelkreuz endet. Kurz vor dem Gipfel erschrak ich durch einen Mountainbiker, der zur Abfahrt ansetzte. Das war auch das einzige Mal, dass ich meinen Puls über 160 trieb.



Beim Hameau legte ich die erste längere Rast von etwa zwanzig Minuten ein, doch die Sonne brannte nur so herunter und ich ging daher lieber langsam weiter. Den Gränberg (462m) nahm ich im Vorbeigehen mit, dann hinab Richtung Schwarzenbergallee.



Der markierte Weg hinauf ist zugleich der beliebte MTB-Trail „Wilhelminenberg“ – entsprechend musste ich drei Mal zur Seite treten, als Mountainbiker im Affenzahn hinabsausten. Ihn bergab gehen zu wollen erfordert eine gewisse Todessehnsucht.

Rückblickend war es zum Schmunzeln: Ich querte die Kreuzeichenwiese und steuerte zielstrebig die falsche Abzweigung an, nämlich hinab zur Feuerwache am Steinhof, bemerkte durch das starke Gefälle meinen Irrtum auf halber Strecke und querte über kleine Steiglein zum richtigen Weg zur Aussichtswarte. Bei meiner ersten Wanderung zur Jubiläumswarte am 1. Oktober 2011 war mir Ähnliches passiert: Ich erwischte den Weg hinab ins Rosental, dann hinauf zur Kreuzeichenwiese, wo ich nach dem Weg zur Warte fragte, auf dem ich dann sogar schon war.
Die Fernsicht war für einen Frühlingsnachmittag bei leichtem Südostwind ungewöhnlich gut. Im Norden sah man bis zu den Kleinen Karpaten und sogar bis zur Velka Javorina (970m), dem höchsten Gipfel der Weißen Karpaten (130km).










Im Dehnepark fand gerade eine Kindergeburtstagsfeier statt und ich querte zügig.

Nahe der Endhaltestelle der Linie 49 beendete ich meine Stadtwanderung. Ich bin alle Wege schon einmal gegangen, aber noch nie in dieser Variante. Auf der Jubiläumswarte war ich insgesamt nicht allzu oft, nachdem sie im Winter geschlossen ist und doch etwas im Abseits liegt. Erschreckend war wieder einmal die Trockenheit: Am gesamten Weg staubtrockene, rissige Böden, keine Pfützen mehr. Tagelanger Landregen wäre notwendig, damit das Wasser tief in den Boden eindringen kann. Wenn sich daran im Mai nichts gravierend ändert, wird der Start in den Sommer wieder mit einem Grillverbot eingeläutet werden müssen. So trocken hab ich die Böden zuletzt im Sommer 2024 gesehen.
Der gelungene Tagesabschluss fand für mich dann im Gastgarten des Schutzhaus Zukunft auf der Schmelz start, mit Spargel-Cordon-Bleu, Schokokuchen und Starobrno vom Fass.