Mammutbäume, Waxenberg (501m) und Stift Göttweig, Dunkelsteinerwald (22.04.26)

Stift Göttweig im Anstieg zu den Mammutbäumen

Wegführung: Paudorf Hst. – Mammutbäume – Waxenberg – Klein-Wien – Predigtstuhl-Aussichtsplatz – Stift Göttweig – Aigen – Zellergraben – Furth-Palt Bahnhof

Höhenmeter: 650 | Strecke: 17,4km | Reine Gehzeit: | Viecher: 1 Smaragdeidechse, 2 Eichkatzln, Katze, Turmfalke

Nach mehreren Anläufen hat es endlich geklappt mit dieser Variante unter Einbezug mehrer Sehenswürdigkeiten am Wegesrand. Mein Gesamtfazit: Im Herbst wahrscheinlich noch ein wenig schöner mit der Laubfärbung und Fernsicht zu den Alpen. Zudem blühte recht wenig Interessantes für meine Augen am Boden. Abgesehen davon kam ich aber auf meine Kosten.

Track auf der OTM

Der Triebwagen von St. Pölten Richtung Horn war „aufgrund eingeschränkter Fahrzeugverfügbarkeit“ ein alter 5047er mit hohem Einstieg und zudem nur ein Garnitur, die entsprechend überfüllt war. Die Durchsagen waren so leise, dass ich sicherheitshalber den Track mitlaufen ließ, um zu wissen, wo ich aussteigen musste.

Paudorf mit Predigtstuhl rechts verdeckt

In Paudorf angekommen ging ich nicht neben den Gleisen, sondern durch den Ort, denn ich hoffte auf …

… eine Katzen-Sichtung
Frühlingsplatterbse in markanten Farben

Der direkte Anstieg ohne Forstwegkehren war offenbar durch das Unwetter von 2024 zerstört worden, jedenfalls sah ich nur den Forstweganstieg.

Stift Göttweig und Predigtstuhl rechts

Wenig später erreichte ich das gut ausgeschilderte Gelände rund um die Mammutbäume.

Eindrucksvolle Stämme
Dicke Wurzelstümpfe
Hochkant passten sie kaum aufs Bild

Etwas zur Geschichte der Mammutbäume: Sie wurden im Jahr 1880 angepflanzt und in der Größe handelt es sich um einen einmaligen Bestand in Österreich. Auch Bäume von anderen Kontinenten befinden sich im Adalbert-Dungel-Park, aber die alten Holzschilder sind teilweise schon sehr verblichen und die Wege schon etwas verwachsen.

Eine alte Taferl besagte:

„Adalbert-Wellingtonien“ – Zur Erinnerung an Plen. Tit. R.R. Herrn Praelat Adalbert Dungel, welcher als Waldmister des Stiftes Göttweig vom 1. Juli 1877 – 29. Sept. 1886 den Samen der „Wellingtonia gigantea“ dieser Umgebung im Jahr 1880m die Erde legte. In dankbarer Huldigung das Waldamit Göttweig im Jahre 1903.

Auch der Weiterweg zum Waxenberg war ausgeschildert, aber gehörte zum eintönigsten Forstweghatscher sei langem:

Frisch aufgeschütete Sandstraße über Kilometer hinweg
Entsprechend froh war ich über den abwechslungsreicheren Aufstieg am Waxenberg-Rücken
Gipfelkreuz mit Stift Göttweig

Ich setzte mich auf das Gipfelbankerl, um zu jausnen und mich umzuziehen. Von hinten sprach mich plötzlich eine Bergläuferin an „Hallo!“ – Ich erschrak merklich und sie entschuldigte sich, aber ich hatte einfach nicht damit gerechnet, nachdem ich am ganzen Weg niemand begegnet war. Sie verschwand gleich wieder und ich kramte weiter im Rucksack herum. Plötzlich sprach mich schräg von vorne ein Wanderer an, der über den unmarkierten Steig am Rücken aufgestiegen war. Ich erschrak erneut und auch er entschuldigte sich gleich. Manchmal hat man eben einen Lauf …

Stift Göttweig im Sonnenlicht

Die Anlage war, anders als es der erste Eindruck vermuten ließ, keineswegs durchwegs im Barock erbaut worden. Das Langhaus hatte romanische und gotische Ursprünge – zu sehen außerdem der westliche, ältere Flügel, auch „Burg“ genannt, aber das sollte ich mir später noch aus der Nähe ansehen.

Tullnerfeld und Manhartsberg (537m)-Höhenzug links

Für den Abstieg folgte ich zunächst dem Wanderer – die ersten hundert Höhenmeter waren sausteil und die Erde ziemlich trocken. Er ging geradeaus weiter, ich bog bei einem Steinmann nach links ab.

Rückblick auf den lockeren Mischwald am steilen Osthang
Bald etwas weniger steil in den Buchenwald hinein

Der in den meisten Karten nicht eingezeichnete Steig alias Trail führte ohne Kompromisse direkt nach Klein-Wien und ich kam genau gegenüber der Kirche St. Blasius im Tal heraus. Klein-Wien hat nichts mit der Stadt Wien zu tun, sondern kommt von althochdeutsch Wihen (Weihen) und deutet auf Kirchenbesitz hin.

Spätgotischer Kirchenbau mit barockem Dachreiter aus dem Jahr 1717
Auf der gegenüberliegenden Seite in ausladenden Kehren hinauf
Waxenberg gegenüber, Durchbruchstal der Fladnitz unten
St. Blasius von oben

Ich folgte dem Wegweiser „Predigtstuhl“ und gelangte zu diesem Aussichtsfelsen: Links Mühlberg, rechts Großer Anzingerberg, im Hintergrund blass die Alpen.

Aussichtsplatzerl mit Granitfelsen
Schneeberg sehr blass links im Dunst, rechts Hochstaff und Reisalpe
Hocheck (1037m) und Sirnitzgupf (956m)

Später hab ich mich etwas geärgert. Vor lauter Schildern, wo die MTB-Trails verlaufen und wo die Wanderer erlaubt waren, verpasste ich den Platz mit den Fundamenten der Georgskirche am eigentlichen Gipfel des Predigtstuhls.

Männchen der Östlichen Smaragdeidechse

Dann betrat ich das Stift und war froh, einen Wochentag in der Vorsaison dafür ausgewählt zu haben. Die anwesenden Busgruppen verteilten sich gut und das Gelände wirkte nicht überlaufen.

Stiftskirche (nach 1718 errichtet) mit romanischem Langhaus (Gründungszeit der Burg, 1072), Doppeltürme von 1750 bis 1755, Turmhelme aus Spargründen nicht errichtet
Gotischer Chor aus dem Jahr 1401 bis 1430 mit neuerem (?) Anbau mit gotischen Spitzbogenfenstern
ehemals romanisches Langhaus, barockisiert

Interessanter fand ich da schon die Erentrudiskapelle aus der Gründungszeit der Burg von 1072.

Gotisches Langhaus aus dem 12. Jahrhundert, mit romanischer Halbapsis
Blick ins Innere mit romanischen Rundbogenfenstern
Ostansicht mit romanischer Halbapsis von der ursprünglichen Erentrudiskirche

Danach stieg ich zur Stiftsterrasse ab – leider war die Restaurant-Terrasse nebenan geschlossen, aber das sollte mich nicht von der Einkehr abhalten.

Krems an der Donau – mit vier Kirchen auf einen Blick: Ganz links die ehemalige Klosterkirche der Dominikaner, um 1240 erbaut, Chor aus dem Jahr 1320/1330. Rechts unauffällig die spätgotische Bürgerspitalkirche aus dem Jahr 1470. Ganz hinten die Piaristenkirche (auch: Frauenkirche), 1014 erstmals urkundlich erwähnt und damit die älteste Kirche der Stadt – in der heutigen Form spätgotisch ab dem mittleren 15. Jahrhundert errichtet. Der Kirchturm stammt in den unteren Teilen noch aus der Gründungszeit. Davor die ehemalige „Mutterpfarre“, die Stadtpfarrkirche. Der untere Teil des Turms stammt aus dem frühen 13. Jahrhundert, das Langhaus wurde im frühen 17. Jahrhundert neu errichtet.

Krems an der Donau
Krems und die ersten Anhöhen des Waldviertels

Im Stiftsrestaurant konnte man hervorragend essen. Ich wollte nichts Fleischliches und entschied mich für „Pasta mit Wildem Brokkoli, Tomaten, Zuckerschoten und Buchenpilzen“ – dazu noch ein Gemischter Salat.

Ein Lob an den Koch

Danach strebte ich dem Ausgang zu für die letzte Etappe zum Bahnhof.

Frontalansicht der Stiftskirche
Dicke Mauern des Südwestflügels der ehemaligen Burg aus dem 11. Jahrhundert.

Vom Stift stieg ich am markierten Wanderweg direkt nach Aigen ab.

Schneebergblick
Mischwald
wahrscheinlich einjähriges Silberblatt (Lunaria annua)

Ab Aigen dann kurz steil hinauf zu den Weinbergen über beeindruckende Hohlgassen im Löss.

Rückblick zum Göttweiger Berg
durch die Weinberge

Dann stand ich vor, besser gesagt, im einen Kilometer langen Zellergraben, dessen Lösswände bis zu zwölf Meter Höhe erreichen. Den bunten Bienenfresser hab ich nicht gesehen, aber auch nicht darauf geachtet. Ich war zu sehr abgelenkt von dem parkenden Auto beim Rastplatz in der Mitte des Grabens. Ein älteres Paar saß auf der Bank mit der Bierdose und hörte bei offener Autotür laut furchtbare Schlagerpopmusik. So richtig konnte ich diesen Platz daher nicht genießen und ging rasch weiter.

Naturdenkmal Zellergraben
Weißling (Pieridae spec.) auf Salbei
„Spot on“

Entlang den teils meterhohen Böschungen an den Weinbergen wuchsen angeblich auch einige Orchideenarten, doch dafür war ich, wie bei fast allen Wanderungen mit Orchideenstandorten in der zweiten Aprilhälfte, zu früh dran. Die kalten Nächte und die anhaltende Trockenheit verzögerten womöglich auch das Wachstum.

Braunes Mönchskraut (Nonea pulla)
Fruchtstand des Gewöhnlichen Reiherschnabels (Erodium cicutarium)
Niederliegender Ehrenpreis (Veronica prostrata)
Hohlgassenidylle
Im Katzengraben – leider ohne Katzen

Nachdem die Vegetation sonst nicht mehr viel hergab, kürzte ich meine Runde ab und ging auf direktem Weg zur Haltestelle Furth-Palt. Wie gesagt, für Orchideen war ich etwas zu früh dran, und für die Fernsicht zu den Alpen und allgemeine Vegetationsstand war der Herbst vermutlich die bessere Jahreszeit. Dennoch konnte ich zufrieden sein.

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