
Wegführung: Kahlenbergerdorf – Nasenweg – Leopoldsberg (425m) – Klosterwald – Handleinsberg (495m) – Vogelsangberg (516m) – Hermannskogel (544m) – Gasthaus zum Agnesbründl – Kohlenbrennergraben – Cobenzl – Oberer Reisenbergweg – Grinzing | 560hm, 12.7km
Der vielleicht letzte extrem heiße Sommertag in diesem Jahr. In Wien waren es nochmal +33°C, an der Uni Innsbruck sogar 34,3°C – der alte Bundesland-Rekord in Kufstein für September von 1947 um 1,2°C überboten. Erstmals in der österreichischen Messgeschichte gab es in einem September über 1100m Seehöhe einen Hitzetag: 30,1°C in Seefeld. Neuer Septemberrekord auch in Frankreich, mit 40,8°C in Durban-Corbières (Golf von Lyon). In Südtirol (Bozen) gab es bereits 85 Tage mit über 30°C und es kommen noch ein paar hinzu – das sind drei volle Monate.
Ich startete am mittleren Vormittag meine übliche Aufstiegsroute auf den Leopoldsberg, hatte aber keine Ambitionen für einen Geschwindigkeitsrekord. Ein junger Sohn zeigte seiner Mutter die direttissima am Nasenweg mit dem steilen Steiglein und dem Aussichtsbankerl. Dort hatte ich im Frühling noch Orchideen gefunden.

Natürlich interessierte mich in erster Linie, wie stark sich die Dürre in diesem Bereich des (Kalkstein-) Wienerwalds bemerkbar machte.


Von der Aussichtskanzel am Leopoldsberg hatte man dank der gut belüfteten Grundschicht einen weiten Blick bis zu den Weißen Karpaten: Im Vordergrund die Gemeinde Pillichsdorf am Rußbach, mit einer der ältesten und größten Pfarrkirchen der Region. Das Langhaus ist romanischen Ursprungs (13. Jahrhundert), der hohe Chor wurde im 15. Jahrhundert angebaut, der 45m hohe Kirchturm im 16. Jahrhundert errichtet.

Die weiteste Sicht des Tages aber ging bis zum Považský Inovec (Freistädter Gebirge), zwischen Trnava und Trenčín gelegen, und seiner höchsten Erhebung, dem Inovec.






Ich blieb schattenseitig und ging den Weg nördlich der Höhenstraße bis zur Kreuzung bei der Elisabethwiese, dann erneut nordseitig bei den Bogenschützen-Parcours bis zum Klosterwald.





Beunruhigender als den Zustand der Wiese fand ich folgende Hinweise auf ein Feuer im Aufstieg zum Vogelsangberg:


Seit Jahren schon findet man hier immer wieder eine Feuerstelle direkt am Gipfel. Der Vogelsangberg behebergt einen seltenen Gipfel-Eschenwald, der jedes Jahr durch Pilzbefall kleiner wird. Die anhaltende Trockenheit und Stürme setzen dem Gipfelwald außerdem zu. Warum im Herrgottsnamen muss man bei hoher Waldbrandgefahr dann noch Lagerfeuer veranstalten?
Am Westhang des Vogelsangbergs ging sich wieder die Sichtachse zu den freistehenden Ybbstalern aus:


Bei den Wiesen entlang vom Stadtwanderweg sah man deutlich, welche Standorte vom Schatten profitierten – dort war das Gras entsprechend grüner, sonst mitunter völlig verbrannt.
Durchgucker nach Norden am Hermannskogel mit Freiberg (392m) im Vordergrund:





Selbst von hier unten hatte man einen schönen Ötscherblick:
Im Vordergrund östlich vom Ötscher zudem Hochkogel (1064m), Anestberg (1092m) und davor Pölsenhöhe (634m).



Die Einkehr war fix geplant. Laut Facebookseite standen die Zillertaler Wochen an, wenn auch leider noch nicht an diesem Tag. Aber das Wiener Schnitzel mit Brennnesselpanier und Braterdäpfelchips war auch vorzüglich. Dazu gab es derzeit Bürgerbräu, Bayrisches Bier aus Bad Reichenhall, immerhin noch eine private Brauerei. Eines der besten Biere, das ich bisher getrunken habe. Der Westwind frischte mittags immer stärker auf und demolierte auch einen Sonnenschirm auf der Terrasse. Ich saß bei der Hauswand und dann auch irgendwann ohne Schatten da, nachdem es die Schirme zwei Mal umgeworfen hatte. Es störte mich aber nicht sonderlich – so bot sich immerhin eine freie Himmelssicht:


Die Struktur der Bewölkung verriet, dass in der Höhe kräftige Westwinde herrschten, und zwar von unten nach oben zunehmend. Außerdem musste es eine Inversion geben, damit die Bedingungen für das Wellenphänomen erfüllt waren. Laut Radiosondenaufstieg, sowohl vom Ort als auch der Uhrzeit ziemlich repräsentativ für die Bildaufnahme, gab es die Temperaturinversion in recht exakt 2km Höhe. Darüber auch eine weitere Windzunahme mit dem Nordwestwind. Ohne den Wienerwaldföhn wäre es gestern kühler geblieben.
Ich stieg über den Holzknechtsteig im Kohlenbrennergraben ab. Der Erbsenbach war nurmehr ein dünnes Rinnsal, aber immerhin. In normalen Sommern meide ich diesen Abstieg, weil er ziemlich feucht und rutschig ist.


Die Reisenbergwiese westlich vom Cobenzl bot einen jämmerlichen Anblick:







Zwischen Anninger und Föhrenberge war der Wechselstock sichtbar in 87km Entfernung:



Vom Cobenzl stieg ich schließlich über den Oberen Reisenbergweg nach Grinzing ab.


Die Natur holt sich alles zurück, wenn man sie lässt:
