Eigentlich wollte ich nach Frohnleiten an der Mur fahren, auf den Haneggkogel gehen, ein paar Kirchen besichtigen und gut essen gehen. Doch am Vorabend dämmerte mir, dass der aktuelle Waldbrand „nördlich von Graz“ genau am Nachbarberg meines geplanten Gipfels wütete – weniger als zehn Kilometer Luftlinie entfernt. Die Höhenströmung war zwar indifferent, aber durch die tageszeitliche Erwärmung war thermisch auflebender Südostwind zu erwarten, also im ungünstigen Fall stärkere Rauch- und Brandgeruchentwicklung. Das verschob ich lieber auf einen Zeitpunkt nach dem irgendwann hoffentlich eintreffenden Regen.
Material- und Belastungstest gemeinsam mit Doris. Kalter Wind, deutlich einstellige Höchstwerte und durchgehend leichter Regen. So traf man auch an einem Sonntag ausnahmsweise kaum Wanderer am Stadtwanderweg (dafür viele Trailrunner und andere Läufer, gerne auch zwei Mal innerhalb einer Stunde). Beim Imbiss am Kahlenberg, der kommende Woche in der Osterpause ist und ab 6. April in die Sommersaison startet, wärmten wir uns mit einem Capuccino auf. Beim Anstieg ab Schönstatt hörten wir einen Jäger bei der Schwabenwiese zwei Mal einen Schuss abfeuern.
Neben der Coros-Sportuhr trackte ich die Herzfrequenz mit dem Polar H10 Brustgurt mit. Bei 155bpm setzte ich mir einen Alarm (aus gesundheitlichen Gründen). Beim Nasenweg ertönte dieser einmal, also langsamer gehen – bei der restlichen Runde dann nicht mehr. Das Tempo passte gut.
Trübe Aussichten am Nasenweg auf Kahlenbergerdorf und Burgstall (295m) Wellensittiche beim Gasthaus zum Agnesbründl, vom Regen recht unbeeindruckt Vertrocknete Buchenblätter (beim Phänomen namens Mareszenz fallen die toten Blätter im Winter nicht ab) Knospenstand der Gewöhnlichen Rosskastanie Blütenstand der Rosskastanie
Ausnahmsweise ist ein Adriatief-Ereignis so eingetroffen wie es die Wettermodelle Tage vorher schon angedeutet haben. Der Niederschlagsschwerpunkt lag dabei in der Ost- und Südosthälfte von Österreich und brachte verbreitet das größte Neuschnee-Ereignis seit 13 bzw. 21 Jahren. Im Wiener Becken und Burgenland fielen 15-30mm als Schnee, in der südlichen Steiermark 40-60mm. Verbreitet kam es zu Stromausfällen durch umgestürzte Bäume auf Oberleitungen. Der Verkehr brach zusammen. In Wien fielen im Stadtgebiet 15-20cm, am Hermannskogel waren es rund 30cm, mit Verwehungen 50cm.
Der Grund für den späten Schneereigen war dieses formschöne Adriatief mit ausgeprägter Dry Intrusion über Kroatien, Saharastaub-Cirrus über Thüringen, Sachsen, Südpolen und teilweise Ungarn. Der Okklusionspunkt lag über Ostösterreich. Insgesamt intensive Hebung durch Aufgleiten der milden Mittelmeerluft auf einströmende Kaltluft aus Norden, zugleich Staueffekte.
Am Vortag und selbst in der Früh überlegte ich noch, ob ich es wagen sollte, nach Gumpoldskirchen (Anninger) oder ins Helenental (Hoher Lindkogel) zu fahren, entschied mich wegen der vielen Zugausfälle dann aber dagegen. Angesichts der Neuschneemengen konnte ich es wagen, mit kurzer Anfahrt direkt in Döbling zu starten. Damit war diese Tour für mich eine Premiere: Erstmals auf Wiener Boden mit Schneeschuhen unterwegs! Im Verlauf der Wanderung stieg die Lufttemperatur auch in den höheren Wienerwaldlagen knapp ins Plus. Die diffuse Strahlung bewirkte ein Anfeuchten und Setzen der Schneedecke.
An Tagen mit spannendem Wetter versuche ich immer unterwegs zu sein, und wenn es nur meine übliche Runde in den höheren Wienerwaldlagen von Wien ist. Für gleichmäßig 3-5cm vom Stadtgebiet bis Hermannskogel reichte dieses Neuschneeereignis. Bis Montag wird man den winterlichen Eindruck genießen können. Dann kommt erst gefrierender Regen und zumindest vorübergehend eine deutliche Milderung. In mittleren Lagen zeichnen sich deutliche Plusgrade ab.
Höhenmeter | Strecke | Reine Gehzeit: 700hm | 17.5km | ca. 4 Std. 50 Minuten
Track auf der Open Topo Map
Nach dem Nachtdienst wollte ich mir noch etwas die Beine vertreten und fuhr bis Hadersdorf, womit zumindest die ersten Kilometer für mich neu sein würden.
Höhenmeter | Strecke | Reine Gehzeit: 580hm | 12.3km | ca. 3 Std.
Viecher: 2 Buntspechte
Ich trödelte zu lange am Vormittag, daher ging sich die Überschreitung bis zur Sofienalpe (und darüber hinaus) nicht mehr aus. Dennoch hatte sich die Bewegung an der frischen Luft wieder gelohnt. Erstmals mit CEP-Kompressionssocken und den Hoka Speedgoat 6 GTX – super Grip selbst auf vereisten Wegabschnitten. Die Nebelobergrenze war nah, aber es reichte dieses Mal – wie schon an Neujahr – nicht, um darüber zu kommen. Die Habsburgwarte hatte geöffnet, ebenso laut ehrenamtlichen Wart am 20/21. Dezember, an Silvester sowie am 10./11. Jänner.
Höhenmeter | Kilometer | Gehzeit: 810hm | 16.9km | ca. 4,5 Std.
Eigentlich wollte ich ins Puchberger Becken fahren, aber am Vortag fuhr ich über die Floridsdorfer Brücke und sah die goldroten Weinberge in Döbling und änderte daraufhin meine Pläne. Um es nicht zu eintönig zu machen, baute ich ein paar Gegensteigungen ein. Den Kollersteig bin ich schon länger nicht mehr gegangen, der Wiederanstieg zur Josefinenhütte war neu für mich. Auch den Forstwegabschnitt oberhalb vom Siedersgraben in den Höllgraben kannte ich noch nicht. Was soll ich sagen? Es hat sich auszahlt – nebenbei meine 50. Leopoldsberg-Besteigung.
Gehzeit Gesamt (inkl. Fotografierpausen): ca. 2 Std. 45min
Viecher: Ringeltaube
In den kommenden sechs bis acht Wochen, eventuell auch länger, wird mir nichts anderes übrig bleiben als alle Wienerwaldgipfel abzugrasen. Mit der erwachenden Natur verändert sich die Umgebung zumindest optisch und die stressreduzierenden Waldgerüche nehmen zu. Heute ging ich ein Wagnis ein und benutzte erstmals das Rad zur Anreise, das ich in Obersievering an das Jugendstilgeländer vom Uferweg kettete. Wagnis deshalb, weil ich noch nie irgendwohin in Wien mit dem Rad fuhr und es längere Zeit unaufbesichtigt stehen ließ. Ich hoffte inständig, dass derzeit nicht die Zeit ist, um Räder zu klauen.
Es gab am gesamten Weg kaum längere Abschnitte ohne Spaziergänger oder Mountainbiker, das meiste waren Paare oder Familien, ich fand aber doch gelegentlich die so schmerzlich vermisste Erholung in der Natur. Einziger Störfaktor dabei war die nahe Höhenstraße, die lauter rauschte als die Südosttangente. Das Pflaster des Todes.