Überschreitung der Hohen Wand mit Kleiner Klause und Springlessteig, 01.09.26

Wegführung: Waldegg-Dürnbach Hst. (9.10) – Kleine Klause (A/B, 10.12) – Kleine Kanzel (11.25) – Leitergraben – Hubertushaus (13.00-14.35) – Springlessteig (A) – Höflein Hst. (15.51) | 860hm, 13.9km, ca. 5 Stunden | 1 Maus, 1 Steinbock

Trockene Bedingungen nach dem nächtlichen Gewitterregen. Keine schwüle Luft und gleichzeitig nicht das Bedürfnis, extrem früh aufzustehen. Daher wurde es wieder einmal die Hohe Wand auf Wegen, die ich heuer (Springlessteig) bzw. zuletzt vor vierzehn Jahren (Kleine Klause) mit Wolfgang beschritten habe. Wenn ich alleine Kletterpassagen zu bewältigen habe, dann bevorzugt etwas, das ich in Begleitung schon einmal gemacht habe und mich dabei sicher fühlte.

Die Anfahrt verlief unkompliziert, aber nur weil ich einen Zug früher nach Wiener Neustadt nahm und damit genügend Puffer für den Zug ins Piestingtal hatte.

Etwa ab Markt Piesting wandelten sich die Wiesen im Tal von braun zu mehr Grüntönen. Manchmal machten wenige Gewitter den Unterschied auf wenigen Kilometern aus, ob es noch genug Bodenfeuchte gab oder nicht.

Verspätungsfreier Start in Waldegg-Dürnbach im Piestingtal. Zwar ist die Route entlang der Straße markiert, aber was hier eindeutig fehlte, war ein Fußweg. Zumindest unter der Woche war hier einiges an Verkehr ins Tal hinein.

Dürnbachtal zwischen Dürrenberg (664m) und Größenberg (895m)
ehemaliger Nazwirt

Beim ehemaligen Nazwirt, wo sich rund 100 Jahre lang ein Wirtshaus befand, bog ich links in den Zustieg zur Kleinen Klause ab. Das letzte Mal war ich hier am 28. Mai 2012 gemeinsam mit Wolfgang. Nach einer längeren leicht ansteigenden Querung im Wald kam schon der enge Graben hinauf.

Bei der Felswand links würde es zur Krummen Ries gehen, einem unschwierigen Weg direkt zum Waldegger Haus.

zum Einstieg nach rechts

Nach wenigen Metern stand ich schon am Beginn des versicherten Klettersteigs. Oben hörte ich eine Mutter laut zu ihren Kindern rufen, daher wartete ich, bis sie außer Hörweite waren, ehe ich mit dem Aufstieg begann. Weiter rechts war der Madersteig angeschrieben, laut Tafel UIAA II und laut Bildern recht exponiert. Nichts für mich, schon gar nicht alleine.

Hier zog ich meine Kletterhandschuhe an und den Helm auf (übrigens auch den Springlessteig hinab).

Beim Übertritt von der senkrechten Wand in die Klammer braucht es ein wenig Kraft. Die Eisenstange links zum Festhalten war ziemlich locker und wenig vertrauenserweckend. Dahinter folgte dieser steile Riss mit weiteren Trittbügeln.

Nach der Leiter stieg ich rechts in der Rinne weiter auf.

Und das war es auch schon. Nach fünf Minuten waren die schwierigsten Stellen gemeistert.

Ausstieg, rechts Größenberg

Es folgten noch einige leichtere Felsstufen, teils mit Trittbügeln, und leider viel Steinschlag und Windwurf.

Speziell hier sollte mal das Fichtenmoped ran. Da musste man unter den Bäumen durchkriechen oder drübersteigen.

Kurz hatte ich überlegt, auf die Aussichtswarte zu gehen, aber der Durst war größer. Also gleich weiter zur Kleinen Kanzel, wo sich beim geschlossenen Gasthaus seit ein paar Jahren ein Wintergarten mit mehreren Selbstbedienungsautomaten befindet. Dort zog ich mir eine alkoholfreie Limonade und genoss den Ausblick bei weitgehender Ruhe.

Teilweise im Schatten und dem lebhaften Westwind war es durchaus frisch, aber ich behielt die dünne Jacke nicht lange an. Im windgeschützten Abstieg Richtung Leitergraben wurde es rasch wieder wärmer. Irgendwo im Abstieg Richtung Hochkogelhaus verpasste ich die Markierung, weil der Abstecher dorthin hätte mich durchaus interessiert. Es war ebenfalls rund vierzehn Jahre her, dass ich dort das letzte Mal vorbeikam. Stattdessen also direkt zum schönen Aussichtsplatz mit Blick in den tief eingeschnittenen Leitergraben. Über diesen bin ich heuer im Jänner bei eisigen Bedingungen und dichtem Nebel abgestiegen.

Der Abstieg hinunter war steil und teilweise etwas bröselig-trockene Erde, aber mit etwas Vorsicht gut zu gehen. Dann 150 Höhenmeter Gegensteigung zum Hubertushaus hinauf.

Während ich noch rätselte, welche Orte man in den Niederungen sah, bemerkte ich erst gar nicht den jungen Steinbock wenige Meter entfernt. Aber darauf hatte ich spekuliert, denn beim letzten Mal sah ich an dieser Stelle ebenfalls Steinböcke, aber da gerade ein Jäger mit dem Auto vorbeifuhr, wollte ich nicht näher heran.

Beim Hubertushaus war wenig los. Das alte Wirtspaar aus Bozen ist nurmehr bis Jahresende da, ab Jänner 2027 ist die Hütte neu ausgeschrieben. Ich nahm die Nudeln mit Wildschweinragu. Leider musste genau in den fünfzehn Minuten nebenan ein älterer Herr seine stinkende Zigarette rauchen. Unpopuläre Meinung, aber rauchfrei auf Alpenvereinshütten sollte überall gelten, nicht nur drinnen. In Österreich leider niemals durchsetzbar. Später ließ es sich noch gut aushalten und ich verweilte über eine Stunde an diesem schönen Ort.

Für den Abstieg wählte ich zum zweiten Mal in diesem Jahr den Springlessteig (A). Er ist dermaßen gut versichert, dass die größte Schwierigkeit in den stark abgeschmierten Felsstufen im obersten Abschnitt besteht, sowie an einzelnen Stellen auch weiter unten, wo das Gelände aber nicht mehr steil ist. Bei Schnee, Nässe und Eis nicht empfehlenswert.

Ein paar Leute kamen mir noch im Aufstieg entgegen, aber an Stellen, wo man gut aneinander vorbeigehen konnte.

Beinahe gelegt hat es mich dann ausgerechnet kurz nach der Querung des Wandfußsteigs unten im Wald. Schon beim Aufsetzen meines Fußes auf die glatte Platte hatte ich ein ungutes Gefühl und rutschte sofort nach hinten weg. Mit den Oberarmen fing ich den Sturz aber auf und mir passierte nichts.

glatte Passage unterhalb vom Wandfußsteig

Im Abstieg stellte ich fest, dass es mit dem nächsten Zug knapp werden würde und drückte aufs Tempo. Beim markanten Eck am Springlesweg verbellte mich ein wütender muskulöser Hund, bei dem ich froh war, dass der Zaun dazwischen war. Die Straße entlang, dann am Grünstreifen über das abgeernte Feld und weiter neben den Graben. Dank des kräftigen Gewitterregens vom Vortag floss ein ansehnliches Rinnsal.

am Frauenbach entlang weiter
Maria Kirchbüchl, erstmals 1453 erwähnt, 1710 erweitert, ab 1747 barockisiert
Hohe Wand in der Nachmittagssonne

Kurz vor der Haltestelle schlug ich noch ein unnötiges Eck, weil ich die Abzweigung übersah. Um 15.51 war ich beim Bahnsteig, drei Minuten später kam der Zug.

Mein Fazit:

Nach dem Rauen Kamm (ungesichert) das zweite Mal alleine auf alpinen Steigen unterwegs, aber erneut Wege, die ich schon einmal gegangen bin und mich an keine größeren Schwierigkeiten erinnern konnte. Dank meiner vielen Touren mit vielen Höhenmetern im Juli und August hatte ich deutlich mehr Kraft in den Oberschenkeln als bei früheren Begehungen, weswegen mir solche Steilpassagen jetzt weniger ausmachen. Springlessteig bergab muss ich nicht unbedingt schnell wieder haben, weil er schon so abgeschmiert ist – aber als kürzeste Verbindung zur nächsten Haltestelle war er am praktischsten.

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