
Wegführung: Gumpoldskirchen – Steinweg – Wilhelmswarte – Jubiläumswarte – Tieftal – Pfaffstättner Kogel – Pfaffstätten Hst. | 800hm, 15.4km | 2 Ringeltauben, 1 Schwarzspecht, viele Bläulinge
Nach den höhenmeterintensiven Wochen in Osttirol und am Ötscher brauchte ich ein paar Ruhetage, ehe ich wieder unterwegs sein sollte. Am Vortag war es schwülheiß mit Gewittern, am Folgetag nurmehr extrem schwül durch die starken Niederschläge. Meine Wahl fiel auf den Anninger, um die Dürreschäden zu dokumentieren und den ersten Tag auszunutzen, den die Prokschhütte nach dem Urlaub wieder offen hatte.

Wegen der vorgezogenen Stammstreckensperre durch den Kabelbrand startete ich in Meidling.

Der Zug war dann überraschend pünktlich in Gumpoldskirchen. Schon am Weg die Hauptstraße hinauf zum Schloss waren die Hitze- und Dürreschäden an der Vegetation unübersehbar (Braune Blätter im Sommer: Warnsignal oder Schutzmechanismus?).

Vertrocknete Wiesen und Grasstreifen zwischen den Weinreben mit subjektiv auch kleineren Trauben als sonst um diese Zeit.



Besonders heftig waren die Trockenschäden am Steinweg bis zur Aussichtswarte.

Nach einer Stunde und fünf Minuten erreichte ich trotz großer Schwüle schon den Gipfel. Die vielen Touren der letzten Wochen machten sich positiv bemerkbar. Jetzt ist die Kraft für steile Anstiege da. Um 10.45 Uhr löste sich gerade der Stratus über dem Wiener Becken auf und die Restfeuchte der Niederschläge zeigte sich in Form mäßig hoher Quellungen.


Von oben betrachtet wirkte der Wald nicht extrem geschädigt, zumindest in den Gipfelbereichen war der Buchenwald noch weitgehend intakt ohne stärkere Verfärbungen. Stark getroffen hat es hingegen alle Jungwald-Abschnitte, wo die Laubverfärbung deutlich früher eingesetzt hat oder die Blätter überhaupt schon abgefallen sind.
Der Abstecher zur Jubiläumswarte war nun auch noch drin.


Ich ging bis zur großen Kreuzung, wo sich die Wege vom Wetterkreuz, Gumpoldskirchnersteig und Richtung Pfaffstättner Kogel treffen. Da fiel mir auf, dass ich den (unmarkierten) Forstweg auf der Nordseite des Lehnstuhls noch nicht gegangen bin, also warum nicht eine neue Route, wenn ich schon so oft hier war? Erst vorbei an einem riesigen Holzlagerplatz, dann stand da plötzlich eine große Hütte mit roten Schindeln. Im Netz hab ich wenig darüber gefunden. Laut AMAP Zeitreisekarten wurde das Jagdhaus zwischen 1880 und 1910 erbaut.

In der Nähe des Jagdhauses gab es ein paar alte Obstbäume mit kleinen grünen Äpfeln und einzelne, schöne Eichen. Etwas unterhalb liegt eine Quelle, die in der Karte eingezeichnet ist.


Der Forstweg macht ein paar längere Kehren und quert dann das Tieftal, über das ich zum markierten Weg abstieg. Von dort am „Normalweg“ zum Pfaffstättner Kogel hinauf. Da war es 13 Uhr 10. Für einen Freitagmittag am ersten Öffnungstag war erstaunlich wenig los. Vielleicht haben es nicht alle mitbekommen, oder ferienbedingt. Vom Wetter her war es jedenfalls ideal, mit etwas Wind war die Schwüle gut aushaltbar und die Sonne blendete nicht wie in den Monaten davor.
Der Himmel hatte sich nach Süden hin durch die aufziehenden Ambosswolken der mächtigen Gewittercluster über der Adria und den Südalpen schon verfinstert. Es sah aber nicht unmittelbar nach Regen aus.

Ich nahm ein überbackenes Camembertbrot und den Mohn-Sauerkirsch-Strudel, und genoss die Ruhe. Abstieg nach Pfaffstätten zur Haltestelle, was ein Fehlgriff war. Doch meine Wasserreserven gingen schon zu Ende, den Wasserleitungsweg wollte ich bei der Schwüle nicht zurückhatschen.




Um 15.30 war ich bei der Haltestelle, wo alle 30min eine S-Bahn fahren sollte. Dann eine Verspätung um 20min, und fünf Minuten später der gänzliche Ausfall. Um 16.15 fuhr der Zug ein, der noch sechs Minuten Aufenthalt hatte. Und nochmal fünf Minuten Verspätung, also insgesamt kam ich dann fast eine Stunde später in Wien an und wurde am Heimweg noch nass, weil die Regenschauer mittlerweile Wien erreicht haben. Öffentliche Touren sind derzeit keine Quelle für Lebensfreude.