
Wegführung: Taurerwirt (7.45) – Teischnitztal – Stüdlhütte (11.15) – Lucknerhütte (12.30-14.00) – Lucknerhaus | (14.50) | 1320hm, 13.3km | Murmeltiere
Für den zweiten Tag hatte mich der Ehrgeiz gepackt und nach dem schnellen Aufstieg aufs Figerhorn fühlte ich mich fit genug, um nochmal eine 1300hm-Tour nachzulegen. Noch dazu hatte ich drei Hütten im Abstieg und musste den Rucksack nicht unnötig beschweren. Die Gewittergefahr war ähnlich wie am Vortag: Ortsfeste Gewitterzellen gegen 15, 16 Uhr Lokalzeit. Mit dem zeitigen Start vom Taurerwirt hatte ich mehr als genug Spielraum.
Für diese Tour galt eindeutig: Der Weg ist das Ziel. Der Aufstieg übers Teischnitztal war einfach traumhaft. Die längeren Forstwegabschnitte zu Beginn störten nicht. Sie verliefen außerdem durchwegs im Schatten.

Der Linienbus fuhr pünktlich um 7.30 beim Gemeindeamt weg und etwa zehn Minuten später konnte ich schon beim Taurerwirt (Wendestelle) starten. Für mich überraschend: Ich begegnete im Aufstieg ein knappes halbes Dutzend Wanderer, es war wirklich schön ruhig und idyllisch auf dieser Seite.









Gegen 9.45 Uhr entstanden erste Cumuli, gut eine Stunde früher als am Vortag.

Der Steig wies keinerlei technische oder besonders exponierte Passagen auf. Mit Altschneefeldern mag das dort anders aussehen und ist jedenfalls im Frühsommer aufgrund der markanten Schattenlage zu berücksichtigen.



Im schattigen Kar hielten sich Murmeltiere auf, aber zu weit entfernt, um sie zu fotografieren. Insgesamt verbrachte ich 2 Stunden und 45 Minuten des Aufstiegs im Schatten, nur die letzte gute halbe Stunde im Sonnenschein. So ließ es sich gut aushalten.


Noch bis in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts befanden sich dort den Sommer überdauernde Firnfelder und noch bis in die 60er Jahre lag das Graue Kees als Toteiszunge am Talschluss.

Die erste Stüdlhütte wurde 1868 erbaut und von 1993 bis 1996 durch den modernen Neubau ersetzt. Sie gehört dem Deutschen Alpenverein (Sektion Oberland) und hat Platz für 108 Bergsteiger (2 Betten, 106 Lager) und 23 Lager im Winterraum. Benannt ist sie nach dem Prager Kaufmann Johann Stüdl. Der Neubau ist den extremen Windgeschwindigkeiten (über 200km/h bei Westwindlagen) angepasst und weitgehend energieautark mit Photovoltaik und Blockheizkraftwerk.

Bei der Hütte angekommen war nicht allzu viel los. Die meisten Glockneraspiranten hoffentlich schon lange im Aufstieg oder bereits am Gipfel. Die Terrasse war eher dünn besetzt. Richtig Stimmung zum Einkehren wollte bei mir trotzdem nicht aufkommen. Es wirkte ein wenig hektisch hier. Ohnehin hatte ich meine erste Rast unten auf der Lucknerhütte geplant, wo ich im Fall eines schnell aufziehenden Gewitters entweder abwarten oder rasch zum Lucknerhaus absteigen konnte.


Beim Anblick des „Schrotthaufens“ Fanatkogel (2905m) schwand meine Lust, ihn schnell zu besteigen. Bei stabilerer Witterung hätte ich eher die Schere mitgenommen. So stieg ich stattdessen gleich weiter zur Lucknerhütte ab. Spätestens jetzt war es mit der Ruhe vorbei und zahlreiche Wanderer samt Kind und Kegel kamen mir entgegen. Anfangs durchaus etwas mühsam an der blockdurchsetzten Ostflanke des Fanatkogels.
Blick das Ködnitztal hinab mit Rotem Knopf (3281m) und Bösem Weibl (3119m) links und Hochschober (3242m) rechts, samt Schoberkees-Rest unterhalb des Kleinschobers (3119m).




Nach der Überwindung des Blockfels schlängelt sich der Steig in zahlreichen, breiten Kehren hinab zur Lucknerhütte. Ich hörte irgendwann auf zu grüßen. Beim Abstieg dabei auch einige Glocknerbesteiger mit voller Ausrüstung.



Ich ergatterte noch einen Platz auf der Terrasse. Ich blieb wieder beim Skiwasser und nahm eine Frittatensuppe, wenn ich mich richtig erinnere. Hauptsache Elektrolyte. Die Quellwolken wuchsen vor allem nach Osten hin höher, blieben aber relativ ortsfest und ich konnte entspannt das Treiben um mich herum beobachten.
Gegen 12.30 Uhr kreiste der OAMTC-Hubschrauber über der Adlersruhe. Ab 12.55 Uhr bildeten sich größere Quellwolken östlich von uns. Um 13.15 gab es plötzlich ein paar starke Böen vom Tal herauf, der die Sonnenschirme umblies. Nach ein paar Minuten war der Spuk schon wieder vorbei.


Ich begann mit Blick auf das Bewölkungsbild gegen 14 Uhr mit dem Abstieg. Da kamen mir immer noch viele Leute entgegen.


Ich war gegen dreiviertel drei unten. Um kurz vor drei gab es ein paar große, kalte Regentropfen aus der konvektiven Zelle unmittelbar östlich. Ab 15.15 Uhr hörte man entferntes, aber beständiges Donnergrollen. Zu diesem Zeitpunkt gab es eine große Gewitterzelle über den Villgratner Bergen bis Schobergruppe, deren Blitzaktivität aber deutlich südlich vom Kalser Tal blieb. Ein weiteres Gewitter entlud sich östlich und nördlich von Heiligenblut. Noch um 15.20 Uhr sah ich durch das stark gezoomte Fernrohr auf der „Glocknerterrasse“ am Parkplatz zwei Bergsteiger auf Höhe des Kleinglockners im Abstieg. Mit dem Gewitter einen Steinwurf entfernt wahrscheinlich kein Vergnügen.


Laut Satellitenbild mit eingelagerten Blitzentladungen (gelb) blieben die Gewitter im Respektabstand zum Glockner, aber darauf verlassen hätte ich mich als Alpinist nicht.
Wie an (fast) allen Tagen war es meteorologisch wieder ein interessanter Tag, der mit der Abfahrt des Busses um 16.47 für mich endete. Dieses Mal bekam ich beim Ködnitzhof keinen Platz mehr, weil auf der Terrasse eine Volksmusikband spielte. Ich hatte schon ziemlich Hunger und entschied ich fatalerweise für das „Kalser Eck“, das mit Pizza und Flammkuchen warb. Da wusste ich nicht, dass es sich um eine Aufbackpizza handeln sollte, die mir die ganze Nacht im Magen liegen würde und entsprechend schlecht und kurz war mein Schlaf nach dem langen Tag. Deutlich bessere Pizzen bekam man auf der Gamsalm in Großdorf.