
Wegführung: Hesshütte (1699m, 8.10) – Gipfel (2191m, 9.30-10.30) – Panoramaweg – Hesshütte (12.30-13.00) – Kölblwirt (864m, 16.20) | 530hm, 11.3km | Reine Gehzeit: ca. 6 Stunden | Rudel Gämse, Hirschlausfliegen (Gipfel), Murmeltier, Bremseninvasion (Johnsbachtal)
Zweiter Tag nach der langen Überschreitung der Planspitze am Vortag. Das Hochzinödl ist technisch einfach ohne Kletterstellen zu erreichen. Der Panoramaweg war schön zu gehen, wenngleich ich am Ende die starke Sonneneinstrahlung spürte. Der Abstieg von der Hesshütte zog sich dafür gewaltig, aber die Blicke in die südlichen Kare des Hochtors waren beeindruckend.

Auch wenn ich gegen halb zwei aufwachte, weil ich die Folgen der Knoblauchsuppe spürte, konnte ich danach noch irgendwie vier Stunden durchschlafen. Gegen halb sieben wachten wir drei gleichzeitig auf und entschieden, aufzustehen. Beim Buffet war es beengt und das Brot leider wieder sehr trocken. Sina bettelte unbeirrt an den Tischen, wenngleich unaufdringlich.


Um kurz nach acht waren wir abmarschbereit.


Im ganzen Auf- und Abstieg hatten wir unser Tourenziel vom Vortag vor Augen, aus der Entfernung wirkte die Steilheit der Südhänge noch respekteinflößender.




Ein Naturschauspiel zu früher Stunde: Ein Rudel Gämse machte es sich auf einem felsigen Rücken des Hochzinödls gemütlich.





Blick in die Wölzer Tauern:




Nach 1 Stunde 20 Minuten Gehzeit erreichte ich kurz nach Günter den Gipfel. In der Sonne war es bereits ordentlich warm, aber mit leichtem Lüfterl war es am Gipfel noch auszuhalten.

Im Vordergrund der Gratübergang über die drei Peternschartenköpfe zur Planspitze:


Im Süden schautenam Horizont blass die Gleinalpe (Eiblkogel und Lenzmoarkogel) durch den Dunst:


Hochschwab-Blick (Bildmitte):


Oberösterreichische Voralpen und Sengsengebirge:



Am Gipfel sekkierten uns die Hirschlausfliegen ein wenig, mittlerweile sind sie selbst im Hochsommer aktiv. Mit Blick auf den langen Abstieg stiegen wir nach ausgiebigem Schauen über den gutmütigen Nordkamm ab. Dabei rückte der Dachstein kurzzeitig ins Blickfeld, ehe er vom Übergang Hochtor – Planspitze wieder verdeckt wurde.
Hier der Blick zum Großen Koppenkarstein (2863m). Für mich als Meteorologen im Hinblick auf die drohende Gewittergefahr im Tagesverlauf relevant: Altocumulus castellanus über dem Hohen Dachstein (10:43 Uhr MESZ). In mittleren Schichten war also Feuchte und Labilität vorhanden.

Wenig später wurde der Hauptgipfel mit Schneefeld sichtbar.

Der Steig folgt im Abstieg immer dem Grat. Nach rechts auszuweichen hätte auch gar keinen Sinn gehabt, denn dort befand sich eine tief eingeschnittene Doline (rund 60m tief). Umso faszinierender dafür dieser flache Wiesenboden:

Gegenüber erreichte die Planspitze mit der Kölblplan nun ihre „steilste“ Ansicht.

Dann macht der Panoramaweg einen scharfen Linksknick und führte in langsamen Gefälle mit minimalen Gegenanstiegen zurück zur Hesshütte.


Hier der gesamte Anstieg auf die Planspitze ab Kölbplan: Erst eine abschüssige Querung, dann kurze Kletterstellen vor dem steilen Aufschwung, zum Glück mit griffigem Fels und guten Tritten. Bergab würde ich es nicht gehen wollen. Steiler war das Gelände für mich bisher beim Abstieg vom Mosermandl (2680m) in den Radstädter Tauern (Tour vom 8. September 2012)



Um 11.50 Uhr zeigten sich Richtung Südwesten die ersten größeren Quellwolken über den Niederen Tauern.






Im Abstieg knurrte mir schon der Magen, das Frühstück hatte nicht lange angehalten. Zudem hatte ich großen Durst. Meinen Proviant hatte ich am Vortag ungeplant schon großteils vernichtet. Es half nichts, ich musste nochmal auf der Hütte essen. Mit etwas Vorsprung vor meinen Freunden erreichte ich die Hütte und ging ohne nachzudenken direkt zur Theke durch den Personaleingang, worauf mich der Mitarbeiter gleich hinwies „Das ist kein Eingang“. Das ist eine blöde Regelung, sag ich, hätte trotzdem gerne bestellt, musste draußen aber erst einmal auf die Mitarbeiterin warten. Bis ich endlich bestellen konnte, waren meine Freunde auch schon da. „Habt ihr auch Brote?“ fragte ich. Sie schaute mich verständnislos an. „Speckbrote, Käsebrote… zählte ich auf.“ – „Nur, was in der Karte steht. Speckjause, Käsejause.“ Da sah ich zum ersten Mal die zusammengeklappte flache Karte, wo nur „Brettljause“ für 15,90 Euro stand. Ganz schön teuer. Mir hätte ein Brot gereicht, weil wir unten beim Kölblwirt ohnehin essen wollten. Im Anbetracht der winzigen Suppe am Vorabend wollte ich die Suppen gar nicht erst testen. Die Brettljause bestand aus ein paar Scheiben Wurst, Käse und jede Menge speckigen Schinken, wo der (weiße) Speckanteil leider überwog. Das konnte ich leider nicht essen – seit meiner entfernten Gallenblase vertrug ich soviel Fett nicht mehr. Das wäre mir wie ein Stein im Magen gelegen im Abstieg. Die zwei Scheiben Brot waren so trocken wie zum Frühstück, ich brachte sie kaum runter. Bei der Essensqualität bestand viel Luft nach oben.
Nach einer halben Stunde Rast brachen wir auf. Es war nun ziemlich warm in der Sonne und noch dazu fast windstill.




Um 13:50 Uhr gab es erneut Gewittervorboten, nun aber deutlich näher als noch vor drei Stunden. Über den Kämmen der Niederen Tauern quoll es um diese Uhrzeit schon kräftig, aber noch ohne Eisphase (Satellitenbild).








Um 15.15 Uhr konnte ich wieder einen Blick zum Himmel werfen. Zu diesem Zeitpunkt war über den Wölzer und Rottenmanner Tauern das erste Gewitter entstanden (Satellitenbild von 15.20 Uhr).


Zum Alter des gewaltigen Felssturzes im Bereich der Unteren Koderalm habe ich (noch) nichts gefunden.
Wolfgang hatte es schon angekündigt und die Steilstufe links vom Wolfbauer-Wasserfall wurde auf einem steilen, schottrigen Weg überwunden. Es war aber nicht so rutschig wie befürchtet. Konzentriert steigen musste man trotzdem. Dann war es geschafft und wir betraten das offene Futterwiesengelände mit der schon sichtbaren Straße unten. Nicht zu früh, denn in der Ferne hörten wir beständiges Donnergrollen. Am nähesten war eine Zelle nahe dem Schoberpass, der Bär steppte zu dem Zeitpunkt aber über den Wölzer Tauern (Satellitenbild).

Die größten Schwierigkeiten waren überwunden, was die Wegbeschaffenheit betraf. Dafür wurden wir regelrecht von Bremsen überfallen. Eine schaffte es, mich durch den Wandersocken zu stechen, aber nicht lange genug, um eine Schwellung anzurichten. Im Johnsbachtal war es richtig schwül und weiterhin wenig Wind, aber die Bewölkung nahm nun sichtlich zu.


Beim Kölblwirt hatte ich trotz Brettljause wieder genug Hunger für den Backhendlsalat, der wirklich sehr sehr gut war.

Wir waren gerade mit dem Essen fertig und warteten noch auf das bestellte Gesäuse-Sammeltaxi, dann zehn Minute früher da war, als ein mäßiger Regenschauer durchzog, doch nach wenigen Minuten war das Schauspiel wieder vorbei. Um 17.40 Uhr traten wir vom Parkplatz Kummerbrücke die Rückfahrt an, da näherte sich von Westen her das nächste Gewitter mit finsteren Wolken, das sich bis 18 Uhr rapide verstärkte mit hoher Blitzrate (Satellitenbild). Uns erwischte lediglich leichter Regen in der Auffahrt zum Präbichl, am Rande des Ambossschirms der mächtigen Zellen über den Niederen Tauern. Die restliche Fahrt verlief trocken.
Auf der Semmering-Schnellstraße erwischte ich noch den von der Sonne angestrahlten Cumulus congestus (ca. 19 Uhr)

Schön war’s. Danke meinen Freunden für die Begleitung und die Anfahrt.