
Wegführung: Natur Residenz – Arntal – Naturdenkmal Sinkersee – Peststeig – Kalkstein – Schmugglersteig – Natur Residenz | Höhenmeter: 330 | Strecke: 12km
Letzter Urlaubstag im Villgratental. Ehrlich gesagt hätte ich da schon heimfahren können, denn nach vier Touren in Serie waren die Beine schwer und die Motivation selbst für diesen Spaziergang schon etwas gering geworden. Den Ruhetag hätte ich ja lieber dazwischen genommen.
Am Vormittag regnete es noch leicht, vorübergehend sogar mäßig, von Nordwesten kommend. Laut den Talbewohnern kommt aus dieser Richtung normal kaum etwas, wenn, dann nur von Süden. Meine Vermutung: Wenn die Luftmasse so hochsommerlich warm ist, ist die vertikale Mächtigkeit der Niederschlagswolken höher und der niederschlagsbildende Teil der Bewölkung wird nicht mehr vom Alpenhauptkamm geblockt.


Nach dem ausgedehnten Frühstück treffe ich vor der Unterkunft die Chefin. Sie hat drei Mistkübel in der Hand, die bis 10 Uhr im Dorf sein müssen, weil dann die Müllabfuhr kommt. „So ist das, wenn man selbstständig ist“, entschuldigt sie sich, weil sie gerade keine Zeit zum Plaudern hat. Sie fügt noch hinzu, dass es jetzt stündlich besser werden sollte, aber jede Wetterapp würde etwas anderes sagen. Ich breche auf und komme nur zweihundert Meter weit, als ein stärkerer Regenschauer vom hinteren Tal aufzieht. Ich stelle mich unter einer Baumgruppe unter und warte. Dann gehe ich weiter, der Regen verstärkt sich. Bei einem Geräteschuppen stelle ich mich erneut unter, gehe dann aber zurück. 1,2km für Nichts. Zurück bewaffne ich mich als erstes mit Regenschirm und Regenjacke, hatte nämlich beides nicht dabei.






Hier zu sehen:
Schwarzenzaun links – „Schwarte (Schwartling) ist das erste oder letzte vom Stamm gesägte Brett. Diese Außenbretter waren wenig wert, aber gegen Verwitterung beständig. Auf den senkrecht gestellten, oben zugespitzten Brettern rinnt der Regen „schön“ ab. Der Nachteil: Sie müssen genagelt werden. Früher waren handgeschmiedete Eisennägel sehr teuer.“
Schrankzaun rechts: „Holzstangen werden von verschränkt in den Boden geschlagenen Pflöcken oder Spelten (Spaltstücke aus Stangen) kreuzweise gehalten. Er ist ein leicht ohne Eisennägel herzustellender Zaun, der im Herbst schnell abgelegt werden kann – in Bereichen, wo regelmäßig Lawinen abgehen oder starker Schneedruck zu erwarten ist. Das „Verschränken“ braucht wenig Sorgfalt, geht schnell von der Hand, ist aber eine sichere und dichte Absperrung“
„Lucken“zaun ganz hinten: „Die waagrechten Stangen können aus den Löchern der Säulen beliebig herausgenommen und wieder hineingesteckt werden, um z.B. Weidevieh durch die Öffnung zu treiben. Die Löcher wurden aufwendig mit dem Bohrer gefertigt, der auch für die Säulen der „Herpfen“ verwendet wurde, für die Holzgerüste zum Trocknen von Getreide und Feldfrüchten (z.B. Bohnen), wie sie im Villgratental vielfach noch vorhanden sind. Der Begriff gehört zum germanischen lükan „verschließen“ (eigentlich „zusammenbiegen“ oder „mit einem Flechtwerk versehen„), verwandt mit Loch und Luke. In alten Dorfordnungen gibt es die Begriffe „Wagenlucke“ und „Fuissluke„.
Quelle: Informationstafel vor Ort





Beim Freilichtmuseum von Innervillgraten wechselte ich kurz auf den Forstweg. Das Museum hatte leider an diesem Wochentag geschlossen, das wäre was für einen (weiteren) Schlechtwettertag. Danach bestaunte den vermutlich vom Borkenkäfer beschädigten Hang, wo der Wald zur Gänze abgetragen wurde. Vielleicht soll hier einmal eine Futterwiese entstehen?

Rechts zweigt dann der sogenannte Peststeig ab, der zunächst mäßig ansteigend den Schwemmkegel des Bodenbachs am Eggeberg quert.











Damit konnte ich meine Orchideensichtungen in der Urlaubswoche auf acht hinaufschrauben: Der Häufigkeit nach – Fuchs-Knabenkraut, Mücken-Händelwurz, Schwarzes Kohlröserl, Kugelorchidee, Großes Zweiblatt, Gymnigritella suaveolens (Kreuzung), Breitblättrige und Braunrote Stendelwurz.
In Kalkstein dann die Enttäuschung: Die Badlalm, in der ich nochmal einkehren wollte, hatte Montag Ruhetag. Schlecht informiert. Also auf die Reserven zugegriffen (Trockenfleisch) und dieses Mal den ganzen Schmugglersteig zurück. Von den Kühen wusste ich ja schon, dass sie grundsätzlich friedlich gesinnt waren in dieser Gegend.

Der Steig zog sich etwas im Abstieg, speziell mit hungrigem Magen, aber immerhin vollendete ich so noch eine Runde.
Am Nachmittag nahm ich wieder den Bus zum Dorf.

Das Reh kam erst von links vom Wald herunter, sprang über die Straße, stieß beim Bach an, hüpfte ein paar Mal hin und her und dann wieder zurück in den Wald.



Beim Warten am nächsten Morgen auf den Bus, der mich nach Sillian bringen würde


Mein Gesamtfazit der Urlaubswoche:
Freundliche und herzliche Bewohner. Nach einigen Jahren mit Urlauben in stärker frequentierten Touristenregionen und entsprechender Oberflächlichkeit war das eine wohltuende Erfahrung. Viele interessante Gespräche, alle mit ehrlich empfundenem Interesse, was man vorhat, woher man kommt, was man so tut. Ich hab mich sehr wohl gefühlt und beschlossen, nochmal hierherzukommen. Gipfelziele bleiben auch für eine zweite Wanderwoche: Marchginggele, Kreuzspitze/Bonner Höhenweg, Grumauer, Gabesitten, Glinzzipf, Degenhorn, Grabenstein, Helm und Franuiwiese.
Öffentlich ließen sich Touren gut machen, auch wenn ich mich zwischenzeitlich fragte, ob ich hier der erste öffentlich anreisende Tourist überhaupt war. Zumindest mit so einer weiten Anreise. Beim nächsten Mal würde ich wahrscheinlich die Trailrunningschuhe einpacken, da die Steige damit gut machbar waren, sofern man nicht über 2700m anstieg. Dann ging sich das auch mit den Rückfahrzeiten des Wandertaxis bzw. der Busse ohne Zeitdruck gut aus.
Über das Essen kann ich auch nichts Schlechtes sagen. Beim Gasthaus Bachmann hab ich vier Mal hervorragend gegessen, am letzten Tag hausgemachte Schlipfkrapfen und Bauernpregler als Digestif. Die Wirtin hatte einen schönen Dialekt „soooou“ und „joooou“, die älteren Bewohner pflegten das „jo, jo“. Auf der Rückfahrt fuhr der Bus fahrplanmäßig ins Winkeltal hinter Außervillgraten, ehe er nach Sillian hinausfahr. Dort stieg ein sehr alter Mann ein, wahrscheinlich weit über 80 Jahre alt, er bekam ganz leuchtende Augen, als er die drei 60+ Jahre alten Damen in der vordersten Reihe sah und setzte sich gleich dazu. „Jojo!“ ging es für ein paar Minuten lachend dahin, ehe er wieder ausstieg. Das war herzig anzusehen.
Auch die Unterkunft in der „Natur Residenz“ hat für mich gepasst, obwohl ich etwas „vom Schuss“ entfernt lag, also rund 2,2km vom Dorf entfernt. Aber das war wie gesagt immer ein netter Abendspaziergang nach dem Essen und Anfang Juli war es bis halb zehn noch hell genug. Das flache Bauernbrot mit den Nüssen und Gewürzen war so gut, dass ich die Tage nichts anderes frühstücken wollte.
Gerne wieder!