Sonnwendstein (1523m), Erzkogel (1504m) und Hirschenkogel (1340m), Semmering (14.07.26)

Track der Coros Pace 4 auf GPX Studio

Wegführung: Maria Schutz Feuerwehr Hst. (9.30) – Gebirgsjägersteig – Sonnwendstein /Pollereshütte (11-12) – Erzkogel – Hirschenkogel (Milleniumswarte, 13.10) – Enzianhütte (Einkehr, 13.40-14.30) – Semmering Bf. (15.00)

Höhenmeter: 900 | Strecke: 11km | Reine Gehzeit: ca. 3,5 Stunden

Ein Wandertag mit gewitterbedingt wenig Spielraum für längere Touren. Insofern musste etwas her mit kurzer Strecke, schnellen Höhenmetern und Abbruch- bzw. Unterstellmöglichkeiten. Da fiel meine Wahl auf den Semmering. Es war am Ende relativ knapp, aber ich kam trocken am Bahnhof an und hatte trotzdem mein Naturerlebnis an diesem Tag.

Richtig erholsam war der Ausflug allerdings nicht und das war maßgeblich den ÖBB zu verdanken, wegen denen ich auf der Rückfahrt über 40 Minuten Verspätung aufriss.

Es war schon auf der Hinfahrt mit gewisser Anspannung verbunden, als der Zug zwar pünktlich am Praterstern abfuhr, aber bis Meidling bereits sieben Minuten Verspätung hatte „kein freier Bahnsteig in Meidling„. Kurz nach Baden gab es dann einen „defekten Bahnübergang“ (wahrscheinlich NÖM, scheint anfällig zu sein). Zwei ältere Damen im Zug hatten das gleiche Ziel (Maria Schutz) und überlegten schon, was sie im Fall einer weiteren Verspätung tun könnten. Beide waren zudem im Bild über die drohende Gewittergefahr am Nachmittag. Wir erreichten mit rund fünf Minuten Verspätung Gloggnitz, zehn Minuten Spielraum auf den Bus.

In Maria Schutz ein noch wolkenloser Himmel über den Wiener Hausbergen (bitte nicht: Wiener Alpen, da kräusen sich bei mir alle Finger- und Zehennägel).

Eselstein-Ostgrat, Königstein und Kaiserstein schauen drüber

In Anbetracht mehrerer Hütten am Weg nahm ich dieses Mal den kleinen Rucksack, keine Stecken und die Trailrunningschuhe. So machte ich die ersten Höhenmeter des Gebirgsjägersteigs gleich in solidem Tempo. Natürlich war es fast windstill und bereits drückend warm.

Auch die Braunrote Stendelwurz blühte, aber mir gelang kein scharfes Foto.

wahrscheinlich Breitblättrige Stendelwurz (Epipactis helleborine)

Bei der Art bin ich mir nicht sicher. Die Blüten ähneln dem Fuchs-Knabenkraut, hier sind die Blätter aber hellgrün und ohne Flecken. Vielleicht Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis)?

Knabenkraut spec.
Mücken-Händelwurz wieder sehr eindeutig
wahrscheinlich Weißbindiger Mohrenfalter (Erebia ligea) auf Dost
Dunkle Glockenblume (Campanula pulla)

Nach eineinhalb Stunden Gehzeit und rund 760hm höher stand ich zum siebten Mal auf dem Sonnwendstein.

Blick von der Gipfelplattform auf Rax und Schneeberg

Die Aussicht war ziemlich dunstig und ich stieg gleich wieder ab, um mir bei der geschlossenen Hütte eine Erfrischung zu nehmen. Die Kühlbox war gut gefüllt und im Schatten hielt ich es eine gute Stunde aus. Ein erwachsenes Mutter-Tochter-Gespann machte auch eine Rast, auch sie hatten die Gewittergefahr am Schirm. „Komm wir gehen, die Wolken werden schon mehr!“ Ich war noch sehr entspannt, aber die weitere Strecke war auch überschaubar.

Die Kühe müssen den Wetterumschwung irgendwie geahnt haben, oder sie bwegten sich rein zufällig geschlossen von den exponierten Weiden unterhalb des Erzkogels zur Tränke beim Sonnwendstein. Antreibende Bauern sah ich jedenfalls nicht. Ich wartete jedenfalls, bis die Forststraße frei war, es waren auch einige Kälber dabei und ein Pärchen ging mit einem (angeleinten) kleinen Hund knapp an den letzten Kühen vorbei.

Pferde und Kühe unterschiedlicher Art
Großes Gedränge beim Viehunterstand

Nach dem Erzkogel folgte ich dem Pfad immer entlang vom Kamm bis zum Sattel vor dem Hirschenkogel

Stuhleck links, Hirschenkogel mit Infrastruktur rechts

Um 12.40 Uhr MESZ schien die Zündung der hochlabilen Luftmasse erreicht: Auf Höhe der Seckauer Tauern sah ich eine sich türmende Quellwolke (Cumulus congestus).

„Towering Cumulus“ in Bildmitte hinter flachen Quellwolken

Laut Satellitenbild entwickelte sich dort rund zehn Minuten später eine hochreichende Quellwolke mit ersten Eisansätzen, etwas nordwestlich von Leoben. Dahinter befand sich mit etwas Abstand ein breiter Gewittercluster, der von Ost- und Südtirol bis in die westliche Obersteiermark erreichte und in der gleichen Zeit etwa einen gewaltigen Murenabgang bei der Dreischusterspitze auslösen sollte.

Cloud Phase + Blitze am 14. Juli 2026, um 12.50 Uhr (links) und 13.20 Uhr (rechts), Standort weiß markiert (Quelle: kachelmannwetter.com)

Nach dem Sattel folgte ich kurz der breiten Sandstraße, bog dann aber auf den alten Steig zum Hirschenkogel direkt am Kamm in den Wald ab. Der Einstieg war dieses Mal zusätzlich durch ein besonders schönes Knabenkraut gekennzeichnet:

Fuchs-Knabenkraut
Ausblick auf die Gipfelinfrastruktur mit Bikepark und Hütte zum Semmering, Kreuzberg, Weinzettl-Wand

Direkt am Gipfel befand sich ein Abenteuerspielplatz und Waldseilgarten. Ich stand schon lange nicht mehr hier oben, aber wegen der Fernsicht lohnte es sich an diesem Tag auch nicht. Dafür konnte ich schon meinen Abstiegsweg sehen: Links an der Hütte und rechts vom Sessellift die Skipiste hinab. Da war es für Fußgänger zumindest nicht verboten.

Im Hintergrund um 13:15 Uhr war bereits der riesige Eisschirm des großen Gewitterclusters sichtbar, sowie vorlaufend die Gewitterzelle bei Leoben mit dem deutlicheren Eisschirm über dem Stuhleck.

Blick auf Peterbauerkogel (1355m) und Erzkogel (1321m) gegenüber, die ich im Februar 2016 sehr kreativ mit Schneeschuhen überschritten habe
schönes Fuchs-Knabenkraut auf der Skipiste
steil hinab entlang der bunten Piste bis zum Forstweg, Pinkenkogel gegenüber

Die eine Forstwegkehre bis zur Enzianhütte ging ich aus. Bei der Hütte war erwartungsgemäß nicht allzu viel los, die meisten dürften oben auf der Liechtensteinerhütte einkehren, aber überhaupt war es eigentlich zu warm für den großen Hunger. Ich nahm die Kaspressknödel auf gemischten Salat. Kochen können sie hier wirklich gut.

Die Wirtin redete mit den Gästen über die drohenden Gewitter, während sie das Zubehör auf den Tischen abräumte. Sie hoffte, dass es bis 16 Uhr aushalten würde, „weil daun is wuascht, daun is da Tog eh glafn.“ Ich hörte es im Hintergrund schon leise grummeln und beeilte mich dann mit dem Zahlen. Kurz hatte ich überlegt, das Gewitter auf der Hütte auszusitzen, doch nach dem neuesten Modelllauf hätte das gut zwei Stunden oder länger dauern können und ich hatte am nächsten Tag wieder Dienst.

Ich war keine Minute zu früh dran. Im Abstieg rumpelte es schon in immer kürzeren Abständen und von Westen zogen finstere Wolken auf. Aus Gründen kürzte ich auch die untere Kehre ab und war nach knapp fünfzehn Minuten auf der Passhöhe:

Blick von der Passhöhe nach Westen

Zu diesem Zeitpunkt entwickelte sich bereits eine Neubildung über der Schneealpe. Ich legte nun einen Zahn zu und flitzte zum Bahnhof herunter.

Wolkenphase + Blitze um 14:30 Uhr MESZ und um 15 Uhr MESZ (Quelle: kachelmannwetter.com)

Um kurz vor 15 Uhr war ich am Bahnhof und etwa fünf Minuten fielen die ersten Tropfen. Zum Zeitpunkt des einfahrenden Regionalzugs nach Payerbach-Reichenau schüttete es am Semmering, kurzzeitig fiel auch kleinkörniger Hagel (0,5cm-1cm) mit starken Böen von der Passhöhe herab.

Die Gruppe Wanderer hatte es sich bis dahin draußen gemütlich gemacht und bewegte sich fluchtartig in den Warteraum. Ich packte meine Wertsachen in einen Drybag und genoss das Wetter draußen auf der Bank. Das bisserl Spitzwasser empfand ich eher als angenehm.

Freie Sitzplatzwahl

Der Regionalzug fuhr plangemäß auf Bahnsteig 1 ein, aber der Anschlusszug nach Wien stand nicht am gleichen Bahnsteig wie sonst, sondern auf Bahnsteig 3, das war mit vier Minuten Umstiegszeit schon etwas knapp, aber ging sich aus. Dann begann die nächste Odyssee…. wir rollten los, aber recht langsam. „Störung auf der Strecke“. In Neunkirchen standen wir längere Zeit. „Störung vor Baden, wir werden über die Pottendorfer Linie umgeleitet“. Mit fünfzehn Minuten Verspätung landeten wir in Wiener Neustadt. Dort standen wir wieder. Unterwegs überflütete Felder und großflächig umgeknickte Sonnenblumen. Das war ein feuchter Downburst, der 98 km/h Windspitzen am Flugplatz Wiener Neustadt verursachte, eine Hageldecke bei Wöllersdorf und überflutete Südautobahn.

Ich schaute bei den Scotty-Störungsmeldungen nach: „Stellwerksstörung auf der Pottendorfer Linie„. Das ergab nun keinen Sinn. Im gleichen Moment wurde durchgesagt: „Die Störung wurde behoben. Wir fahren planmäßig.“ Trotzdem fuhren wir minutenlang nicht los. Ich hatte die Nase voll von den Falschinfos, außerdem war der Zug nun gut gefüllt und roch nach Schweiß. Darum stieg ich in den nachfolgenden Cityjet. Der musste dann erst bremsen wegen „verspätetem vorausfahrenden Zug“ und hatte später noch einen „Betriebsaufenthalt„. So kam ich letztendlich mit über vierzig Minuten Verspätung zuhause an und mein Feierabend schmolz wortwörtlich dahin. Die letzten zehn Minuten ab der Öffistation legte ich eilig zurück, weil gerade ein starker Regenschauer über dem Bezirk niederging.

Die Sommerbaustellen im Öffiverkehr sorgen ohnehin schon für stark eingeschränkte Tourenmöglichkeiten, aber auch abseits davon hatte die Bahn reichlich Probleme, nicht unbedingt einmal wetterbedingt.

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