Letzter Urlaubstag im Villgratental. Ehrlich gesagt hätte ich da schon heimfahren können, denn nach vier Touren in Serie waren die Beine schwer und die Motivation selbst für diesen Spaziergang schon etwas gering geworden. Den Ruhetag hätte ich ja lieber dazwischen genommen.
Am Vormittag regnete es noch leicht, vorübergehend sogar mäßig, von Nordwesten kommend. Laut den Talbewohnern kommt aus dieser Richtung normal kaum etwas, wenn, dann nur von Süden. Meine Vermutung: Wenn die Luftmasse so hochsommerlich warm ist, ist die vertikale Mächtigkeit der Niederschlagswolken höher und der niederschlagsbildende Teil der Bewölkung wird nicht mehr vom Alpenhauptkamm geblockt.
Höhenmeter: 1130 | Strecke: 16,7 km | Reine Gehzeit: ca. 6 Std. | Viecher: Murmeltier, Steinschmätzer
Nach der flotten Tour vom Vortag auf die Riepenspitze wollte ich noch einen 2700er nachlegen. Beinahe machte mir die Wetterprognose einen Strich durch die Rechnung: Von Norden her schwenkte im Tagesverlauf ein schwacher Trog durch. Nach dem Lokalmodell D2 wäre alles östlich vorbeigezogen, nach EZWMF und teilweise GFS schon ab Mittag Schauer in ganz Osttirol möglich. Meine „Exit“-Strategie wäre im Anstieg von der Kamelisenalm die Öwelenke gewesen, also Scharte statt Gipfel, oder überhaupt den Höhenweg ums Kamplasegg herum. Ich fürchtete weniger, nass zu werden, als im sehr steilen Abstiegsgelände dann ungute Wegbeschaffenheit zu haben. Doch es ging alles gut aus und ich erreichte den Gipfel.
Der sogenannte Wasserweg beginnt im Arntal und endet bei Innervillgraten. Er wird von den Einheimischen zu Fuß und mit dem Rad genutzt, um der Straße auszuweichen. Ich ging ihn insgesamt sechs Mal, um von der Frühstückspension (Ebene 50b, „Natur Residenz“) ins Dorf zu gelangen, wo sich neben einem Spar-Markt, zwei Dorfläden (Selbstbedienung) auch drei Gasthäuser befinden, die täglich geöffnet sind.
Beim ersten Gang am Ankunftstag hatte es noch geregnet, weshalb ich nur (unscharfe) Handyfotos machen konnte. Das holte ich nach der Wanderung ab Thurntaler Rast noch am Abend nach. Hunger hatte ich zwar keinen mehr, aber die Zahnpasta musste ich im Supermarkt nachkaufen. Bei dieser Gelegenheit nahm ich die Canon Powershot G3X gleich mit.
Pünktlich mit dem Ende der extremen Hitzewelle in Österreich floh ich nach Osttirol, um meinen Wanderurlaub anzutreten. Rechtzeitig fuhr ich mit dem Direktzug nach Lienz, erstmals auf der neuen Koralmstrecke, weiter mit der S-Bahn Richtung Fortezza nach Sillian und zum Schluss mit dem Linienbus 966 nach Innervillgraten. Mit knapp über 29 Grad Wohnungstemperatur verließ ich das unerträgliche Wien, mit wenig Schlaf entsprechend.
Die Zugfahrt verlief unspektakulär, ab Kärnten wurden die Quellwolken langsam mächtiger und als ich in Sillian auf den Bus wartete, gab es schon die ersten großen Regentropfen. Es war so wie ich es schon am Vortag dachte: Ich würde zeitgleich mit dem Gewitter bei der Unterkunft eintreffen. Der Bus hält genau vor der Unterkunft – ich springe heraus und eilig zum Haus, als es zu regnen und winden anfängt. Das Gewitter kam dann später, mit einigen heftigen positiv geladenen Erdblitzen.
Wolkenphase am Mittwoch, 1. Juli 2026, 15 Uhr MESZ (Quelle: kachelmannwetter.com) – Villgratental gelb markiert
Osttirol lag am Rande ausgedehnter Gewittercluster über Südtirol, die sich am Abend nur langsam abschwächten. Entsprechend fuhr ich noch im Niederschlag um 17 Uhr mit dem Bus ins Dorf und ging im Regen nach dem Abendessen gegen 19.20 Uhr MESZ zurück zur Unterkunft – für die 2,2km brauchte ich eine knappe halbe Stunde. Es war herrlich nach zwei Wochen Hitze mit dem Regenschirm entlang eines rauschenden Gebirgsbachs zu gehen, mit viel blühender Botanik am Wegesrand des sogenannten „Wasserwegs“. Zu diesem folgt noch ein eigener kleiner Blogeintrag.
Die freundliche Unterkunftgeberin wies mich gleich daraufhin, dass ich für das „Herzasstaxi“ nicht bis zum Dorf gehen musste, sondern vor der Unterkunft abgeholt wurde, weil sich die Taxigarage in unmittelbarer Nähe befand. Das Unternehmen bedient auch den Linienbus.