
Buchauer Sattel – Grabneralmhaus – Admonter Haus – Admonter Warte – Admonter Haus; Abbruch vor dem Mittagskogel – Admonter Haus – Grabner Alm – Buchauer Sattel | 1000hm, 12km
Ein denkwürdiges Datum. Ich verwende speziell den zweiten Tag der Wanderung seit Jahren bei Vorträgen über Gewittervorboten. Unvergessen ist der Tag, als wir zu dritt in einem Wäldchen am Boden kauerten, während die Blitze in der Nähe einschlugen. Es schüttete eine Stunde lang und hagelte dazu. Was war damals in der Vorbereitung schiefgelaufen? Ich bestand knapp zwei Wochen vorher die Diplom-Prüfung zum Meteorologen und wir wurden dennoch „vom Gewitter überrascht. Die Tage vorher waren wir im Zuge des jährlichen Moderatorentreffens in der Sadniggruppe unterwegs – bereits da war das Wetter sehr unbeständig mit morgendlichen Gewittern.
Damals suchte ich in den Wetterkarten nach einer Region, die am Wenigsten schauer- und gewitteranfällig sein sollte. Die nördliche Obersteiermark schien aufgrund der südwestlichen Höhenströmung föhnbegünstigt. Am Gewittertag selbst konnte ich die Wolkenvorboten nicht deuten, wir ignorierten auch den Hüttenwirt, der meinte, einen Donner gehört zu haben, während wir nichts gehört hatten. Wir stiegen trotz umschlagenden Wind und einfallenden Nebel ab.
Aus Schaden wird man klug, könnte man meinen, doch ein Jahr später geriet ich am Schneeberg erneut ins Gewitter – an einem Tag, wo die Wettermodelle nichts gerechnet hatten. Wieder deutete ich die Wolkenvorboten falsch. Im Sinne der schonungslosen Aufarbeitung möchte ich die damaligen Versäumnisse rekapitulieren. Daher veröffentliche ich die Wanderberichte neu – ohne Geschnörkel.
Beim Weggehen am Nachmittag vom Buchauer Sattel wehte ein warmer Südwind, auch die linsenförmigen Wolken (Altocumulus lenticularis) waren laut damaligen Aufzeichnungen eindeutig, wenn auch in den Bildern nicht mehr sichtbar.



Der Süd- bis Südwestwind nahm auf dem freien Wiesenhang oberhalb der Grabneralm deutlich zu. In der Sonne war’s angenehm, ohne Sonne ziemlich kalt schon. Als wir den Hang durchschritten, dauerte es eine Zeit, bis jede heraneilende Kuh erkannte, dass wir nicht der Bauer waren. Für mich ein Adrenalinkick der anderen Art. Nach einem kurzen Abschnitt mit Latschenfeldern ging es steil zur Hütte hinauf, die in einer Scharte, dem Grabnertörl (1723m), liegt. In dieser Scharte wehte beständig starker bis stürmischer Südföhn.


Ein schmaler Steig mit trittfestem Schotter führt durch die Latschen zum Gipfel, lediglich auf den letzten Metern brauchte man kurz die Hände. Mit meiner damals schlanken Statur musste ich ganz schön gegen den unbeugsamen Südwind ankämpfen. Am Gipfel hatte ich Mühe zu stehen und setzte mich wegen der Ausgesetztheit lieber gleich hin.


Starker Südwind, flache Quellwolken und lockerer Altocumulus links von der Fahne. Die durchziehende tiefe bis mittelhohe Bewölkung deutete Feuchtezufuhr an. Sonderlich linsenförmig schauten die Wolken auch nicht aus, also abnehmender Föhn.





Nach Westen zu war kurzzeitig auch der vergletscherte Dachstein sichtbar, immerhin rund 70km entfernt. Wir stiegen wieder ab und wärmsten uns in der Hütte auf, die ziemlich das Gegenteil vom Sadnighaus war: kleine Stube mit kleinem Ausschank, Heizung per Holzofen und wir die einzigen Übernachtungsgäste, da der Folgetag ein Montag war. Die Lager waren eng mit dicken Decken, trotzdem fror ich wie im Eisschrank, zumal auch der Wind einen spürbaren Luftzug hinterließ. Der damalige Hüttenwirt, mit seiner Frau und Kleinkind fast alleine auf der Hütte, erzählte, dass in der Nacht davor der Südwind so stark blies, dass die Übernachtungsgäste kaum Schlaf fanden. Nichtsdestrotrotz sehr urig, originell und urtümlich, und eine sehr nette Bewirtung.
Zum nächsten Morgen hab ich damals nichts geschrieben, aber ich dürfte nervös gewesen sein wegen dem geplanten Gipfel, weil ich in dem Gelände – schmale Steige im Kalk mit lockerem Schotter – ungern unterwegs war.

Damals hab ich lang und breit über physikalische Ursachen geschrieben, warum der Nebel nicht über das Grabentörl schwappte, aber die grundsätzliche Frage hätte lauten sollen: Was hat Hochnebel im Hochsommer in dieser Region überhaupt zu suchen? Er war auch keineswegs scharf begrenzt an einer Inversion, sondern an der Oberseite recht zerfleddert, soweit das Auge reichte.

Der Radiosondenaufstieg vom oberösterreichischen Zentralraum zeigte eine feuchte Schicht unterhalb der Inversion in rund 2,2km. Bodennah wehte schwacher Westwind mit einströmender Kaltluft. Darüber zunehmender Südwestwind, besonders stark ab etwa 5km Höhe.

Repräsentativ für die labile Luftmasse am Nachmittag ist der Münchner Aufstieg, nämlich von 1500m Höhe bis zur Tropopause in rund 8,6km Höhe. Das war ausreichend für Gewitterbildung. Dazu weiterhin eine mäßige Südwest- bis Westströmung.

Rückblickend war die Großwetterlage äußerst gewitteranfällig an diesem Tag mit einem Höhentief und Höhenkaltluft genau über den Nordalpen. Daher war die Tropopause vergleichsweise niedrig, keine hochsommerliche Luftmasse. Nördlich der Alpen dominierten bereits kühlere Luftmassen. Der Alpenhauptkamm bildete etwa die Luftmassengrenze. Alle Zutaten (Feuchte, Labilität, Hebung) für weitere Gewitterbildung waren gegeben. Mit dem lebhaften Südwestwind in der Höhe zudem Windscherung für organisierte Gewitter (Hagelgefahr!). KEIN ideales Tourenwetter!
Zurück zum letzten Bild: Eingeströmte Kaltluft. Und zum nächsten Bild: Schon am frühen Vormittag flache Quellbewölkung, Richtung Südosten ausgedehnte Altocumulus-Bänke, die die Präsenz eines Höhentrogs andeutet. Linsenform war nicht mehr vorhanden, kein Föhneinfluss mehr!


Bereits im Anstieg zum Mittagskogel: Bewölkung in allen Höhen: CU, AC und CI – potentielle Gewitterwolken hätten so genügend Feuchteangebot und würden nicht mehr rasch vertrocknen.


Mein Umkehrpunkt:

An der schmalsten Stelle mit dem Seil wurde ich plötzlich unsicher. Dazu kam die Vorgeschichte: Am Sadnighaus ging das Norovirus herum, auch Wanderkameraden erkrankten schwer. Ich hatte einen Streifschuss mit Übelkeit und Kreislaufproblemen. Ich konnte in der Früh dann auch nicht viel frühstücken. Das Seil war zu tief angebracht, sodass man nicht aufrechtgehen konnte, wenn man sich festhalten wollte. Bei einem stabilen Hochdrucktag wäre ich ein paar Minuten stehengeblieben, bis das Adrenalin ausgeschüttet war, und hätte es nochmal versucht. Ich aber folgte meiner Intuition, dass es einfach nicht mein Tag war, und kehrte um. Denn am Rückweg hätte ich die Stellen erneut passieren müssen. Da wusste ich noch nichts davon, dass bis zum Hexenturm wesentlich exponiertere Stellen kommen würden.
Rückblickend betrachtet die richtige Entscheidung. So ein instabiles Wetter war die falsche Voraussetzung für Experimente, die Höhenangst in den Griff zu bekommen.
Von Süden fuhr immer wieder der Südwind in die Nebelmasse und erzeugte kleine Wirbel, trieb den Nebel beständig vom Südhang weg. Marlen Haushofers „Die Wand“ ließ grüßen.





Ich suchte mir ein Aussichtsbankerl oberhalb der Hütte, sodass ich im Zweifelsfall rasch absteigen konnte.

Bis dahin war der Südhang noch wolkenfrei. Binnen weniger Minuten strömte der Hochnebel aber über die Scharte und die Sichtweite sank unter fünfzig Meter ab. Ich stieg zur Hütte ab. Meinen beiden Wanderkameraden, die ihren Weg zum Hexenturm fortgesetzt hatten, schrieb ich ein SMS, dass hier unten dichter Nebel herrsche und drei Klettersteiggeher vorzeitig umgekehrt waren, weil ihnen die Sicht zu schlecht war. Wolfgang und Marc kehrten ebenfalls um und wir blieben zunächst auf der windgeschützten Seite der Hütte sitzen.

Vom Gewitter selbst hab ich keine Fotos gemacht. Im Nebel hätte man ohnehin nichts gesehen. Während der Nordwind zulegte, wurde es merklich kälter. Der Wirt meinte noch: „Da kommt was, es ist deutlich kälter geworden. Wenn es auf Nord dreht, kommt was.“ Ich fehldeutete es als lokales Phänomen, tatsächlich waren es die kalten Outflowböen des herannahenden Gewitters mit absinkender Wolkenuntergrenze. Ab und zu gab es ein leises Grummeln, das vom Nebel weitgehend geschluckt wurde. Der Wirt sagte, es habe gedonnert, wir hörten nichts. Erst später hörten wir etwas, es klang aber noch weit entfernt.
Entgegen der Vernunft und den warnenden Aussagen des Hüttenwirts stiegen wir ins Tal ab. Schon nach zehn Minuten sah ich plätzlich Nebelschwaden in einem irren Tempo den Südhang hinabfegen. Sturmböen! Wir stiegen weiter ab und es fing an zu tröpfeln, wurde stärker. Als wir in das Latschenfeld einbogen, setzte kleinkörniger Hagelschlag ein, dazu weitere stürmische Böen und dann auch das erste nahe Donnergrollen. Wir beschleunigten unsere Schritte, aber das Gewitter war praktisch über uns. Der Donner wurde lauter, der Hagel stärker. Vor uns lag dann der besagte exponierte Kuhweidenhang ohne jeglichen Schutz vor Blitzschlag.

Wir warfen die Stöcke in die Wiese, um kein leitfähiges Metall am Körper zu tragen, und stellten uns unter einer Baumgruppe unter. Rasch bildeten sich Hagelansammlungen, wir wurden gut nass. Von meiner Regenjacke tropfte es kalt in die Hose. Ja, Blitze schlagen tendenziell eher in den Baum ein als in eine Weide, aber wenn man dort den höchsten Punkt bildete, war das nicht vorteilhaft, sein Risiko zu minimieren. Ich versuchte meine Angst zu überspielen, indem ich den Hagel fachmännisch beurteilte: Überwiegend festes Eis, weiß, die größeren Körner mit durchsichtiger Hülle. Das würde auch vermehrten Flüssigwassergehalt hinweisen, und es sei Glück im Unglück, dass es an diesem Tag in allen Höhenlagen so feucht war, weil dies größeren Hagel verhindern würde.
Danach folgte ein Wechselbad der Gefühle: Der erste Hagelschlag ließ nach, die Wolken-Erde-Blitze ließen nach. Ich sagte zu meinen Kameraden: Der Hagel lässt nach, da fing er wieder an. Ich meinte: Der Regen lässt nach. Er fing wieder an. Dann schien die Intensität abzunehmen. Im Westen sah ich erste blaue Lücken, die Rückseite des Gewitters nahte. Ich erklärte noch, dass die meisten Blitze im Niederschlagsbereich zuckten. Der blaue Fleck wurde größer. Ich stand auf und versuchte vergeblich, den widerspenstigen Regenschutz über meinen Rucksack zu ziehen. Dann zogen Nebelschwaden auf, die den blauen Himmel wieder zur Gänze verdeckten. Ich meinte: Darüber sei der Himmel weiterhin klar. Genau in diesem Moment leuchtete es praktisch über uns hell auf. In Zeitlupe sah ich uns zusammenzucken, und dann schepperte es heftig. Der war nah. Schnell hockten wir uns wieder hin, kauerten eng zusammen und ließen uns noch eine Weile nassregnen, bis wir es wagten, uns wieder zu erheben. Ich sagte lieber gar nichts mehr, bis der blaue Fleck am Himmel so breit wurde, dass die Sonne schon ins Tal einfiel. Insgesamt saßen wir gut eine Stunde unter den Bäumen, bis wir den Abstieg antraten.


Wir stiegen dann bei ersten Sonnenstrahlen zur Grabenalm ab und wärmten uns in der Stube auf. Ich sorgte noch für Erheiterung in der Hütte, als ich einen Cappuccino bestellte und der Wirt freundlich, aber belustigt meinte, er habe keine Genehmigung für eine Caféteria, aber er könn mir einen Kaffee mit Milch anbieten.

Ich fuhr mit Wolfgang über das Gesäuse zurück nach Wien. Beim Kölblwirt in Johnsbach machten wir noch einen kulinarischen Stop vor der Heimfahrt.
Hausmauer (1015m), Himbeerstein (1222m), Hochtor (2369m), Großer Ödstein (2335m), Haindlmauer (1435m)


Abschließend ein Blick auf das Satellitenbild vom frühen Nachmittag, mutmaßlich kurz vor oder während den Gewittern in den Haller Mauern. Meiner Erinnerung nach zog der Schwerpunkt nördlich der Haller Mauern vorbei. Die Gewitterregion lag auf der Vorderseite eines kleinräumigen Troges (Hebungsantrieb).

Abschließende Worte:
Die Wetterlage vor den Tagen in den Haller Mauern war bereits ziemlich unbeständig. Wir waren davor ein paar Tage in der Sadniggruppe unterwegs (Hohe Tauern). Der erste Gipfel, der Mohar, konnte noch trockenen Fußes erreicht werden. Abends zogen dann unter Trogeinfluss Schauer auf. In der Folgenacht (Donnerstag, 12.8. auf Freitag, 13.8.) waren auch Gewitter dabei, so donnerte es zwischen fünf und sieben in der Früh ein paar Mal. Am Freitagvormittag lockerte die Bewölkung auf mit sonnigen Phasen. Beim Aufstieg zum Sadnig drehte ich etwa 100hm unterhalb des Gipfels um, weil dichter Nebel herrschte. Im Abstieg begann es großtropfig zu regnen, aber glücklicherweise ohne Blitz und Donner. Der Samstag, 14.08., war der freundlichste Tag, da sich das Höhentief vorübergehend etwas nach Westen zurückzog. Erst am späten Nachmittag kam in Verbindung mit einem Genuatief starker Regen auf, in Begleitung von stürmischen Wind, der in der Nacht die Sonnenschirme auf der Terrasse umwarf. Auf dem Admonter Haus fanden die Übernachtungsgäste wegen dem Föhnsturm kaum Schlaf. Sonntagfrüh, am 15. August, lag die Trogachse genau über den Zentralalpen, damit kam die nächste Ladung Gewitterwolken.
Tagsüber fuhren wir dann auf die Alpennordseite zu den Haller Mauern. Das Höhentief lag am Sonntag mit Kern über Frankreich, die Steirischen Kalkalpen damit in der südwestlichen und anfangs föhnigen Höhenströmung. Daher erreichten wir das Admonter Haus trockenen Fußes. Unter Höhentiefeinfluss war dennoch genug Feuchte da, damit sich Quellwolken bilden konnten. Deswegen zeigte sich kein klassisch föhniger Himmel mit linsenförmigen Wolken, sondern viel tiefe und teilweise mittelhohe Bewölkung. Das hätte bereits ein Warnzeichen sein müssen [Fehler 1]
Auch die verbreitet tiefe Bewölkung (Stratus) am Folgetag mit der eingeflossenen Kaltluft an der Alpennordseite deutete an, dass grundsätzlich viel Feuchtigkeit vorhanden war [Fehler 2]. Die Luftmassengrenze lag in der Früh über Zentralösterreich und wurde im Tagesverlauf nach Osten abgedrängt, damit verbunden war verstärkter Hebungsantrieb (Kaltfrontdurchgang). Die mittelhohe Bewölkung war über Stunden hinweg vorhanden (Altocumulus in verschiedenen Formen) und deutete die Präsenz eines Höhentiefs mit Hebungsantrieb an [Fehler 3]. Es herrschte längere Zeit Sonneneinstrahlung, die Mitte August genügend Kraft hat, um Labilitätsenergie zu generieren. Damit waren alle Voraussetzungen gegeben, damit es zur Gewitterbildung kam. Der Nebel schwappte anfangs hin und her, blieb aber konstant auf der Nordseite der Haller Mauern. Als die tiefe Bewölkung auf Höhe des Pyrnpass-Karleck sichtbar wurde, sah diese anders aus als das friedliche Hin- und Herschwappen am Grabnertörl, sondern mehr wie Nebelwolken, die sich durch Niederschlagskühlung nach einem Regenschauer bilden. Hier trafen wir die richtige Entscheidung: Wir kehrten zur Hütte um, als die Sicht schlechter wurde und waren rechtzeitig dort, bevor das Gewitter eintraf. Selbst das war aber knapp bemessen, wenn man bedenkt, wie rasch das Wetter umschlagen kann.
Als wir die Entscheidung zum Abstieg trafen, ignorierten wir den nun dauerhaft einfallenden Nebel mit damit verbundenem stark auffrischendem Nordwind und entsprechender Abkühlung [Fehler 4, 5, 6], zumal der Wirt noch auf seine Erfahrung verwies [Fehler 7]. Wir glaubten ihm auch nicht, als er es donnern hörte [Fehler 8]. Etwa zehn Minuten am Weg, als es zu hageln begann, stiegen wir weiter ab. Möglicherweise hätte man den Wiederaufstieg zur Hütte riskieren sollen. Unterstellmöglichkeiten gab es bis zur Grabneralm nicht. Gewitter-Rückseiten sind tückisch, da hier zwischen Ambosswolke und Erdboden die größte Ladungstrennung herrscht und die stärksten Blitze zucken können. Deswegen war es klug, abzuwarten, bis das Gewitter ausreichend Abstand gewonnen hatte. Die Entscheidung, sich unter einer Baumgruppe unterzustellen, fiel uns meiner Erinnerung nach nicht leicht, aber auf einer freien exponierten Wiese hätten wir den höchsten Punkt dargestellt. Am ehesten hätte man sich noch in einen gatschigen Kuhgraben kauern können, aber da fehlte uns (mir) in der Situation die Übersicht und die Abgeklärtheit.
Das Erlebnis ist nun sechzehn Jahre her. Seitdem hab ich viel mehr Berufserfahrung als damals – zudem auch als Flugmeteorologe, der den Himmel detaillierter beurteilen muss als im Studium erlernt. Ich kann Gewittervorboten eher deuten und plane an unsicheren Tourentagen anders als bei stabilem Wetter. Die Wettervorhersage selbst hat sich massiv verbessert durch die hochaufgelösten Lokalmodelle, die teils auf 10-20km genau Gewitterzellen vorhersagen können. Dank Smartphone sind aktuelle Modellläufe, Radar- und Satellitenbilder, Blitzdaten, aktuelle Wetterdaten und Webcam-Bilder auch unterwegs verfügbar, oder wenn ich keinen Computer-Zugang habe. Heute kommt es kaum noch vor, dass ich „vom Wetter überrascht werde“ – außer ich habe meinen freien Tag und bin nicht am Berg unterwegs, dann lasse ich mich durchaus gerne überraschen. In den letzten Jahren kalkuliere ich Gewitter sogar öfter ein, aber habe entsprechende „Abbruch-Strategien“ (Hütten zum Einkehren, Touren verkürzen).
Ich hoffe meine Zeilen können ein wenig darüber aufklären, wie ein Meteorologe mit der Tourenplanung umgeht und auf welche Anzeichen er speziell achtet, um nicht dann überrascht zu werden, wenn daraus eine Gefahr für das eigene Leben erwachsen könnte.
Fragen beantworte ich gerne unter diesem Blogtext!