Baumkogel (1416m), Hohe Wand (1409m), Drahtekogel (1565m) und Große Scheibe (1473m), Semmering (20.09.26)

Blick von der Hohen Wand zum Baumkogel gegenüber, dahinter Stuhleck

Wegführung: Spital am Semmering (9.00) – Baumkogel (1416m, 10.35) – Hohe Wand (1409m, 12.05) – Tratenkogel (1565m, 12.57-13.35) – Scheibenhütte und Große Scheibe (1473m, 14.30-15.15) – Mürzzuschlag (16.40) | 1100hm, 17.4km | 1 Mäusebussard | zahlreiche Gefranste Enziane

Seit einigen Monaten stand die Hohe Wand schon auf meiner To-Do-Liste, aber bisher war mir nicht klar gewesen, ob auf den steilen Zacken überhaupt ein Weg ohne Kletterei führen wurde. Dann entdeckte ich kürzlich einen Wanderbericht von P.B. im Gipfeltreffenforum, der dort zum Sonnenuntergang war und dann mit der Stirnlampe abstieg. So schwer konnte der Aufstieg also nicht sein. Günter schloss sich spontan an und so starteten wir am Sonntag pünktlich in Spital am Semmering (Direktzug ab Hbf).

Die letzten Male bin ich über die Bärenwand und den Probststeig auf die Kampalpe gestiegen. Über den Saurücken war ich bisher nur einmal im Winter im Abstieg mit Schneeschuhen unterwegs und das war über zehn Jahre her.

Wetterlage: Kaltfrontdurchgang am späten Abend, im Vorfeld nochmal spätsommerlich warm mit bis zu 28°C am Alpenostrand und rund 24,3 in Mürzzuschlag. Leider nach Südwesten hin schon recht dunstig. Kaum Wind.

Im Anstieg hielten sich anfangs Hochnebelreste im Mürztal, die aber bald auflockerten.

Anstieg entlang vom Kalkangerbach, rechts Zatzkakapelle
Gefranster Enzian auf rund 850 Meter Höhe – ungewöhnlich weit unten

Nach längerem Forstwegabschnitt stieg der Steig gleich mal ordentlich steil an, wurde dann aber entlang vom Taborberg flacher, ehe er nach rechts querte.

Franziskaquelle mit Sitzbankerl und Quelle

Kurz darauf kamen wir an einem äußerst schmalen Schacht in den Felsen vorbei, laut OTM Spezialistenkluft genannt. Vielleicht passte eine dünne Katze durch, aber kein Mensch.

Der Hochnebel hatte sich inzwischen weitgehend aufgelöst, aber die scharfe Inversionsgrenze war nicht nur erkennbar, sondern beim Durchschreiten auch spürbar, als hätte jemand den Backofen aufgedreht.

Aussichtsbankerl mit Blick auf Sonnwendstein und Stuhleck
Gipfelkreuz der Kampalpe – nicht am höchsten Punkt

Dann einem gut ausgeprägten Forstweg nach links folgend auf eine große (ehemalige) Weide.

seit 1960 verzeichnete Jagdhütte, nach 1980 verfallen

Vorbei an einem schönen alten Bergahorn und dann durch dichten Wald zum höchsten Punkt des Baumkogels (1416m) mit freiem Blick ins Mürztal:

Sonnwendstein, Erzkogel, Umschussriegel und Stuhleck
Pfarrkirche Spital am Semmering, erbaut ab 1160 in der Romanik, Früh- und Spätgotik

Nach kurzer Rast setzten wir unsere Wanderung weglos am grasigen Saurücken fort, bis wir wieder auf den markierten Weg stießen.

Rückblick zum Baumkogel von einem Niedersitz
Bild von Günter vom schönsten Abschnitt
Der markierte Weg quert den steilen Hang, mit Schneeschuhen stieg ich hier damals ab
Die Herbstvorboten mehrten sich
Gefranster Enzian (Gentianella ciliata)

Dann erreichten wir den oberen Forstweg, der uns zur Hohen Wand bringen sollte. Dort zeigte sich erstmals auch das mittlere Murtal bei Bruck an der Mur. Im Westen wie gesagt leider etwas etwas dunstiger als erwartet.

Rennfeld links, Roßeck und Mugel, dahinter Seetaler Alpen
Hohe Wand, Gipfel Nr. 2

Bis dahin verloren wir wieder rund 100 Höhenmeter. Insgesamt brauchten wir knapp eine Stunde vom Baumkogel dorthin. Ich fand den Forstweg gar nicht so fad, zwischendrin ergaben sich schöne Blicke ins Mürz- und Murtal und den Weg säumten teils größere Felsen am Hang.

Durchgucker zum Fadenkamp (1804m), Kräuterin-Stock
Hohe Wand nun schon näher
hoch aufragender Felsen mit Mäusebussard

Bei der Querung kamen wir auch an einem recht gutmütig wirkenden Wiesenrücken vorbei, der bis in den Seitengraben führen dürfte. An einem Forstwegeck schien auch ein Weg in diese Richtung abzuzweigen. Bei P.B. so beschrieben:

„von der hohen wand abstieg nach norden zur forststraße, dieser richtung osten folgend bis zu einem rücken (forststraße wendet sich nach links und beginnt zu steigen), dort rechts – dem rücken folgend

Beim Sattel stand eine Jagdhütte neueren Baujahrs und genau gegenüber zweigte eine deutlich erkennbare Spur Richtung Wand ab.

Steig

Diese verzweigte sich noch einmal, besser ausgetreten und etwas breiter wirkte sie nach rechts auf gleicher Höhe querend, wir aber gingen links weiter. Zum Schluss steiler werdend, aber völlig unschwierig durch Jungwald zum Gipfelkamm.

Gewimperter Erdstern (Geastrum fimbriatum)
Günter folgt im dichten Fichtendickicht
Blick von der Hohen Wand ins Mürztal und zum Beeralplkopf (1481m)
Hochschwab und Veitsch

Ein schöner Platz, aber am besten kam die Hohe Felswand zur Geltung, wenn man am Fuß hinaufschaute oder aus der Ferne hinüberschaute. Am gleichen Weg zurück und dann folgten wir einem gut ausgetretenen Steig links der Jagdhütte in den Wald hinein. Es handelte sich um einen ehemaligen Almsteig, der den Kamm zwischen Drahtekogel und Wanzenbühel (heute: Windmantel) mit der Hofmeister Alm verband.

gut ausgeprägte Steigspur

Der Steig querte etwa auf gleicher Höhe östlich vom Drahtekogel vorbei, weshalb wir ihn bald verließen und weglos weiter aufstiegen. Vielleicht etwas zu spät. Steigspuren hätte es vorher schon am Südwestrücken gegeben. So mussten wir kurz durch dichten Jungwald, ehe es wieder leichter wurde.

sonntags geschlossene Aussichtswarte

Wir folgten einer Schneise mit Heidekraut, wo sich früher die Hofmeisteralm befunden hatte.

ehemalige Hofmeisteralm
Track auf der AMAP mit historischer Karte von 1960 unterlegt

Zum Schluss noch etwas mühsam durch hüfthohes Heidekraut und Unterholz zum Gipfel des Tratenkogels, auch Trattekogel, Drahtekogel. Die Attraktivität des Gipfels hatte durch die großflächigen Schlägerungsarbeiten gelitten, dafür ist die Fernsicht umso besser geworden. Beim ersten Besuch im Juli 2013 sah man vom Gipfel noch nichts. Mein fünfter Besuch an diesem Tag.

umfassendes Panorama nach Westen zu von der Koralpe über die Nockberge bis Dürrenstein
Pletzen, Hochreichart, Gößeck, Großer Griesstein, Eisenerzer Reichenstein, Trenchtling, Vordernberger Griesmauer
Hochschwab-Hauptgipfel
leider nur kontrastverstärkt besser erkennbar: blass in Bildmitte Wintertalenock (2394m,155km), rechts Eisenhut (2441m) und Prankerhöhe (2166m), alle Nockberge
im Vordergrund schauen Heuberg (1406m), Heulantsch (1471m) und der Osthang vom Hochschlag drüber, dahinter Großer Speikkogel (2140m, 111km) mit Sendeanlagen
Scheibenhütte, die nächstes Jahr 130jähriges Bestehen feiert
Gipfel-Bergheuschrecke

Beim Abstieg hab ich mich etwas vertan, bin gleich dem Harvester-Weg gefolgt, dadurch kamen wir zu weit südlich. Allerdings gab es auch dort weitere Fällarbeiten und der Gipfelhang schaut dadurch noch unübersichtlicher aus. Tatsächlich geht man ein Stück zurück Richtung Nordwesten und dann den noch vorhandenen Markierungen folgend am schmalen Pfad hinab.

Abstieg mit Schneealpe rechts
Rückblick zum Gipfelhang des Tratenkogels
Vergleich mit Juli 2013

Beim Beeralplkopf querten wir nördlich am unmarkierten Steig, den ich vor zwei Jahren entdeckt hatte, und waren so rasch bei der Hütte.

Bei der Scheibenhütte hatten wir Pech: Kurz vor uns war eine große Gruppe von Prein a.d. Rax eingekehrt, für uns gab es nur mehr Würstel mit Brot. Für mich doppelt bitter, hatte ich doch an dem Tag mit Magenproblemen zu kämpfen. Die Suppe wäre verträglicher gewesen als Waldviertler mit Kren und Senf. Auch der Hüttenwirt schien nicht ganz glücklich über den unangekündigten Besuch, sonst hätte er sich vorbereiten können. Zum Glück sei keiner der Gäste aufgrund der geringen Speisenauswahl heikel gewesen. Die Scheibenhütte bietet aufgrund ihrer geringen Größe nur einfache Speisen, meist Suppen/Eintopf, Würstel und Mehlspeisen.

20-köpfige Gruppe, englisch sprechend, mit österreichischem Guide

Es war gut aushalten im Freien. Ein Labrador nebenan zog ungeduldig an der Leine und winselte unentwegt, bis seine Familie aufbrach.

Stuhleck mit grünen Skipisten und Alois-Günther-Haus am Gipfel

Der kurze Abstecher zum Gipfel war obligatorisch, brachte aber keine neuen Erkenntnisse, außer farbenfroher Blüten.

Zweiter Frühling: Ehrenpreis, Taubnessel und Schafgarbe am Gipfel

Wir brachen kurz nach drei auf. Zwei Stunden sollten reichen, um den Zug um fünf zu erwischen.

echtes Herbstlaub
Stuhleck-Pretul-Kamm mit drei ausgeprägten Seitengräben

Im Abstieg wuchsen zahlreiche Pilze. Überhaupt schien die Trockenheit den Fruchtkörpern weniger geschadet zu haben als befürchtet. Wir sahen zahlreiche Fliegenpilze, Eierschwammerl, Goldröhrlinge, Champignon-artige Pilze u.v.m.

evtl. Grünblättrige Schwefelköpfe
Roter Fingerhut (Digitalis purpurea)
verschiedene Laubstadien
Müde Quotenkatze

Mit ausreichend Spielraum erreichten wir den Bahnhof und erwischten sogar noch den Direktzug zurück.

Gesamt-Track auf der Open Topo Map

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