
Wegführung: Spital am Semmering (9.00) – Baumkogel (1416m, 10.35) – Hohe Wand (1409m, 12.05) – Tratenkogel (1565m, 12.57-13.35) – Scheibenhütte und Große Scheibe (1473m, 14.30-15.15) – Mürzzuschlag (16.40) | 1100hm, 17.4km | 1 Mäusebussard | zahlreiche Gefranste Enziane
Seit einigen Monaten stand die Hohe Wand schon auf meiner To-Do-Liste, aber bisher war mir nicht klar gewesen, ob auf den steilen Zacken überhaupt ein Weg ohne Kletterei führen wurde. Dann entdeckte ich kürzlich einen Wanderbericht von P.B. im Gipfeltreffenforum, der dort zum Sonnenuntergang war und dann mit der Stirnlampe abstieg. So schwer konnte der Aufstieg also nicht sein. Günter schloss sich spontan an und so starteten wir am Sonntag pünktlich in Spital am Semmering (Direktzug ab Hbf).
Die letzten Male bin ich über die Bärenwand und den Probststeig auf die Kampalpe gestiegen. Über den Saurücken war ich bisher nur einmal im Winter im Abstieg mit Schneeschuhen unterwegs und das war über zehn Jahre her.
Wetterlage: Kaltfrontdurchgang am späten Abend, im Vorfeld nochmal spätsommerlich warm mit bis zu 28°C am Alpenostrand und rund 24,3 in Mürzzuschlag. Leider nach Südwesten hin schon recht dunstig. Kaum Wind.
Im Anstieg hielten sich anfangs Hochnebelreste im Mürztal, die aber bald auflockerten.


Nach längerem Forstwegabschnitt stieg der Steig gleich mal ordentlich steil an, wurde dann aber entlang vom Taborberg flacher, ehe er nach rechts querte.

Kurz darauf kamen wir an einem äußerst schmalen Schacht in den Felsen vorbei, laut OTM Spezialistenkluft genannt. Vielleicht passte eine dünne Katze durch, aber kein Mensch.
Der Hochnebel hatte sich inzwischen weitgehend aufgelöst, aber die scharfe Inversionsgrenze war nicht nur erkennbar, sondern beim Durchschreiten auch spürbar, als hätte jemand den Backofen aufgedreht.


Dann einem gut ausgeprägten Forstweg nach links folgend auf eine große (ehemalige) Weide.

Vorbei an einem schönen alten Bergahorn und dann durch dichten Wald zum höchsten Punkt des Baumkogels (1416m) mit freiem Blick ins Mürztal:


Nach kurzer Rast setzten wir unsere Wanderung weglos am grasigen Saurücken fort, bis wir wieder auf den markierten Weg stießen.





Dann erreichten wir den oberen Forstweg, der uns zur Hohen Wand bringen sollte. Dort zeigte sich erstmals auch das mittlere Murtal bei Bruck an der Mur. Im Westen wie gesagt leider etwas etwas dunstiger als erwartet.


Bis dahin verloren wir wieder rund 100 Höhenmeter. Insgesamt brauchten wir knapp eine Stunde vom Baumkogel dorthin. Ich fand den Forstweg gar nicht so fad, zwischendrin ergaben sich schöne Blicke ins Mürz- und Murtal und den Weg säumten teils größere Felsen am Hang.



Bei der Querung kamen wir auch an einem recht gutmütig wirkenden Wiesenrücken vorbei, der bis in den Seitengraben führen dürfte. An einem Forstwegeck schien auch ein Weg in diese Richtung abzuzweigen. Bei P.B. so beschrieben:
„von der hohen wand abstieg nach norden zur forststraße, dieser richtung osten folgend bis zu einem rücken (forststraße wendet sich nach links und beginnt zu steigen), dort rechts – dem rücken folgend„
Beim Sattel stand eine Jagdhütte neueren Baujahrs und genau gegenüber zweigte eine deutlich erkennbare Spur Richtung Wand ab.

Diese verzweigte sich noch einmal, besser ausgetreten und etwas breiter wirkte sie nach rechts auf gleicher Höhe querend, wir aber gingen links weiter. Zum Schluss steiler werdend, aber völlig unschwierig durch Jungwald zum Gipfelkamm.




Ein schöner Platz, aber am besten kam die Hohe Felswand zur Geltung, wenn man am Fuß hinaufschaute oder aus der Ferne hinüberschaute. Am gleichen Weg zurück und dann folgten wir einem gut ausgetretenen Steig links der Jagdhütte in den Wald hinein. Es handelte sich um einen ehemaligen Almsteig, der den Kamm zwischen Drahtekogel und Wanzenbühel (heute: Windmantel) mit der Hofmeister Alm verband.

Der Steig querte etwa auf gleicher Höhe östlich vom Drahtekogel vorbei, weshalb wir ihn bald verließen und weglos weiter aufstiegen. Vielleicht etwas zu spät. Steigspuren hätte es vorher schon am Südwestrücken gegeben. So mussten wir kurz durch dichten Jungwald, ehe es wieder leichter wurde.

Wir folgten einer Schneise mit Heidekraut, wo sich früher die Hofmeisteralm befunden hatte.


Zum Schluss noch etwas mühsam durch hüfthohes Heidekraut und Unterholz zum Gipfel des Tratenkogels, auch Trattekogel, Drahtekogel. Die Attraktivität des Gipfels hatte durch die großflächigen Schlägerungsarbeiten gelitten, dafür ist die Fernsicht umso besser geworden. Beim ersten Besuch im Juli 2013 sah man vom Gipfel noch nichts. Mein fünfter Besuch an diesem Tag.







Beim Abstieg hab ich mich etwas vertan, bin gleich dem Harvester-Weg gefolgt, dadurch kamen wir zu weit südlich. Allerdings gab es auch dort weitere Fällarbeiten und der Gipfelhang schaut dadurch noch unübersichtlicher aus. Tatsächlich geht man ein Stück zurück Richtung Nordwesten und dann den noch vorhandenen Markierungen folgend am schmalen Pfad hinab.



Beim Beeralplkopf querten wir nördlich am unmarkierten Steig, den ich vor zwei Jahren entdeckt hatte, und waren so rasch bei der Hütte.
Bei der Scheibenhütte hatten wir Pech: Kurz vor uns war eine große Gruppe von Prein a.d. Rax eingekehrt, für uns gab es nur mehr Würstel mit Brot. Für mich doppelt bitter, hatte ich doch an dem Tag mit Magenproblemen zu kämpfen. Die Suppe wäre verträglicher gewesen als Waldviertler mit Kren und Senf. Auch der Hüttenwirt schien nicht ganz glücklich über den unangekündigten Besuch, sonst hätte er sich vorbereiten können. Zum Glück sei keiner der Gäste aufgrund der geringen Speisenauswahl heikel gewesen. Die Scheibenhütte bietet aufgrund ihrer geringen Größe nur einfache Speisen, meist Suppen/Eintopf, Würstel und Mehlspeisen.

Es war gut aushalten im Freien. Ein Labrador nebenan zog ungeduldig an der Leine und winselte unentwegt, bis seine Familie aufbrach.

Der kurze Abstecher zum Gipfel war obligatorisch, brachte aber keine neuen Erkenntnisse, außer farbenfroher Blüten.

Wir brachen kurz nach drei auf. Zwei Stunden sollten reichen, um den Zug um fünf zu erwischen.


Im Abstieg wuchsen zahlreiche Pilze. Überhaupt schien die Trockenheit den Fruchtkörpern weniger geschadet zu haben als befürchtet. Wir sahen zahlreiche Fliegenpilze, Eierschwammerl, Goldröhrlinge, Champignon-artige Pilze u.v.m.




Mit ausreichend Spielraum erreichten wir den Bahnhof und erwischten sogar noch den Direktzug zurück.
