
Wegführung: Losenheim Sessellift Talstation (Bushaltestelle, 8.50) – Edelweißhütte (9.40) – Nördlicher Grafensteig – Haltestelle Baumgartner (13.10-14.30) – Hengsttal – Puchberg Bf. (16.10) | 870hm, 17.8km | Reine Gehzeit: ca. 6 Std. | Pannonischer Enzian, Roter Apollofalter
Nach dem Südlichen Grafensteig am Mittwoch also gleich der Nördliche Grafensteig fünf Tage später. Aufgrund der unsicheren Wetterlage (Gewittergefahr ab etwa 13 Uhr Lokalzeit) schied ein Gipfel von vorneherein aus. Beim Grafensteig gab es ein paar „Exit“-Strategien, den Unteren Schneidergraben oder Unterer Herminensteig, beide aber kein Vergnügen im Abstieg. Bis zur Haltestelle Baumgartner würde ich es aber wohl schaffen und dann je nach Wetterentwicklung entscheiden.

Schon bei der Anfahrt mit dem Bus nach Losenheim hob ich die Altersdurchschnitt merklich, sonst ist es meist umgekehrt. Viele Jugendliche bzw. junge Leute. Generation Tiktok fand den Weg bereits am Parkplatz nicht und wollte den Biketrail trotz Verbotsschildern gehen. Einer schaute zum Glück nicht nur auf seine Handyapp, sondern auf die zahlreichen gelben Schilder „neuer Wanderweg“. Ein weiterer junger Wanderer hatte dicke Kopfhörer auf. Naturerlebnis?

Ich ging den Forstweg links der Piste aus, die neue Uphill-Strecke für die Mountainbiker, die nicht den Lift nehmen wollen. Für Wanderer ausdrücklich weiterhin erlaubt. Kurz nach der Querung der Skipiste kamen mir die nächsten jungen Leute entgegen, die sich mit ihrer App geirrt hatten. Ich hoffte insgeheim, dass aufgrund der Gewittergefahr an diesem Tag alles gut gehen würde.


Zum Schluss über die steilen, engen Kehren im Wald (Schatten!) zur Edelweißhütte. Dort hätte ich bei der Quelle gerne nochmal aufgefüllt, doch die Quelle war aufgrund der extremen Trockenheit versiegt. Es stand nur noch Brackwasser in der Tränke. Nein, danke. Ich musste also mit den 1,5L haushalten, die ich dabei hatte. Gleich zu Beginn des Nördlichen Grafensteigs warnte ein Schild vor der hohen Waldbrandgefahr. Warum eigentlich? Rauchen sollte man auch sonst nicht und seine Kippen einfach wegwerfen.

Ach ja, Wolken…. natürlich gab es von der Früh weg schon verräterische Gewittervorboten in Form von mittelhoher Bewölkung (Altocumulus). Niemand konnte später sagen, er sei überrascht worden. Abgesehen vom eindeutigen Wetterbericht.
Blick auf braune Wiesen. Im Hintergrund links Hinteralm (1311m) und Muckenkogel (1248m), dann langgestreckt Reisalpe (1399m), schräg davor Jochart (1266m) und mittig Hochstaff (1305m).

Erinnerungen wurden wach an das erste Pandemiejahr 2020, als wir statt mehrtägiger Wanderungen vier Tagestouren von Wien aus unternahmen, darunter der alte Nandlsteig vom Nördlichen Grafensteig weg.

Ab hier betrat ich Neuland – den Abschnitt bis zur Abzweigung auf den Novembergrat war ich vorher noch nicht gegangen. In der ganzen Länge wurde der Nördliche Grafensteig wahrscheinlich selten überschritten. Autofahrer mussten irgendwie zum Parkplatz zurück, die Mehrheit nutzte nur kurze Abschnitte zum Zustieg auf die alpinen Klettersteige.
Kurz darauf kam mir in den Latschen ein Jagdhund entgegen, ein braun-weiß gescheckter Deutsch-Langhaar. Unangeleint, kein Besitzer in Sicht, keine Möglichkeit, einen Bogen um ihn zu schlagen. Ich blieb erstmal stehen, grüßte ihn freundlich. Er blieb auch stehen und schaute. Dann robbte er auf allen Vieren durch die Latschen hinunter und wieder hinauf. Hinten hörte ich den Besitzer rufen „FELIX! Woat a bissl, i bin ned so schnöö!“ Es war der Jäger mit Gewehr. Einen Hund, der heißt wie ich, hatte ich auch noch nicht getroffen. Gleich darauf eine ältere Frau und dann erst am Beginn des Normalwegs zum Nandlsteig nochmal drei Wanderer, den restlichen Weg niemanden mehr.
Speziell im Nandlgraben hatten Sturm und Starkregen im September 2024 heftig gewütet mit zahlreichen entwurzelten Bäumen. Der Grafensteig tangierte den Bereich nur, bis auf einzelne umgefallene und bereits ausgeschnittene Bäume gab es hier keine Hindernisse.



Vor der Breiten Ries ging es steil hinunter zur (unbewirtschafteten) Bürklehütte, die so versteckt liegt, dass man sie erst sieht, wenn man kurz davorsteht. Ein nettes Platzerl übrigens mit Sitzgarnituren. Ein versteckter Kübel mit Getränken wäre schön gewesen.

Der Weningersteig führt von der Skipiste deutlich unterhalb des Grafensteigs am Hang entlang und steigt dann steil zur Bürklehütte an. Unterhalb warten mit Schmetterlingsweg und Schwabenweg weitere Steige in einem eher abgeschiedenen Teil des Schneebergs auf mich.


Einzelne Steinmanner und spärliche Markierungen zeigten an, wo der grobe Schutt etwas verdichtet war, sodass man so etwas wie einen Steig hatte, um leichter queren zu können. Hier verlor man fast zwangsläufig ein wenig Zeit. Mit Altschnee (und Grödeln) wohl deutlich einfacher zu passieren.


Unzählige Gegensteigungen kennzeichnen den Nördlichen Grafensteig, was er mit dem Südlichen Grafensteig gemeinsam hat.



Die mittelhohe Bewölkung wurde nun schon mehr, sodass die Sonne dahinter verschwand, was mir durchaus Recht war.










Im Bild sieht man es unten rechts schon – viel freie Fläche durch Schlägerungsarbeiten. Das folgende Wegstück war durch Sturm und Starkregen am September 2024 komplett verwüstet worden. Das erklärte auch die rund einjährige Sperre des Nördlichen Grafensteigs.





Kein Vergnügen dieser Abschnitt, bei Nässe sicherlich noch weniger. In die Gegenrichtung sicherlich leichter.




Ab dem Schneidergraben kannte ich den Weg wieder, eigentlich, zumindest bin ich ihn einmal im September 2013 gegangen, weil uns damals der Südföhn zu heftig gepfiffen hat am Plateau. Auch damals dachte ich erst, das sei der Einstieg. Man kommt wohl auch hin, aber er beginnt erst weiter ein paar Minuten dahinter im Wald.





Noch vor der Einmündung in den Unteren Herminensteig sah ich deutliche Steigspuren auf einem ausgeprägten Rücken, fand ihn aber nirgends eingezeichnet.


Sollte es hier einen weiteren Steig auf die Hochfläche geben? In der „Liberty Topo“ von GPX Studio ist der Gratrücken mit „Kleiner Herminensteig“ bezeichnet, aber kein Weg eingezeichnet. Er heißt auch Friedl-Schuster-Steig. Gefunden habe ich nur einen Bericht, der über die Schwierigkeit und Wegbeschaffenheit nicht aussagekräftig ist.


Der Blick Richtung Süden war nicht mehr so ungetrübt: Rechts näherte sich eine längliche mittelhohe Wolkenwurst, an der Unterseite scharf begrenzt. Da war etwas im Busch und ich zog das Tempo nun etwas an.




Und dann war es geschafft! Ich erreichte den breiten Rücken, von dem sich der Damböcksteig hinabzieht. Für die gesamte Strecke ab Losenheim bis hierher hatte ich genau vier Stunden gebraucht, eine Stunde kürzer als angegeben.
Nun konnte ich das erste Mal auf die „Wetterseite“ schauen, denn die meisten Schauer und Gewitter entstehen zuerst über Wechsel und Rax und verlagern sich dann zum Schneeberg, bzw. bricht dann der Deckel (Inversion) durch die benachbarte Konvektion.



Innerhalb einer Woche kehrte ich zum zweiten Mal bei der Baumgartner Hütte ein, aber ich hatte jetzt einen mächtigen Hunger und Durst. Der Himmel war stark bewölkt, aber es sah nicht unmittelbar nach Regen aus. Dieses Mal beschränkte ich mich auf den Altwiener Suppentopf und einen Gemischten Salat danach. Genau richtig, um viel Flüssigkeit zu tanken. Hinter mir saß der obligatorische Raucher, denn einer musste ja immer die Luft verpesten. Eine Familie mit Freunden kam mit rotem Gesicht und ziemlich abgekämpft von der Bergstation herunter. Sie beklagten sich über den Schotter am Weg und fragten den Kellner, ob der Weg bergab genauso schlimm war. Sie hatten das falsche Schuhwerk an (Turnpatschen). Der Klassiker. Es schadet eben nie, sich vorher schlauzumachen. Im Abstieg sollten sie dann in den Regen kommen, was es sicherlich nicht leichter machte.
Um 13.58 setzte ein großtropfiger Regenschauer mäßiger Intensität ein, der aber nur ein paar Minuten andauerte. Um 14.05 kreiste ein ÖAMTC-Hubschrauber über den Fadensteig und flog um 14.18 mit einer Person am Tau ins Tal.

Einen Bericht zu einem Rettungseinsatz habe ich gefunden, allerdings zum (Oberen) Schneidergraben. Gegen halb drei brach ich dann doch auf, um ggf. bei der Hengsthütte nochmal stehenzubleiben. Nach etwa einer Viertelstunde fing es leicht, dann mäßig zu regnen an. Eine erste Schauerzelle hatte sich über dem Schneeberg-Gebiet gebildet.
Bei der Hengsthütte überlegte ich kurz, entschied mich dann aber dagegen und steuerte das Hengsttal an, weil der Weg dort längere Zeit im dichten Wald verläuft als Regenschutz, gegenüber dem Zahnradbahnweg.

Um 15.20 Uhr hörte ich den ersten Donner, da bog ich gerade unterhalb vom Hauslitzkogel ins Hengsttal ein. Gerade rechtzeitig vor dem Erreichen der ersten Häuser hörte der Regen auf. Mehrere Gewitterzellen entluden sich nun am Schneeberg, Kreuzberg und im Bereich der Schneealpe. Es donnerte nochmals um 15.35 und 15.38 Uhr. Aber da war der Ort schon in Sichtweite. Dieses Mal bog ich vom Kirchenweg in die Granatzbühelgasse ein. Leider hatte der Regen die Katzen alle verscheucht.

Wenige Schritte vor dem Bahnhof begann es erneut zu regnen. Dann begann es zu schütten und hörte nicht mehr auf, bis ich um 17.37 in Puchberg zurückfuhr. Die Wartezeit verbrachte ich im Zahnradbahnstüberl mit gebratener Hühnerbrust. Proteine auffüllen. Die Gewitter-Multizelle war nahezu ortsfest und produzierte so kräftige Aufwinde, dass Schwerewellen im Satellitenbild sichtbar waren (hier im Bereich Nasswald).

Abschließend noch ein Vergleich des Vegetationszustand, um das Ausmaß der großen Trockenheit zu verdeutlichen:


Damit hab ich nun die wichtigsten Steige am Schneeberg zur Gänze beschritten. Jetzt fehlen noch der Untere Herminensteig, der nordseitige Anstieg vom Römerweg zur Edelweisshütte, Schwabenweg und Schmetterlingsweg, Weningersteig.