
Kaiserbrunn (9.35) – Flusswanderweg – Stadelwandgraben (10.00) – Stadelwandhöhe (1407m, 11.50-12.00) – Südlicher Grafensteig (12.20) – Haltestelle Baumgartner (15.05-16.10) – Mieseltal – Puchberg Bf. (18.10) | 1260hm, 19,5km | ca. 7h 15 Minuten reine Gehzeit | 7 Gemsen, 1 Höllenotter, 1 Reh, Apollofalter, Braunrote Stendelwurz, Mücken-Händelwurz, diverse Steinbrech
Lückenschluss! Bei meiner erstmaligen Begehung des Stadelwandgrabens im August 2013 ließ ich den Hochschneeberg aus und ging stattdessen den Südlichen Grafensteig zur Kienthaler Hütte weiter. Dieses Mal sollte der östliche Teil bis Baumgartner folgen. Ursprünglich dachte ich daran, die Weichtalklamm mitzunehmen und den vollständigen Steig zu gehen, aber das wäre wohl etwas zu lang geworden. Außerdem hätte ich den Helm mitnehmen müssen und der Rucksack war auch so schon schwer genug. Mein Résumée: Schöne lange Hangquerung, die beiden exponierten Querungen der Königsschusswand und in den Großen Saugraben sind ausreichend versichert. Unangenehmer sind die erodierten Hänge im Saugraben mit Schuttlawinen. Bei Nässe, Schnee und Eis möchte ich das nicht gehen.
Jetzt fehlen mir noch der Nördliche Grafensteig und der Untere Herminensteig, dann hab ich die wichtigsten Steige ohne größeren Schwierigkeitsgrad am Schneeberg absolviert.
Der Südliche Grafensteig stand schon länger am Programm. Aufgrund der ausgeprägten Südhang-Exponiertheit eignen sich dafür keine heißen Tage. Nässe ist wegen der ausgesetzten Querungen im Schrofengelände genauso fehl am Platz. Und zu starker Wind könnte dort ebenso unangenehm werden, da man meist oberhalb der Baumgrenze wandert. Gewittergefahr sollte natürlich ebenfalls keine herrschen, Unterstellmöglichkeiten gibt es weit und breit keine.
Bei der Hinfahrt zeigten sich mäßig hohe Quellwolken über den Wiener Hausbergen, Richtung Rax war noch eine nach oben hin gedeckelte Schauerwolke erkennbar, laut Mitternachtsaufstieg von Wien war bei 4km Höhe und -10°C Wolkenobergrenzentemperatur Schluss. Das reichte für leichte Regenschauer, aber nicht mehr. Mit der Gewissheit, dass an diesem Tag keine Gewitter drohen würden, führte ich mein Vorhaben durch wie geplant.


Zuerst ging ich von Kaiserbrunn die im Vorjahr angelegte Verlängerung des Wasserleitungssteigs, die hier Flusswanderweg heißt, weiter. Der Weg verläuft meist neben der Straße oder etwas unterhalb direkt an der Schwarza. Ein größeres Hochwasser würde er vermutlich nicht überstehen, aber in den derzeitigen Trockenzeiten kann wenig passieren.

Dann entdeckte ich etwas Spannendes im Höllental, nämlich gegenüber (Schneeberg-Seite):


Möglicherweise handelt es sich um einen Zugangsstollen für den Bau der Ersten Wiener Hochquellwasserleitung (1869-1873), die ein paar hundert Meter weiter nördlich unter dem Berg verläuft.
Irgendwie hatte ich gedacht, dass mit dem neu errichteten Flusswanderweg nun eine Möglichkeit bestehen würde, direkt beim Stadelwandparkplatz aufzusteigen. Nein, man muss etwa hundert Meter davor oder danach die Straße queren. Ich nahm die Unterführung unter der Bachbrücke etwas stromaufwärts, wo derzeit kein Bach fließt, und war mit wenigen Schritten am linken Straßenrand zurück beim Parkplatz.
Nach August und Oktober 2013, November 2015 und Juli 2024 also mein fünfter Besuch des Stadelwandgrabens. Viel hatte sich in den letzten zwei Jahren nicht verändert. Keine neuen Felsstürze, die Wegführung durchwegs gut erkennbar, die etwas exponierte Querung im Wald weiter oben im Graben weiterhin griffig.
Kurz vor dem Ausstieg auf die Märchenwiese sprangen zwei Gämsen wenige Meter unterhalb von mir vorbei.

Am Vorgipfel blies ein lebhafter, kalter Nordwestwind und ich verschob meine Rast auf später. Die dunklen Wolken wollten nur spielen und lockerten im Tagesverlauf wieder ein wenig auf.



Als ich zurückging, stand in aller Seelenruhe ein junge Gams und schaute mich nur an.


Beim letzten Mal lag auf den letzten hundert Höhenmetern zum Südlichen Grafensteig viel Windwurf und ich kam in nicht ganz idealer Linie oben heraus. Dieses Mal ging ich an einer Stelle rechts, wo ich beim letzten Mal vermutlich links ging und behielt den gut erkennbaren Steig bis genau zum Wegweiser.


Ironischerweise ging ich zuerst ein Stück bergauf Richtung Stadelwandleiten, bemerkte aber bald meinen Irrtum. Der Weg ging auf gleicher Höhe weiter, war aber erst nicht gut erkennbar. Überhaupt könnten an der ein oder anderen Stelle ein paar Nachmarkierungen nicht schaden. Bei Nebel sollte man hier oben jedenfalls auch nicht unterwegs sein. Die eigentlichen Gefahren lauerten ohnehin nicht nur in der Steilheit und Exponiertheit mancher Wegpassagen, sondern sonnenseitig im Schrofengelände auch direkt am Weg:

Der Schlange wollte ich lieber nicht zu nahetreten und umging sie oberhalb im Respektabstand. Danach achtete ich ständig auf den Weg, was das Dahinflanieren ein Äutzerl weniger unbekümmert gestaltete als vorher. Von Westen kommend erreichte ich bald die erste Schlüsselstelle: Der Abstieg durch die Königsschusswand in die Bockgrube.
Kurz vor dem seilgesicherten Abstieg querte ich zu einem exponiertem Felsvorsprung, der den Bemmerln nach auch von den Gämsen als Aussichtsplatz stark frequentiert wurde.

Das war also die steile Querung in den unteren Ausläufer der Bockgrube.



Am Südlichen Grafensteig gab es die letzten Jahre immer wieder Todesfälle, etwa im Jänner 2016 (Königsschusswand) Juni 2018 (Saugraben), Juli 2018 (Heuplagge) und im September 2021 (Saugraben).



Der Steig ist zwar schmal, aber heikle Stellen kamen nach Ende der Seilsicherung nicht mehr. Trocken sollte es wie gesagt schon sein.


Auf dem westlichen Teil des Südlichen Grafensteigs sah ich 2013 auch einen, aber mit eindeutiger zeichnung (rotgelbe Punkte, nicht rosa), und dann nochmal im Juli 2015 auf der Sauwand bei Mariazell. Ein wunderschöner Schmetterling.



Etwas Fernsicht gab es auch: Donnerwand links (1799m), rechts Hohes Waxenegg (1647m). Dazwischen hinterm Taborsattel schaut knapp der Kleine Proles (1579m) hervor, genau dahinter die plateauartige Tonion (1699m) und am Horizont als Klotz Hochstadl (1919m) in den Ybbstaler Alpen. Rechts vom Waxenegg Fadenkamp (1804m) und links vom Glatzeten Kogel (1594m) das Hochkar (1808m).







Die eigentliche Heuplagge, eine etwas weniger steile Gras durchsetzte Flanke, kam kurz darauf. Der Nadelwald im Vordergrund markiert bereits die westliche Begrenzung des Großen Saugrabens.

Über diesen Teil der Querung hatte ich vorher wenig gefunden. Wahrscheinlich dachte man sich meist, Augen zu und durch, denn er war wirklich nicht schön zu gehen.


Hier hatte ich eine unangenehm steile Wegstelle mit lockerem Schutt schon hinter mir gebracht, die weiter oberhalb verborgen war.



Die anderen Schuttlawinenquerungen waren zum Glück schon eben ausgetreten, aber bei Altschnee oder Eis konnte man hier auch leicht abrutschen. Der Südliche Grafensteig ist technisch einfach, aber die Warnungen waren nur allzu berechtigt, wie auch die Todesfälle leider zeigen.







Nach knapp fünfeinhalb Stunden erreichte ich wie geplant kurz nach drei die Haltestelle Baumgartner, wo ich ebenso wie geplant eine Stunde Pause machte. Viel war nicht los. Eine Wandergruppe mit Pensionisten. Einer aktivierte versehentlich die Notruftaste, danach gab es ein Tatütata-Alarm. Seine Frau drängte ihn, sie schnell wieder auszustellen, bevor noch jemand kam. Sein Kommentar: „So ein Schwachsinnsglumpat.“

Das Essen war gut wie immer, nur nächstes Mal muss ich wirklich lernen, mich zu beherrschen. Der Speck war verlockend, aber zu viel. Beim anschließenden Abstieg wollte der Speck die ganze Zeit bergauf. Es dauerte über eine Stunde, bis wir uns auf eine Richtung einigen konnten (alias … ich fühlte mich zum Platzen gefüllt).





Der Nördliche Grafensteig steht dann als nächstes auf meiner Liste, der Abschnitt vom Nandlsteig bis Unteren Schneidergraben fehlt mir noch.

Die Stunde vom Ausgang des Mieseltals bis zum Bahnhof kam mir gerade Recht, um den Speck so weit zu verdauen, dass ich wieder normal atmen konnte. Seit einigen Touren ging ich nicht mehr den direkten Weg entlang der Zahnradbahn zum Bahnhof, sondern meist über den Kirchenweg bis zur Kirche, mit der ein oder anderen Katzensichtung am Weg. Dieses Mal wählte ich die Alleestraße. Katzen sah ich leider keine mehr, offenbar wurden die alle gefressen und durch kleine Wachhunde ersetzt. Nächstes Mal vielleicht die Granatzbühelgasse – auf dem nahegelegenen Granatzbühel (von altslawisch granica = Grenze), wo der Wiener Klavierfabrikant Friedrich Ehrbar 1880 eine Aussichtsplattform mit Pavillon errichten ließ (Friedrichshöhe), die heute leider nicht mehr vorhanden ist (Quelle und weiterführende Literatur in der Ortschronik). .
Retour ging es mit einem uralten 5047er Triebwagen, wie ich ihn nur vom Triestingtal oder der Kamptalbahn kenne. Wir waren dennoch pünktlich in Wiener Neustadt. Dieses Mal keine Verspätungen, das sei positiv erwähnt.