Von der Routenführung die einfachste Tour und die Höhenmeter ersparte ich mir durch die Auffahrt bis zum Lucknerhaus. Nach vier Touren in Folge spürte ich schon langsam ein wenig die Knie und Füße und wollte es daher ruhiger angehen lassen. Mit dem Weißen Knoten wurde es zumindest mein höchster Gipfel seit dem 29. August 2018 (Kolbenspitze in den Ötztaler Alpen).
Der Vortag brachte zwar eine längere Gehstrecke, aber wenig Höhenmeter und ich hatte den ganzen Nachmittag zum Ausruhen. Entsprechend war wieder Motivation gegeben, eine größere Tagestour zu gehen. Ich wollte aber einmal nicht Bus fahren, sondern länger frühstücken und ungebunden sein von öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Seilbahn aufs Cimaross fuhr leider erst ab 9 Uhr – viel zu spät bei dieser Hitze und Gewitterneigung. Unklar blieb, ob ich bei der Bergstation ein Ticket lösen konnte. Diese Information war im Netz nicht auffindbar. Ich wollte aber spontan bleiben und mich nicht beim Weggehen festlegen müssen. Letztendlich hab ich die ganze Runde dann ohne Seilbahn gemacht.
Erstmals ein Wanderurlaub, der dezidiert als „Stadtflucht“ konzipiert wurde. Am Tag, wo in Wien erneut 40°C erreicht wurden, fuhr ich mit Bahn und Bus vollkommen problemlos nach Kals am Großglockner, was für die lange Anreise von rund sechseinhalb Stunden Fahrtzeit nicht unfaszinierend ist. Ich quartierte mich im „Haus Charlotte“ unweit vom Gemeindeamt ein. Die sehr freundliche Unterkunftgeberin richtete sich mit dem reichhaltigen Frühstück nach meinen Aufstehzeiten. Für etwas mehr Komfort nutzte ich ein Doppelzimmer für eine Person, dafür mit Balkon und Blick nach Westen. Im Gegensatz zu Innervillgraten (Slogan: „Kommen Sie zu uns! Wir haben nichts!“) war Kals schon recht überlaufen vom Massentourismus, vor allem Deutsche und Holländer. Für mich galt, die weniger frequentierten Wege zu finden, was mir großteils auch gelang.
Das Figerhorn, mein erster (und einziger richtiger) Gipfel der Region, leitet sich von romanisch vicus = Dorf ab. Fig hieß früher der heutige Ort Großdorf. Der Hofname Figer wurde urkundlich bereits 1307 als Zefig (sub vico, unter dem Dorf) erwähnt.