
Wegführung: Lamwegtal Parkplatz (9.45) – Traflberg-Ostgipfel (1136m, 11.25) – Aussichtsfelsen – Traflberg-Westgipfel (1146m, 12.20) – Blauboden (14.10) – Unterberg-Schutzhaus (14.40-15.35) – Gipfel (15.55-16.15) – Schutzhaus (16.40) – Skipiste Lamwegtal – Parkplatz (17.55) | 970hm, 16.8km | 1 Blindschleiche, 1 Kreuzotter; 2 Hüttenkatzen
Vorschlag von Wolfgang: Traflberg und Unterberg kombinieren, dadurch kam die respektablen Höhenmeter zusammen. Das Wetter war nahezu perfekt, allenfalls die Fernsicht durch die inzwischen mächtige Dunstschicht schon deutlich getrübt, aber für knapp 100km gen Westen hat es noch gereicht. Das Unterberg-Schutzhaus hatte entgegen der offiziellen Informationen nicht geöffnet. Es gab Selbstbedienung mit Suppenkessel und Topfenkuchen. Doch die beiden verschmusten Katzen versöhnten mich.
Für die Anfahrt braucht man derzeit ein wenig Geduld. Neben dem üblichen zähfließenden Verkehr auf der Südosttangente verloren wir noch einige Minuten auf der Straße zwischen Muggendorf und Karnerwirt, wo die Straße gerade neu asphaltiert wurde und der Verkehr nur einspurig durchgelassen wurde. Das dürfte aber bald fertig sein.
Am Parkplatz war es ziemlich frisch bei der Ankunft kurz nach halb zehn. Viel Sonne sieht der enge, ausgeprägt ostseitige Graben nicht mehr um diese Jahreszeit. Lange musste ich die Jacke aber nicht anziehen. Beim weglosen Abschneider der ersten Forstwegkehre gelangten wir schon nach wenigen Höhenmetern über die Bodeninversion mit spürbar zweistelligen Werten. Danach folgte die längere, gemächlich ansteigende Forststraße bis auf die Ostseite des Traflbergs.



An der Südostflanke dreht sich der Forstweg deutlich nach rechts. Die Einladung nahmen wir gerne an. Über Wegspuren dann weiter und am westlichen Rand des Schlags problemlos zum nächsten Forstweg.

Prächtiger Blick zum Geizenberg (921m) im Vordergrund, dahinter Großer Kitzberg (773m), Größenberg (895m) und Vordere Wand (915m), rechts Hohe Wand. Links Hohe Mandling und am Horizont blass das Leithagebirge.


Die Fortsetzung des Schlags wirkte gutmütig und außer hohem Gras stellte der Boden kein Hindernis dar.

Beim Beginn des Waldes hielten wir uns rechts entlang der Felskante, wo sich hier und da erste Durchgucker nach Nordosten ergaben.

Vom Gipfel, der bis 1930 als Hauptgipfel in den Karten eingetragen war, weglos nach Nordwesten zu einer ausgedehnten Lichtung mit gepflegter, gemähter Futterwiese. Auch frisch gepflanzte Bäume am Rand der Wiese. Laut älteren Karten besteht diese erst seit rund 15 Jahren, hat aber bereits um 1880 einmal existiert.

Beim ersten Besuch des Traflbergs vor über zehn Jahren fanden wir nur den Ostgipfel und verloren uns weglos im dichten Jungwald. Dieses Mal gingen wir einen breiten Weg rechts hinein. Bald standen wir beim ersten Aussichtsfelsen, den Wolfgang bei seiner letzten Erkundungstour entdeckt hatte.

Nicht weit entfernt auch der zweite Aussichtsfelsen mit langsam zuwachsendem Blick zu den Ybbstaler Alpen:



Ausgerechnet an diesem Wochentag trafen beim zweiten Aussichtsplatzerl ein Pärchen, die ebenso überrascht schauten, dass sie hier nicht alleine waren. Beim Westgipfel gingen wir auf Nummer sicher – erst auf eine schon ziemlich zugewachsene Felsrippe, aber ohne erkennbare Gipfelzeichen. Ein paar Meter nach Nordwesten dann ein deutlicheres Steinmandl.

Ich hab es mit dem NÖ GIS-Atlas nachgemessen. Der höchste Punkt war hier, nicht bei der ausgeprägten Felsrippe. In jedem Fall hatte ich keine Erinnerung mehr daran, was auch daran gelegen haben mag, dass der Wald damals wesentlich niedriger stand und die Gratrippe entsprechend freier war.



Dann kamen wir bei den Schächten, Zugängen und Messinstrumenten des geophysikalischen Conrad Observatoriums der GeoSphere vorbei – hier ein ausführlicher Artikel im STANDARD.

Dieses Instrument wird vor allem in schneereichen Regionen eingesetzt, um die seitlich angebrachten Wettersensoren automatisch an die aktuelle Schneehöhe anzupassen, damit der Abstand zur Schneeoberfläche immer konstant bleibt. Dahinter befindet sich außerdem ein beheizter Niederschlagsmesser.

Dort folgten wir den zahlreichen Forstwegkehren, bis wir beim Blauboden wieder auf den markierten Weg trafen, der von der Steinapiesting über die Weiße Wand hinaufzieht. Den tiefsten Punkt erreichten wir mit rund 880m bei einer großen Lichtung.


Auf Höhe des Blauboden-Grabens war die Erde noch so ausgeprägt feucht, dass sich eine größere Pfütze halten konnte. Wir schreiben das Jahr 2026, das einem das auffällt. Vor wenigen Jahren waren Pfützen im Wald noch normal. Im weiteren Aufstieg zum Schutzhaus zählte ich insgesamt dreizehn Parasol neben dem Steig, die meisten aber schon etwas älter.

Ich hatte mittlerweile einen Bärenhunger und auch bis auf ein paar Kohlenhydratgels nichts mehr im Rucksack. Hatte mich auf eine warme Mahlzeit gefreut. Die Hütte wirkte verwaist. Ein älteres Paar ging gerade, zwei Männer saßen auf der Terrasse. Drinnen bei der Schank ein großer Suppenkessel zur Selbstbedienung – Griesnockerl und der letzte Kaspressknödel. Dazu noch drei Stück Topfenkuchen, von denen ich zwei gegessen habe und die Hälfte von Wolfgangs zum Glück dick belegter Wurstkäsesemmel. Für meinen derzeit empfindlichen Magen alles andere als hilfreich, aber es galt jetzt mal den Hunger zu stillen. Der Kuchen war übrigens sehr gut. Proteine sind ja nichts Schlechtes am Berg 😉
Mein Ärger über die verpasste anständige Mahlzeit verflog bald, als ich die Katze vor der Tür sah, die sich zunächst unter der Speisekarte verkroch. Bald saß sie erst auf Wolfgangs Beinen und dann mit etwas Nachdruck wechselte sie zu mir herüber, wo sie sich schnurrend streicheln ließ.

Beim Verlassen der Katze entdecken wir erst die gut getarnte junge Katze, zu der die größere Katze hinüberwechselte, um sich ausgiebig das Fell abschlecken zu lassen. Die große Katze schlief dabei ein und die kleine Katze am Ende auch. Ein liebenswürdiger Anblick.





Danach stiegen wir noch zum Gipfel hinauf. Ohne den lebhaften Südostwind wäre das eine schweißtreibende Angelegenheit geworden.



Für scharfe Bilder in der Ferne stand die Sonne schon zu tief, außerdem war es wie gesagt dunstiger als an den Vortagen. Der Hochschwab wurde von Süden mit flachen Quellwolken angestaut. Auch Richtung Lugauer sah man hochbasige, flache Quellwolken am Oberrand der Dunstschicht.





Noch im unteren Drittel vom Hang seh ich eine der Katzen in der Wiese unten. Als sie mich wahrnimmt, sprang sie wie im Cartoon im Schweinsgalopp davon. Es war die junge Katze. Die ältere kam sofort zu mir, legte sich auf den Rücken und ließ sich entspannt am Bauch kraulen. Vertrauensbeweis! Schließlich kam die kleine Katze angeschlichen und die große Katze wandte sich von mir ab.


Im Abstieg gingen wir zunächst am markierten Weg und wechselten dann bei der Talstation des Karnerbodenlifts auf die schmale Piste, die an einigen hoch aufragenden Felsen extrem schattig wieder zum Forstweg führte, den wir in der früh bald verlassen haben. Wie vor kurzem angekündigt, ist das Skigebiet nach über sechzig Jahren Betrieb aufgrund der Klimaerwärmung nun dauerhaft geschlossen. Zu wenig Schnee, zu wenig Niederschlag insgesamt. Für den Abstieg wäre es eine schöne Schneeschuhroute – so ausgeprägt schattseitig, dass sogar das Gras am Nachmittag noch feucht war.






Der direkte Abstieg entlang der Piste war durchaus reizvoll, speziell für mich, der kein Ski fährt und diesen Graben vorher noch nicht kannte. Im Frühjahr dürfte es vor allem im oberen Bereich durchaus reizvoll sein mit Orchideen.



In Summe ein sehr abwechslungsreicher Ausflug mit kreativer Routenführung.