Kühegg (2253m) und Glinzzipf (2126m), Villgratner Berge (10.09.26)

Tessenberger See

Schottlandfeeling in den Villgratner Bergen – mit teilweise dichten Nebelschwaden, lebhaftem Südwestwind und kurzem Regenschauer. Dazu Heidekrautboden und zahlreiche kleinere Seen. Es war auf seine Weise reizvoll, denn sonst hatte man von diesem Hochplateau einen erstklassigen Dolomitenblick.

Haarnadelkurve (10.40) – Tessenberger See (12.00) – Kühegg (12.55) – Fronstadlalm (13.50-14.15) – Haarnadelkurve (15.30) | 520hm, 10km

Die Tour am ersten Tag stand unter keinem guten Stern. Die Wetterprognose deutete auf eine – je nach Modelllauf unterschiedlich lange – Niederschlagspause zwischen 09 und 15 Uhr hin. Auflockerungen sollte es aber kaum geben. Manfred schlug uns den Sichelsee im Kristeinertal vor, wo man weit hinauffahren konnte. Gesagt getan. Schon dort, wo der Schotter am Fahrweg begann, fielen uns zahlreiche Vermurungen auf, sowie das tiefbraune Wasser im Bett des Kristeinbachs. Etwa auf Höhe des Roßlahnerbachs war dann Schluss. Ein Bauarbeiter stand auf einem riesigen Felsblock direkt neben der Straße und zertrümmerte diesen mit einem Presslufthammer. Die Straße war tief eingegraben, laut Bauarbeiter kein Durchkommen „Das reißt den Bauch (vom Auto) auf.“

Also wieder zurück und Plan B. Von Tessenberg auf den Glinzzipf und eventuell eine Runde übers Kühegg drehen. Nach der steilen Auffahrt zur Kirche suchten wir vergebens einen Parkplatz, der sehr knapp bemessen war, darunter ein Privatparkplatz für den Pfarrer. Also am Sportplatz vorbei und dann schauten wir einfach, wie weit man kam. Der Schranken war offen und wir konnten weit hinauffahren. Bei einer Kehre mit Holzstadl flüchtete ein Fuchs wenige Meter vor uns. Ein zweiter Fuchs lief nach kurzer Schockstarre ebenso davon. So nah war ich zuvor noch nie einem Fuchs gekommen. So niedliche Tiere! Am Rückweg übrigens zwei niedliche Rehe neben dem Weg und ein Eichkatzl querte auch vor uns die Straße. Der Weg war hier eindeutig das Ziel!

Im Bereich einer Haarnadelkurve auf ca. 1740m konnten wir stehen bleiben, ohne andere Autos zu blockieren.

Bild von Günter: Weggehen bei Nebel
Gießkannen
Ausbaufähige Ausblicke am Weg zur Tessenberger Alm
Die Kuh zog ein Sauerkrautgesicht

Auf der Alm trafen wir den einzigen Menschen des Tages, wahrscheinlich den Senner, der zu jeder Kuh hinging und etwas in sein Notizbuch schrieb.

Tessenberger Almhütte

Nach einem moderaten Anstieg durch den lockeren Wald erreichten wir das fein zergliederte Hochplateau des Glinzzipfs (2126m). Durch den starken Regen der vergangenen Tage waren nicht nur alle Seen gefüllt, sondern es hatten sich in den Grassenken und teilweise am Weg auch neue Lacken gebildet. Alles triefte nur so vor Feuchtigkeit – welch ein Kontrast zum trockenen Ostösterreich!

kleine Seen und Nebelschwaden

Nun rächte sich die Tourenplanung für mich, denn am Sichelsee wären wir wahrscheinlich windgeschützt gewesen. Stattdessen bot die Hochfläche die volle Angriffsfläche für den lebhaften Südwestwind. Die Lufttemperatur betrug rund +5°C. Ich hatte keine Handschuhe mit und die wärmere Soft Shell Jacke lag in der Unterkunft.

Sichelsee in klein
Panorama Tessenberger See, der sich ausschließlich aus Niederschlägen und Schmelzwasser speist.
felsdurchsetzter Aufstieg zum Kühegg
Gipfelkamm
Blick nach Innervillgraten
Gipfelsteinmann mit KT-Stein am Kühegg (2253m)

Bereits im Abstieg verdichtete sich der Nebel wieder, nachdem es zuvor sogar kurze blaue Lücken am Himmel gegeben hatte, und es fing an zu nieseln.

Alpiner Abstieg
im Nebel
Foto von Günter

Plötzlich wurden die Regentropfen größer und es wurde Zeit für Regengewand und Regenschirm. Der Niederschlag setzte rund anderthalb Stunden früher ein als vom letzten ICON D2-Lauf vorhergesagt.

leichter Regenschauer
Symbolbild für die Wanderung

Kaum hatten wir uns wetterfest angezogen, hörte der Regenschauer nach einigen Minuten schon wieder auf. Insofern war die Modellprognose wieder richtig: Das dickere Regengebiet lag über dem Vinschgau, ein zweites Regengebiet über den Julischen Alpen und entlang des Karnischen Hauptkamms. Osttirol befand sich in der Niederschlagslücke. Insofern Punktlandung mit Schönheitsfehlern.

Bei der verlassenen Fronstadlalm (2034m) fanden wir ein trockenes und windgeschütztes Platzerl unter dem Dach, sodass sich eine kurze Rast ausging.

Fronstadlalm

Für den Abstieg mussten wir nun zur Tessenberger Alm hinüberqueren – ein ziemlich gatschiger Weg, abwechslungsreich, aber hohe Schuhe waren von Vorteil.

Auf den feuchten Wiesen wuchsen allerlei Speisepilze – zahlreiche stattliche Steinpilze und Parasol:

Track

Insgesamt waren wir rund 4 Stunden unterwegs (reine Gehzeit). Auch ohne grandiose Fernsicht waren wir zufrieden. Immerhin die meiste Zeit der Wanderung trocken geblieben, trotz überaus bescheidener Prognose. Laut Radio Tirol hätte es in Osttirol den ganzen Tag regnen sollen, aber Osttirol ist groß und Lokalmodelle spielen anscheinend bei den Radiowetterprognosen keine Rolle, oder man wollte oder konnte aus redaktionellen Gründen (Zeitmangel) nicht regionalisieren. Der nächste Regenschub kam dann am Abend ins Villgratental, als wir längst beim Abendessen saßen.

Hinterlasse einen Kommentar