
Wegführung: Thurntaler Rast – Astattsattel – Hochrast – Thurntaler See – Thurntaler Spitze – Drei Seen – Thurntaler Rast
Höhenmeter: 620 | Strecke: 12,2km | Gehzeit: ca. 4 Stunden | Viecher: Steinschmätzer, Murmeltier
Pünktlich mit dem Ende der extremen Hitzewelle in Österreich floh ich nach Osttirol, um meinen Wanderurlaub anzutreten. Rechtzeitig fuhr ich mit dem Direktzug nach Lienz, erstmals auf der neuen Koralmstrecke, weiter mit der S-Bahn Richtung Fortezza nach Sillian und zum Schluss mit dem Linienbus 966 nach Innervillgraten. Mit knapp über 29 Grad Wohnungstemperatur verließ ich das unerträgliche Wien, mit wenig Schlaf entsprechend.
Die Zugfahrt verlief unspektakulär, ab Kärnten wurden die Quellwolken langsam mächtiger und als ich in Sillian auf den Bus wartete, gab es schon die ersten großen Regentropfen. Es war so wie ich es schon am Vortag dachte: Ich würde zeitgleich mit dem Gewitter bei der Unterkunft eintreffen. Der Bus hält genau vor der Unterkunft – ich springe heraus und eilig zum Haus, als es zu regnen und winden anfängt. Das Gewitter kam dann später, mit einigen heftigen positiv geladenen Erdblitzen.

Osttirol lag am Rande ausgedehnter Gewittercluster über Südtirol, die sich am Abend nur langsam abschwächten. Entsprechend fuhr ich noch im Niederschlag um 17 Uhr mit dem Bus ins Dorf und ging im Regen nach dem Abendessen gegen 19.20 Uhr MESZ zurück zur Unterkunft – für die 2,2km brauchte ich eine knappe halbe Stunde. Es war herrlich nach zwei Wochen Hitze mit dem Regenschirm entlang eines rauschenden Gebirgsbachs zu gehen, mit viel blühender Botanik am Wegesrand des sogenannten „Wasserwegs“. Zu diesem folgt noch ein eigener kleiner Blogeintrag.
Die freundliche Unterkunftgeberin wies mich gleich daraufhin, dass ich für das „Herzasstaxi“ nicht bis zum Dorf gehen musste, sondern vor der Unterkunft abgeholt wurde, weil sich die Taxigarage in unmittelbarer Nähe befand. Das Unternehmen bedient auch den Linienbus.
Nach einem ausgedehnten Frühstücksbuffet wurde ich überpünktlich um 9.30 vom etwas mürrischen Taxifahrer abgeholt, der unterwegs kaum drei Worte sprach. Wohl kein Morgenmensch. Kann ich verstehen. Ich war der einzige Fahrgast an allen Tagen und auch im Linienbus oft alleine. Am Ende der Woche fragte ich mich, ob ich der erste öffentlich anreisende Tourist überhaupt in diesem Teil von Österreich war.
Die erste Tour sollte aus Akklimatisierungsgründen bei der Thurntaler Rast (1978m) starten, einem von drei Taxi-Zielorten. Ursprünglich wollte ich zuerst zur Parggenspitze (2323m) gehen, über Hochrast oder Astattsattel zur Thurntaler Spitze und über die Drei Seen zurück. Das Taxi sollte bereits um 16 Uhr zurückgehen, was ich überhaupt nicht einschätzen konnte von den Gehzeiten her, ob sich das gut ausgehen würde oder nicht. Mit Zeitdruck unterwegs sein war wirklich doof.
Bereits beim Hinauffahren fiel mir das Meer an Orchideen entlang vom Straßenrand auf, aber da konnte ich den Fahrer schlecht bitten, anzuhalten. Es war außerdem überwiegend „nur“ die häufigste Orchideenart von Österreich: Dactylorhiza fuchsii (Fuchs-Knabenkraut).
Mein erstes Foto galt nicht der Umgebung, sondern der wohl zweithäufigsten Orchideenart:






Am Gasthof Gadein vorbei folgte ich dem langsam ansteigenden Fahrweg Richtung Äußere Alm, mit den ersten Blicken Richtung Südtiroler Dolomiten. Es war temperaturmäßig sehr angenehm und ich konnte bald auf kurze Hose umsteigen. Dafür holte ich mir trotz Einschmieren einen Sonnenbrand. Die Julisonne war heroben kräftig.


Im Süden sah man den Cima Bagni (2983m) links vom Füllhorn und Cima Dodici (3094m) rechts vom Helm, dazwischen Cima Undici (3092m) in den Sextener Dolomiten.

Den Helm hatte ich mir als Ausweichtour überlegt, falls von Norden her zu viele Wolken übergreifen würden. Ab Sillian satte 1300 Höhenmeter über den sogenannten Heimatsteig, historisch durchaus interessant.



An dieser Stelle muss ich die (unmarkierte) Abzweigung übersehen haben, denn eigentlich wollte ich dort dem Höhenweg folgen, der beim Kleinen See unterhalb der Parggenspitze endet. Ich ging aber gerade aus und wartete auf einen Wegweiser, der nie kam. Allgemein gibt es in der ganzen Region an manchen wichtigen Kreuzungen keine Wegweiser – Karten lesen sollte man also können bzw. auch dabei haben, ob physisch oder digital. Ich wollte bewusst nur mit Karte navigieren und prompt vergangen.

Die Karte ist hier übrigens außerdem ungenau. In der OTM zweigt der Steig unterhalb der Alm bei den alten Mauern ab, in der Austrian Map oberhalb der Hütten.




Zum Astattsattel (2287m) kurz steil und schottrig hinab und dann über moderat ansteigenden Wiesenhang hinauf zur Hochrast (2436m), ein eher unscheinbarer Gipfel mit großem Steinmann. Unweit hörte ich Kuhglocken, sah sie aber nicht.











Von der Hochrast ging ich ein kurzes Stück am Kamm entlang, aber statt der anfangs unangenehm steilen Querung im felsdurchsetzten Grashang stieg ich gleich weglos zum schon sichtbaren Speicherteich ab (in den Karten nicht aingezeichnet), und von dort in fünf Minuten zum …



Blick ins Villgratental, das sich hier nach Nordwesten ins Arntal aufspaltet:





Zunächst stieg ich entlang des Fahrwegs ab und suchte dann den unmarkierten Steig, der direkt zu den Drei Seen führten sollte. Mehr oder weniger ging ich da weglos, sah vom Gelände auch nicht wirklich einladend aus, direkter abzusteigen (erodierte Hänge).




Im Abstieg hatte ich nun plötzlich reichlich Zeit, da die Seen nicht sonderlich attraktiv zum Länger verweilen waren. Deswegen stieg ich über die Hofeletalm ab.








Nun war ich eindeutig zu früh unten und hatte viel Zeit für eine Einkehr, die mir ohnehin empfohlen wurde. Ich nahm das gegrillte Saiblingfilet mit Gemüse-Gerstenrisotto – ein Gedicht. Nebenan saß ein Schweizer Pärchen, das – wie sich später herausstellte – in der gleichen Unterkunft übernachtete. „Die Üssicht is spektakular gsi.“ Mann und Frau waren meist getrennt unterwegs. Die Frau mit Trailrunningschuhen und -rucksack legte oft das Tempo vor, der Mann ging weiter hinten. Ohne es zu wissen, hatte ich sie bei meinem (s/w) – Porträt weiter oben abgelichtet.



Mit der Orchidee beim Parkplatz wurde ich quasi wieder abgeholt, dieses Mal von der extrovertierten Chefin, die mir zudem erzählte, dass Wanderer beim Großen Degenhorn vor lauter Sturm kaum sitzen konnten, während ich relativ wenig Wind zu vermelden hatte. Er wurde erst am Nachmittag allmählich kräftiger, als ich schon auf der windgeschützten Terrasse saß.
Für den ersten Tag war die Ausbeute an neuen Eindrücken und Blumenpracht bereits gewaltig. Ich freute mich auf die Folgetage.