
Wegführung: Kaiserbrunn Hst. (9.40) – Miesleitensteig – Knofeleben (11.50) – Krummbachstein (12.50) – Schiblsteig – Krummbachsattel (13.30) – Wassersteig – Knofelebenhütte (14.45-16.30) – Eng – Payerbach-Reichenau Bf. (18.10)
Strecke: 17,5km | Höhenmeter: 1200 | Vegetation: 7 verschiedene Orchideenarten | Viecher: Zaunkönig, Fitis (akustisch), Forsthausjagdhund und Katz | Gehzeit: ca. 6 Std.
Tag noch genutzt vor der großen Hitze, aber unerträglich war es trotzdem. Wäre ich in Wien geblieben, wäre es mit 8°C Taupunkt gut aushaltbar gewesen, aber ich wollte ja auf den Berg und obwohl es am rund 10 Grad kühler war als in Wien, lag der Taupunkt gut 10 Grad höher. So eine Schwüle hab ich nicht oft erlebt. Entsprechend war diese Tour eine grenzwertige Partie. Mit genug Flüssigkeit ging es zum Glück und botanisch war der Weg so interessant, dass ich ohnehin ständig zum Schauen und Fotografieren stehenblieb.
Anfahrt mit Zug und Bus nach Kaiserbrunn. Mit dabei eine Schulklasse, die aber nach der Besichtigung der Hochquelle den Wasserleitungsweg nach Hirschwang zurückgehen sollte. Kluge Idee, wahrscheinlich angenehmer als 30 Grad warme Klassenräume. Ich hab es zugegeben nach dem ersten Drittel auch überlegt, umzudrehen, aber die laufenden Orchideensichtungen hielten mich bei der Stange.
Auftakt gleich im unteren Drittel mit einer großen Ansammlung von sicherlich fünfzehn bis zwanzig Großen Zweiblättern (Neottia ovata) auf vielleicht fünf Quadratmeter Fläche.

Weiße Waldhyazinthe war auch von Beginn an und am gesamten Weg blühend zugegen.

Kurz vor Beginn der Versicherungen beim Aufstieg am Schotterfeld sah ich frische Steinschlagspuren mit rötlichen Felsbrocken, die unmittelbar neben dem Weg lagen:


Sehr vertrauenserweckend sieht der verbliebene Felsblock mit dem Spalt bei der glatten Abbruchfläche auch nicht aus. Ich würde empfehlen, diesen Abschnitt zügig zu queren. Ab der Einmündung in den Forstweg bis zum Beginn des letzten Abschnitts zur Hochfläche gab es eine regelrechte Fuchs-Knabenkraut-Orgie (Dactylorhiza fuchsii). Ich war mir zwar angesichts der unterschiedlichen Blütenzeichnungen nicht immer sicher, aber die gefleckten Blätter verrieten sich in allen Fällen.





Nach einem kurzen technischen Stop bei der noch schwach besuchten Knofelebenhütte gehe ich gleich weiter, denn ich will vor der Haupthitze wieder zurück bei der Hütte sein.


Dort, wo vor einen Monat vorher wahrscheinlich Mannsknabenkraut (Orchis mascula) geblüht hat, sehe ich dieses Mal nurmehr einige Händelwurze stehen. Dafür sehe ich wieder etwas Neues und das gleich zwei Mal:



Nach einer weiteren Stunde Gehzeit mit einigen Foto- und Hitzepausen erreichte ich zum vierundzwanzigsten Mal den Gipfel, quasi meinen Hausberg, den ich für mich alleine hatte. Oben blies ein angenehmes Lüfterl, aber in der prallen Sonne wollte ich trotzdem nicht sitzen.


Ursprünglich war geplant, übers Alpleck abzusteigen und den oberen Forstweg zur Knofelebenhütte zurück. Leider begann ausgerechnet an dem Tag die dreiwöchige Sperre übers Alpleck wegen Forstarbeiten. Also stieg ich über den Schiblsteig zum Krummbachsattel ab.


Vor wenigen Wochen gingen wir erst den Brettschacher- und Brandsteig und über den Graben weiter zum Krummbachsattel. Nun stand das Gras schon wesentlich höher.

Die Johannesquelle kündete sich schon von weitem durch eine stattliche Orchidee an:


Die Quelle sprudelte ansehnlich nach den starken Regenfällen und ich konnte meinen Trinkwasservorrat wieder auffüllen. Bei der Querung zum Wassersteig durch die Grabensohle stieg ich drei Mal durch rinnendes Wasser am gatschigen Boden. So feucht war es dort selten.
Beim moderaten Wiederanstieg am Wassersteig wurde mir die ausgeprägte Schwüle bewusst, weil meine Herzfrequenz (mit dem Brustgurt gemessen) gut 15-20 Schläge höher war als normal. Der Körper musste Schwerstarbeit bei diesen Wetterverhältnissen leisten.

Was man dann nicht brauchte, war ein Verhauer, aber kurz vor Beginn der versicherten Querung kam ich rechts vom Weg ab. Die Stelle ist nicht gut markiert, etwas Nachfärben würde hier helfen.

Ich erkannte aber bald meinen Irrtum, speziell, nachdem ich kurz das GPS einschaltete, und bemerkte, dass der Steig gut dreißig Meter oberhalb gehen sollte.



Bei der kurzen Schotterquerung unterhalb der Felswände sah ich auch ein einsames Alpen-Leinkraut stehen. Zurück bei der Knofelebenhütte war die Terrasse verwaist. Drinnen ein Stammtisch. Ich setzte mich ebenfalls hinein, wo es doch bedeutend kühler war. Der Salatteller mit gegrillten Hühnerstreifen war ausgezeichnet. Gustl, der ein Jahr und fünf Monate alte Labradoodle, lag erst lethargisch auf dem Boden unterm Tisch. Als dann aber ein paar Übernachtungsgäste eintrafen, wechselte er ständig zwischen Küche und Streicheleinheiten im Freien.
Auf der Knofelebenwiese teilten sich Mücken-Händelwurz, Großes Zweiblatt und Fuchs-Knabenkraut den Platz auf, sie standen zu dutzenden dort herum. Besonders freute mich aber die Sichtung der seltenen …

Die Eng war dann Routine, mittlerweile die 27. Begehung. Ich kenne jeden Wegabschnitt auswendig. Dieses Mal hatte ich außerdem den neuen Asolo Eldo Evo GV an, einen Halbschuh mit steifer Vibramsohle, auch für leichte alpine Klettereien gedacht. Ich hatte einen super Grip und trabte die Eng sicher hinunter.

Das zügige Tempo war auch besser so. Zwei Mal hörte ich einen Stein in die Eng fallen. Kurz vor dem Ausgang am Mariensteig sah ich weiter oben eine frische Abbruchstelle mit rötlichem Gestein.

Glück musste man haben und so empfand ich, als ich im weiteren Abstieg noch ein einsames, teilweise blühendes Rotes Waldvögelein sah:

Gleich danach noch ein stattlicher Steinpilz:

Ich näherte mich dem Forsthaus. Das Auto stand davor. In Erwartung des Hundes im Körbchen näherte ich mich dem Zaun. Er sprang sofort auf und bellte mich an, sprang dazu den Zaun hoch. Ich war etwas unschlüssig, ob das nun eine freudige Begrüßung war, weil er mich erkannte hatte von regelmäßigen früheren Begegnungen, oder ob es Revierverteidigung war. Er beruhigte sich bald wieder, als ich langsam weiterging. Von allen bisherigen Sichtungen war es das erste Mal, dass er mehr tat außer ruhig zu atmen oder maximal den Kopf verschlafen zu drehen.



Die Rückfahrt war dann ein wenig beschwerlich. Zuerst war ich froh über die Zeit bis zur Abfahrt des Zuges, weil ich mich beim Snackautomatenschuppen bedienen konnte. Der Cityjet fuhr aber nur bis Wiener Neustadt, wo ich umsteigen musste (temporär, habe ich gehört, bald soll es wieder einen durchgängigen Halbstundentakt ohne Umsteigen geben). Dort war es aber kein klimatisierter Zug, sondern ein alter 4020er in blauweiß. Die Baureihe wird im Sommer endgültig aufgelassen. Bis zum Beginn der Stammstrecke war es kein schlimmer Nachteil dank offener Fenster und Fahrtwind, aber mit der kleinen Schleichfahrt im weiteren Verlauf im aufgeheizten Wien war es doch recht mühsam. So kam ich doch ziemlich verschwitzt zuhause an nach zwei Stunden Rückfahrt. Aber die gewonnenen Eindrücke und das gemütliche Sitzen in der Hütte waren alle Mühsal wert.