
Ich gehe seit sechzehn Jahren regelmäßig und ganzjährig in die Berge und habe mir schon einen gewissen Erfahrungsschatz aufgebaut. Wiederholt war (und bin) ich bei geführten Touren dabei und konnte mir zuletzt immer öfter vorstellen, selbst einmal Gruppen zu führen und an meinem breit gefächerten Hintergrundwissen teilhaben zu lassen. Ich habe mich beim VAVÖ privat angemeldet, um erst einmal unverbindlich hineinzuschnuppern, ob das überhaupt etwas für mich ist, ehe ich weitere Schritte setze.
Vorab: Beim Grundmodul gibt es keine Prüfung, sondern eine Kursbesuchsbestätigung, die einen dazu befähigt, unentgeltlich Touren zu führen. Erst mit dem Aufbaumodul darf man entgeltlich, also selbständig oder für Tourismusbetriebe führen – dort gibt es auch eine mündliche und schriftliche Prüfung. Das Aufbaumodul kann je nach finanziellen Ressourcen in vier oder (entspannter in) fünf Tagen abgeschlossen werden. Optional gibt es für den Winter ein Schneeschuhwandermodul, aber erst nach dem Aufbaumodul.
Inhalt:
Wir waren insgesamt fünfzehn Teilnehmer und vier Kursleiter, von denen Klaus und Uwe den Großteil der Organisation und Themengebiete (Orientierung, Naturkunde, Gruppendynamik) übernommen haben. Kathrin brachte uns rechtliche Aspekte näher und Hans das Notfallmanagement am Berg im Schnelldurchgang.
Ablauf:
Der Kurs gliederte sich in einen Theorieblock am Donnerstag, aufgelockert durch Orientierungsübungen vor dem Hotel, danach Wetterkunde und Kennenlernübungen. Am Freitagvormittag kam das Recht, danach ein Spaziergang mit intensivem Orientierung üben am Schweizersberg bei Windischgarsten. Am Samstag ein weiterer Spaziergang von Roßleithen zum Pießlingursprung und zum Gleinkersee mit Schwerpunkt Naturkunde. An beiden Tagen zwei Kleingruppen mit je acht bzw. sieben Teilnehmern, sodass jeder einmal für ein kurzes Teilstück die Gruppe führen und ein „Gestaltungselement“ einbringen durfte. Ich redete natürlich übers Wetter, andere brachten Achtsamkeitsübungen oder Informatives zur Umgebung. Am Abend dann noch Notfallmanagement mit praktischen Übungen. Da war ich schon ziemlich an meinem Kapazitätsende angelangt leider. Wie ich feststellen musste, hatte ich von Erster Hilfe ziemlich am wenigsten Ahnung von allen und werde bald einen Kurs diesbezüglich nachholen. Am letzten Tag kamen noch einmal Orientierung mit praktischen Übungen sowie ein Streifzug durch die Botanik, und ein gruppenpädagogischer Teil, immer sehr kurzweilig. Mit einer Feedbackrunde in Kleingruppen schloss der Kurs und jeder durfte sich stolz die Bestätigung abholen.
Bisherige Erfahrungsberichte: Eli (2019) und Gert 2014
Teil I: Donnerstag, 4. Juni und Freitag, 5. Juni 2026
Nach einem gemütlichen Frühstück ab 7 Uhr fanden wir uns alle im „Warscheneck“-Seminaraum des Naturfreundehotel ein, wo uns die beiden Kursleiter das Programm für die nächsten Tage vorstellten. Danach gab es draußen eine kurze Vorstellungsrunde jedes Einzelnen und in Kleingruppen überlegten wir uns, was der/die Guide vor, während und nach der Wanderung tun sollte.




Nach etwas Theorie in der Orientierung gingen wir ins Gelände, um Standort und Geländeformen zu bestimmen. Die Kursleiter legten Wert auf analoge Orientierung, um sich auch ohne funktionierendes Mobiltelefon zurechtfinden zu können.




Nach der Orientierung hörten wir von Klaus die Wetterkunde: Warmfront, Kaltfront, Föhn, Inversion und Wärme/Frontgewitter. Am Abend weitere Gruppenspiele zur Auflockerung, aber mit ernsthaftem Hintergrund (Kommunikationsübungen). Der Niederschlag der Kaltfrontokklusion erreichte erst in den Morgenstunden unseren Ort.
Freitag, 05. Juni
Am Vormittag gar nicht so trockenes Recht bei Kathrin zum Thema freies Wegerecht, Grundbesitz, Schadensersatzklagen, Unterschied zwischen entgeltlichem und unentgeltlichem Führen. Danach Tourenplanung mit geführten Etappen für vier Teilnehmer. Der Niederschlag zog gegen 14.30 Uhr endgültig ab.
Ich machte den ersten Tag bei Uwe, Schwerpunkt Orientierung im Gelände. So lernten wir, dass sechs Stunden Gesamtgehzeit selbst für verhältnismäßig mickrige 5.6km und 260hm knapp werden konnten, wenn man ständig stehen bleibt, um auf der Karte festzustellen, wo man sich gerade befand und die reichhaltige Symbolik der ÖK-Karten (1:25000) deuten sollte, etwa Übergänge von Flur und Wald oder abgegrenzte Obstgärten. Uwe hielt sich bewusst zurück, und ließ uns einmal vergehen, was wir aber rasch selbst gemerkt haben. Später entschieden wir selbst, die Tour abzukürzen und am gleichen Weg zurückzugehen, um rechtzeitig unten zu sein, statt den vorgegebenen Plan A unbedingt durchzuziehen – wodurch wir zu spät zum Abendessen gekommen wären.
Unser Spaziergang führte uns jedenfalls auf den Schweizersberg, einem 1265 erstmals erwähnten Höhenzug mit mehreren Bauernhöfen, dessen höchste Erhebung, der Stummerkogel (817m), ein prächtiges Panorama über das Windischgarstner Becken bietet. Es handelt sich um eine typische postglaziale Geländeform.
Beim Weggehen regnete es noch, die schleifende Front hatte sich kurzzeitig nochmal verstärkt mit einem schmalen Regenband. Man sah viel Stratus (Nebelwolke) in den Tallagen, wie hier am Fuß vom Pyhrgas. Darüber eine kompakte, mehrschichtige Strato- und Altocumulus-Schicht, die in Höhen bis rund 6km reichte.

Der Regen hörte bald auf und die Bewölkung „schichtete aus“, wie der Flugmeteorologe sagt – das heißt, die Hauptwolkenuntergrenze wirkte nicht mehr homogen wie am Bild davor, sondern bekam zunehmend Konturen/Strukturen. Das deutet auf eine vertikale Ausdünnung der Wolkenschicht hin und abnehmenden Wassergehalt, wodurch die Niederschlagseffizienz zurückgeht (alias Niederschlag nachlässt oder aufhört).

Wellenphänomen:
Im Osten waren kurzzeitig lehrbuchhafte Kelvin-Helmholtz-Wellen sichtbar: Sie entstehen durch wärmere Luft über kälterer Luft bei gleichzeitiger Windzunahme mit der Höhe. Hier: Nordwestwind in den unteren Schichten, darüber straffe Südwestströmung mit wärmerer Luft.

Aufgrund von zwei Katzen kam es oberhalb eines Bauernhofs zu Verzögerungen im Betriebsablauf.




Dahinter die erste „Schlüsselstelle“ in der Orientierung: Nicht links am Waldrand entlang, sondern geradeaus. Entsprechende Markierungen und Wegweiser gab es zwar, sie deuteten aber nicht immer in die richtige Richtung.


2. Schlüsselstelle: Eine Stierweide
Wir kamen von links, querten den Weidezaun über einen Durchgang, gingen am Zaun entlang zum nächsten Durchgang. Keine Viecher zu sehen. Als wir bereits auf der anderen Seite des Zauns waren, hörten wir es erst laut Muhen, es klang fast wie das Bellen eines großen Hundes. Ein großer Stier brach durch das Gebüsch wie ein Dinosaurier und muhte in unsere Richtung. Wir blieben stehen und machten uns über ihn lustig. Zwei weitere Kühe tauchten hinter dem Hügel auf und kamen bedächtig näher, ohne einen Ton von sich zu geben. Der Stier versteckte sich hinter dem Baum und ließ seine Mädels vorausgehen. Feig.
Plötzlich ging er weiter und nahm dann im Galopp Anlauf. Wir erstarrten und jeder dachte in diesem Moment wohl das Gleiche: Hoffentlich wusste der Stier nicht, dass ihn der Weidezaun nicht aufhalten würde. Er bremste kurz vor dem Zaun ab. Dann ging er gemeinsam mit einer Kuh am Zaun entlang weiter.


Der Stier war zweifellos der Boss auf dieser Weide und spulte sein typisch männliches Gorillagehabe ab, um uns zu beeindrucken. Das ist ihm gelungen.








Aufgrund diverser Hofkatzen verzögerte sich das Vorankommen. Für mich gänzlich ungewohnt war ich nicht der einzige Katzenbeauftragte in diesem Kurs.


Was mir vor dem Kurs auch nicht bekannt war: Bei Wegweisern oder markanten Punkten wird immer häufiger die Höhe angegeben, damit man seinen barometrischen Höhenmesser an die aktuelle Höhe anpassen kann, wenn man mit Sportuhr unterwegs ist. Allerdings stimmt die Höhe auf den Schildern nicht unbedingt, wie wir am Folgetag feststellen sollten.
Im Abstieg entschieden wir uns beim katzenlastigen Bauernhof Gschwandt dann dafür, den Aufstiegsweg zurückzugehen.

Zurück beim Hotel gab es Abendessen und im Anschluss spielten wir „Stille Post“. Klaus gab zwei Sätze mit komplexem Inhalt vor und nach dreizehn Durchgängen blieb ein Satz übrig, der mit dem Ausgangsinhalt nicht mehr viel gemein hatte. Zwei Teilnehmer sollten notieren, wann sich was änderte bei der Informationsweitergabe. Der Satz war sinngemäß etwa so wie in diesem Beispiel angegeben, endete bei uns aber mit …. „wurde brüsk unterbrochen„. Als ich an der Reihe war, verstand ich „Kraft Sissi Petz Tochter wurde irgendwie unterbrochen„. Zwei weiteren Durchgängen fiel noch das „irgendwie“ zum Opfer. Die Moral von der Geschichte: Fasse Dich kurz, transportiere nicht zu viel Inhalt, keine Fachwörter. An eine Gruppe gerichtet sollte man das bestenfalls zu Beginn der Wanderung oder während Pausen tun, wenn alle im Kreis beisammenstehen, statt im Gänsemarsch nach hinten durchzugeben.
Kurzweilig und interessant waren die ersten zwei Tage. Teil 2 folgt.