
Wegführung: Spital am Pyhrn /Haus Freunde der Natur (9.50) – Hofalmhütte (11.35-12.25) – Pyhrgasgatterl (13.25) – Trattenbacher Genusstubn (14.30-15.50) – Spital am Pyhrn (16.30)
Höhenmeter: 850 | Strecke: 14,7km | 6 verschiedene Orchideen: Fliegen-Ragwurz, Fuchs-Knabenkraut, Breitblättriges Knabenkraut, Mannsknabenkraut, Breitblättriges Waldvögelein, Großes Zweiblatt
Wetterlage: Föhnige Südwestströmung mit labiler Warmluft. Einzelne Modelle mit präfrontalen Gewittern.
Ausrüstung: Sony RX 100 VI (1Zoll-Kompaktkamera mit manuellem Fokus)
Auftakt zu einer langen Woche. Ich fuhr um 6.30 in Wien weg und konnte gemütlich im Railjet frühstücken, ehe ich in Linz umstieg. Gut zu wissen – um 8.04 fährt ein Interregio genannter Cityjet (einfache Garnitur) nach Graz, mit größeren Gruppen könnte es eng werden. Der CJ hat eine winzige erste Klasse im Kopfteil und die anderen Sitzplätze können reserviert werden. In Wien wäre es ein gewöhnlicher Nahverkehrszug.
Nach exakt drei Stunden kam ich pünktlich in Spital am Pyhrn an und checkte erstmal im Naturfreundehaus ein. Leider hatten sich die Modelle konsolidiert, dass der Anreisetag vom Wetter her länger stabil sein würde und am Folgetag eine schleifende Kaltfront eher trübes und regnerisches Wetter bringen würde. Umgekehrt wäre mir lieber gewesen. Aber so war es nun mal. Ich beschloss kurzfristig, mir einen gemütlichen Tag zu machen – die Folgetage würden mit dem Wanderführer-Grundmodul beim VAVÖ noch intensiv genug werden. Daher kam nur diese kleine Hüttenrunde mit zwei längeren Stops zustande, die dafür botanisch reichlich zu bieten hatte.

Was sich in über zehn Jahren seit dem ersten Besuch nicht geändert hatte: Es gibt keinen ausgewiesenen Fußweg vom Ort zur Dr. Vogelgesangklamm, sondern nur eine enge, kurvenreiche und uneinsichtige Zufahrtsstraße, die mehr oder weniger im angepassten Tempo befahren wurde. Warntafeln, langsam zu fahren, könnten hier eventuell das Tempo drosseln. Ich bog noch vor der Klamm nach links auf den markierten Weg Richtung Hofalmhütte ab. In moderater Steigung schraubte ich mich aufwärts und beobachtete aufmerksam meine Umgebung.


Ohne mich zu verausgaben erreichte ich die erfreulich spärlich besetzte Hütte. Darauf hatte ich spekuliert, dass hier weniger los war. Mitte August 2018 hatte ich gemeinsam mit einer Bekannten den Großen Pyhrgas bestiegen und wir übernachteten nach der Tour in der Hütte. Damals waren wir die einzigen Übernachtungsgäste. Ich setzte mich auf die Sonnenseite und bestellte das Linsendaal mit Reis und Naanbrot. Derzeit kellnert ein Nepalese auf der Hütte, der in seiner Heimat als Guide arbeitet. Das Essen war vorzüglich. Mein Vorhaben, mich die ganze Woche nur vegetarisch zu ernähren, hielt leider nicht lange.

Es war rund halb zwölf und die castellanus-Sichtung schien die Prognose des deutschen Lokalmodells ICOND2 zu bestätigen, das beständig einzelne vorlaufende Gewitter rechnete, ehe gegen Mitternacht die eigentliche Kaltfront eintreffen sollte. Es war zweifellos feucht und labil in mittleren Schichten.

Der Himmel zeigte sich voller verbreiteter Kondensstreifen, was ebenso auf Feuchtezufuhr hinwies, sowie tiefen Altocumulus lenticularis (dunkel) mit der sich verstärkenden Südwestströmung.

Leider hatte die Standseilbahn auf die Wurzeralm noch bis 12. Juni unter der Woche geschlossen, sonst hätte ich dort eine Runde gedreht und Stubwieswipfel und Wurzerkampl mitgenommen, die ich bei Schönwetter noch nicht kenne.

Kurzzeitig waren weiter nördlich ebenfalls Ansätze von Altocumulus castellanus sichtbar:

Ich verweilte daher nicht länger in der Mittagssonne, sondern ging langsam weiter.


Nach kurzer Zeit erreichte ich schon den Sattel zwischen Pyhrgas und Lugkogel (1447m).

Beim letzten Urlaub in Windischgarsten war meine Wetterprognose zu optimistisch und statt Karleck ging sich im strömenden Regen nurmehr der Kleine Bosruck aus. Dieses Mal hätte es ausgehalten, aber es wäre mit dem Abendessen knapp geworden. Beim nächsten Mal dann.



Die Bewölkung nahm um 13 Uhr Richtung Südwesten sichtbar zu, blieb aber harmlos mit ausgedehnten Schichtwolken (Stratocumulus und Altocumulus). Sie schatteten jedoch zunehmend die Sonne ab. War das nun ein gutes oder schlechtes Zeichen?

Ein großer Gewittercluster befand sich über Oberitalien und griff gerade auf Südtirol über. Sonst reichlich hohe Wolken (blau) und tiefe bzw. mittelhohe (rosa) Bewölkung. Das hinterm Grimming sichtbare Wolkenfeld füllte gerade den Bezirk Liezen aus. Die vorlaufende tiefe Bewölkung sollte schließlich zum Spielverderber werden und vorlaufende Gewitter verhindern. Obwohl die Bedingungen grundsätzlich nicht schlecht waren – vom Salzkammergut bis zur Eisenwurzen herrschten nahe Alpennordrand die höchsten Taupunkte.


Beim Rohrauerhaus ging ich gleich weiter zum Pyhrgasgatterl und stieg dann noch ein paar Meter den Hang zum Karleck hinauf, um einen besseren Blick ins Gesäuse zu bekommen





Der Scheiblingstein-Gipfel steht auch noch auf meiner Liste, nachdem ich ihn Anfang August 2016 mit kaputten Schuhsohlen nicht erreicht habe. Ich ging stattdessen auf den Pleschberg und hatte einen traumhaften Glocknerblick.
Im Abstieg nach dem Rohrerhaus ein wenig Kulturgeschichte:




Oberhalb der Klamm ging ich wie damals im Regen zurück zum Ort. Dabei erlebte ich eine Überraschung: Zwei Exemplare der Fliegen-Ragwurz fielen mir ins Auge – Glück musste man haben….







Ich kannte meine Pappenheimer bzw. wusste vom Besuch im Vorjahr, dass ich dort Katzen fotografiert hatte. Dieses Mal saß die Katze auf der Bank und beobachtete die Umgebung. Fast nicht bemerkbar lag hinter mir im Garten unter einem Baum ein Border Collie und schlief tief und fest. Schichtwechsel sozusagen.
Beim Hotel angekommen ging ich nochmal ein Stück Richtung Bahnhof, weil mir am langen Grünstreifen schon beim Hergehen Orchideen aufgefallen waren.


Das war ein blumenreicher Ausflug, auch ohne Gipfel. Der Abend verlief noch trocken und warm, auch in der Nacht fing es lange nicht zu regnen an, erst in der zweiten Nachthälfte.