Otter-Runde über Westgrat, Semmering (30.05.26)

Wegführung: Schlagl (8.30) – Schanzsteig (8.50) – Westgrat (I-II, 9.30) – Kleiner Otter (1327m, 10.17) – Mitterotter (1297m, 10.37) – Großer Otter (1356m, 11.10-11.40) – Schlagl (12.55)

Höhenmeter: 680 | Strecke: 10km | Reine Gehzeit: 3h 50min | Flora und Fauna: Cephalanthera longifolia, Alpen-Clematis | 2 Eichkatzln, viele Schmetterlinge und Ameisen

Charakteristik:

  • Schanzsteig: offiziell gesperrt, völlig zu Recht, vom September 2024 ausgewaschene Rinnen-Querungen, teils abschüssig mit Steilschutt – bei Nässe und Eis nicht zu empfehlen
  • Kleiner Otter: Überwiegend gut gestufter, mit roten Punkten markierter Felsgrat, meistens (I), Schlüsselstelle am Schluss mit zu überkletterndem Block in einem sehr exponierten schrägen Riss (II-), mit abgeschmierten kleinen Tritten

Wetterlage: Hochdruckrandlage mit labiler Warmluft an der Keilvorderseite in straffer nordwestlicher Höhenströmung, dadurch hochreichend geschert und hagel/sturmträchtig. Modellunsicherheiten am Vortag groß, daher auf eine Halbtagestour gekürzt. Zwei Stunden nach unserer Ankunft beim Auto zogen dort kräftige Schauer und Gewitter durch.

Der Westgrat stand auch schon länger auf unserer Liste. Erst kürzlich ist ihn Freund Wolfgang gegangen. Da bot sich der etwas instabile Tag mit frühem Aufbruch an. Das ist die erste Tour ohne vollständige Aufzeichnung. Am Großen Otter hab ich sie versehentlich pausiert, aber erst nach einem Kilometer gehen bemerkt.

Auf der Südautobahn sahen wir gleich zwei Renault 4 auf der ganz rechten Spur dahinkriechen. Sie fuhren zum 15. rÖno4-Treffen, das jährlich in Gloggnitz stattfindet.

Die Parkplatzsuche in Schlagl gestaltete sich wegen der vielen Privatgrundstücke nicht als ganz einfach, wir fanden letztendlich nahe der Wendestelle des Rufbusses ein Platzerl.

Zahlreiche Waldvögelein am Weg (hier: longifolia)
am Weg zur Schanzkapelle bei noch blauem Himmel
Von der Schanzkapelle kommend stimmt es bis zum Westgrat. Vom Kummerbauerstadl kommend keine Einschränkungen.
Eselstein, Kreuzberg und Rax
Bröselbrücke und Ruine Klamm

Die Wegsperre bezog sich vor allem auf drei exponierte Querungen von durch den Starkregen im September 2024 ausgewaschenen Rinnen, wo der Weg jeweils weggerissen wurde. In zwei von drei Rinnen gab es einen notdürftigen Weg, über den man ohne Schwierigkeiten drüber kam.

Rinne 1 mit neuem Weg unterhalb des Abbruchs.
aufgearbeiteter Windwurf

Zum Wetter: Am Vormittag zogen ausgedehnte hohe und mittelhohe Wolkenfelder der Warmfront durch. Quellungen in mittlerer Höhe deuteten aber bereits auf Labilisierung hin.

Panorama Rax und Schneeberg

Die letzte Rinne war mit lockerem Schotter gefüllt. Hier würde ein Seil helfen, etwa an der Wurzel unten links festgemacht. Doch nach oben schauend sieht man einen riesigen Felsbrocken so groß wie ein Kleinwagen, der früher oder später wohl herunterkommen wird. Sichern lässt sich dieser Hang wohl nicht mehr.

Rinne Nr. 3 mit schweren Erosionsschäden, zwei Schritte etwas ungut.

Kurz darauf erreichten wir den Zustieg zum Westgrat. Günter machte den Vorstieg.

Einstieg zum Westgrat, links verborgen beginnen die Felsen
Die erste Stelle ist gleich einmal exponiert (links herum)

Bei den ersten Kletterstellen wählte ich eine Variante rechts herum, die etwas weniger exponiert war. Zudem konnte ich mich an den Ästen festhalten. Günter ging links herum, deswegen gibt es von mir auf diesem Abschnitt keine Fotos.

weiterer Verlauf ausreichend mit roten Punkten markiert
durch einen Riss über zahlreiche Kugelblumen aufwärts
exponiert (ich wurschelte mich rechts vorbei)
nächste Steilstufe (vermeintlich) im Laufschritt
Links vorbei aufwärts
Erste Variante links (etwas schwieriger als rechts herum)
„War doch nicht so schwer“

Hier überlegte ich kurz, Günter ging vor und riet mir bald ab, zu hohe Tritte und Griffe, ziemlich senkrechte Passage. Damit hätte ich keine Freude.

Zweite Variante (gelbe Punkte) noch anspruchsvoller
links haltend
erst links und dann rechts zum Ausstiegsfelsen
Überraschungsfund: Clematis alpina

Die Schlüsselstelle kam erst am Ende, mit einem Felsblock in einer steilen Rampe. Die Tritte links davon waren schon ziemlich abgeschmiert. Richtige Technik, genug Kraft, ein paar Kilo leichter, das hätte mir geholfen…

Schlüsselstelle (II) von unten
Schlüsselstelle von oben (exponiert)

Um es fairerweise zu sagen: Ohne Günters starke Hand wäre ich da nicht drübergekommen. Dahinter war die Kletterei zu Ende, anfangs über Schrofen, später immer flacher im Wald hinauf zum Gipfel:

Kleiner Otter mit Gipfelkreuzfundament (mit Schriftzug Mazel Tov)
Mitterotter

Zwischen Mitterotter und Großem Otter begegnete uns eine junge Frau, sonst hatten wir noch niemanden getroffen.

Großer Otter
Kleiner Fuchs (Aglais urticae)

Beim Großen Otter rasteten wir eine halbe Stunde. Der Himmel wirkte wie blankgeputzt – ok, bis auf zahlreiche Kondensstreifen, die teilweise recht verbreitert waren (Feuchtezufuhr in der Höhe). Zunehmend entstanden föhnartige Wolken (über der Rax: Stratocumulus lenticularis duplicatus). Der Wind wehte am Gipfel lebhaft aus Nordwest, im Schatten fröstelte man schon.

Gipfelpanorama
Obersberg, Türnitzer Höger und Hohenstein schauen durch den Einschnitt, rechts Mittagstein, Krummbachstein, Saurüssel und Hochschneeberg
Wilde Akelei
Burg Wartenstein und Gloggnitz
Farewell mit Beinwell

Der Abstieg über die weit ausladenden Forstwegkehren zog sich elendig. Früher als erwartet waren wir wieder beim Auto und somit sehr zeitig zu Hause. Auf der Südautobahn sah man eine große Gewitterwolke über dem Oberen Waldviertel stehen (schwere Sturmböen dort), in Wien selbst wurde es dann auch von Nordwesten her finster. Die Gewitter hatten ein Mordstempo drauf, schwächten sich leider aber genau über Wien dann deutlich ab. Etwa zwei Stunden nach Ende unserer Wanderung zogen kräftige Schauer auch im Semmering-Gebiet durch. Wiener Neustadt hatte 93km/h Spitzen. Die Kürze der Tour hat also schon gepasst, etwas Spielraum sollte man sich lassen, speziell bei derartig schnellziehenden Gewittern.

Mein Fazit zum Westgrat: Alleine wäre ich umgedreht, zu zweit ging es, aber wie ursprünglich geplant wäre der kleinere Rucksack an dem Tag weniger hinderlich gewesen. Hinsichtlich Technik besteht noch viel Luft nach oben.

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