
Wegführung: Unterstalleralm (8.47) – Oberstalleralm (9.15) – Schwarzsee (11.10-11.25) – Riepenspitze (12.27-12.50) – Scharte (13.20) – Riepenalm – Parkplatz Oberstalleralm (14.50)
Höhenmeter: 1230 | Strecke: 13.6km | Reine Gehzeit: ca. 5 Stunden | Viecher: Steinschmätzer
Dritter Tag der Wanderwoche in Innervillgraten. Der Tag mit der besten Wetterprognose. Nordföhn mit trockenen Luftmassen, Taupunkte um den Gefrierpunkt. Richtig angenehm zum Wandern und dazu eine Fernsicht bis zum Anschlag. Herz -was wolltest Du mehr?
Die Tour war eine Ko-Produktion mit Carsten, den ich in der Unterkunft kennenlernte. Wir gingen ab dem See und den Abstieg gemeinsam. Für den Gipfel motivierten wir uns gegenseitig, das letzte Stück zog sich etwas in dem kupierten Gelände. Im Abstieg drückte er für mich etwas zu sehr aufs Tempo, aber für diesen Tag passte es – immerhin zeigte sich dadurch meine blendende Fitness derzeit.

Einziger Wermutstropfen war der Umstand, dass ich am Vortag bei der Tour aufs Pfannhorn viel zu wenig getrunken hatte und abends ewig nicht einschlafen konnte, weil ich so überhitzt bzw. deydriert war. Ich versuchte viel nachzutrinken und schaute nach Mitternacht sogar noch Teile des spannenden Argentinien – Kap Verde Spiels. Letztendlich kam ich unzusammenhängend auf knapp vier Stunden Schlaf – in der kältesten Nacht der Woche (Innervillgraten laut Webcam 4,6°C um 6.30 Uhr). Das Taxi hatte ich für 08:40 Uhr bestellt. Die frische Luft beim Weggehen half, um wach zu werden.

Über das Kar vom Heimwald kommend hinab wollten wir später absteigen. Für den Aufstieg hielten wir uns an die Empfehlung der Chefin in der Früh, den längeren, dafür weniger steilen Weg unterhalb der Pfannspitze zum Schwarzsee zu gehen. Der Direktanstieg (Nr. 15) war durchwegs sonnenexponiert und nur steil. Doch aufpassen sollte man auf Kreuzottern, die gerne neben dem Weg lagen. Ein Hund wurde dort mal übel gebissen. Sie habe schon 2x im Frühjahr Kreuzottern gesehen. Es war ja auch hier viel zu trocken und der Schnee entsprechend früh verschwunden.
In einer Kehre hält dann Carsten neben mir, der auch in der Unterkunft übernachtet und dann das gleiche Ziel hat. „Willst Du mitfahren?“ fragt er mich. Ich springe ins Auto. Wir fahren eine weitere Kehre und sind am Parkplatz. Na das hat sich ja gelohnt! „Danke für die Kehre.“ sage ich und springe aus dem Auto. Wir gehen gemeinsam weg.

Viele Almhütten im Tal werden vermietet, bewirtschaftet ist hier schon länger nichts mehr. Der Großteil der 16 Hütten stammt aus dem 19. bzw. 20. Jahrhundert.


Ich merke schnell, dass mein Begleiter ungeduldig wird, weil ich regelmäßig zum Fotografieren stehen bleibe. Ich brauche aber meine „Pulspausen“, gerade in der ersten Stunde. Außerhalb ist die Landschaft herrlich zum Schauen. Er zieht schließlich an mir vorbei, wartet dann aber am See auf mich.





Ginggele kommt vom tiroler Dialekt gingg (spitzer Kegel), und -ele ist die Verkleinerungsform, also ein kleiner spitzer Kegel, was gut zum Roten Ginggele oder Marchginggele passt.








Der Weg führt zunächst entlang einer Felsrippe steil hinauf, mit kurzen Kletterstellen, die sich aber umgehen ließen, und dann wieder hinab:



Über den Hang links führt der spätere Direktabstieg zur Riepenalm.

Während Carsten vom ständigen Auf und Ab mit seiner Motivation hadert, finde ich die Landschaft sehr abwechslungsreich und anregend.





Der Gipfel war schon lange in Sicht, aber um ein paar Felsen ging es vor dem steilen Schlussanstieg noch herum.

Der Steig kommt bis an die Kante heran.


Später über groben Schutt und Felsen, aber nicht wirklich etwas zum Klettern. Die Überraschung dann, als wir den Nordostgrat umrunden:

Der Kontrast war schon beeindruckend auf wenigen Metern, wie sich der Untergrund geändert hat.

Nach knapp dreieinhalb Stunden stand ich auf der Riepenspitze, mit 2774m mein höchster Gipfel seit dem 29. August 2018 (Kolbenspitze 2868m, Ötztaler Alpen). Bis dahin ohne Probleme, die trockene Luft erleichterte das Vorankommen sichtlich.
Bild 34 bis 47 geben die Fernsicht an diesem Tag wieder – dank Nordföhn im Süden ausgeputzter Himmel.

Rieserfernergruppe und Zillertaler Alpen:

Ötztaler Alpen in rund 100km Entfernung.
Im Vordergrund links Hoher Mann (2593m) und eine ausgeprägte Scharte, links dahinter Ochsenfelder (2609m).
Auch das Sarner Weißhorn (2705m), mein erster Gipfel mit (versicherten) Kletterstellen (2009), ist sichtbar, davor Tatschspitze (2526m). In Verlängerung vom Weißhorn die Hintere Schwärze (3624m).

(evtl. beschrifte ich das nochmal ordentlich mit Pfeilen)
Ortler Alpen in 130 bis 140km Entfernung




Peitlerkofelgruppe (Dolomiten) und Adamellogruppe (Lombardei)
Im Hintergrund links und rechts schauen weit entfernte Gipfel der Adamellogruppe in 140-150km Entfernung drüber.






Nochmal der Blick in die Adamellogruppe: Links vom Tullen das Spitzerl der Cima di Vermiglio (3458m, 143km) und rechts vom Weißlahngrat die breite Spitze der Cima Busazza (3326m, 146km), rechts der Bildmitte gut erkennbar noch Corno di Mezzodi (2966m, 158km) und Cime di Vallaro (2907m).

Wir rasten etwa eine halbe Stunde am Gipfel. Der Nordföhn greift gerade durch, aber es ist mit kurzer Hose und dünner Jacke gut auszuhalten. Viele Leute sind nicht am Gipfel. Dann steigen wir über denselben Weg wieder ab. Ich hatte kurz mit dem Gedanken gespielt, Richtung Kaserspitze abzusteigen und dann weglos zum markierten Weg, konnte dafür Carsten aber nicht begeistern. Es hätte uns ohnehin vom weiteren Abstiegsweg entfernt. Nun erspähe ich die Markierungen früher, sodass wir die Abzweigung zur Riepenalm erwischen – Wegweiser sucht man hier vergebens.





Die Wanderer kommen mit zwei großen Hunden (Bernhardinern), die ich beim Wegfahren in der Früh beim Maxer schon gesehen habe. Gute Frage, wo sie aufgestiegen sind, vielleicht ab Kalkstein erst zur Kreuzspitze und dann beim Heimwaldjöchl unterhalb der Riepenspitze weiter. Flottes Tempo in diesem Fall. Die Fortsetzung unseres Steiges zur Riepenalm war schmal, aber eindeutig.

Wir steigen in das Kar ab. Ich übernehme zunächst die Führung, bleibe aber wegen Fotos immer wieder stehen. Zwischen Trailrunning und Naturfotografie scheinen Welten zu liegen. Carsten: „Komm“ und „Komm jetzt!“ als ich die Gipfel in der Umgebung bestimmen will oder die Vegetation. Warum die Eile? Es war erst früher Nachmittag.





Aus Solidarität gehe ich mit ihm wieder zum Parkplatz hinauf statt gleich bei der Unterstalleralm zu warten und mache damit die „gefahrene“ Kehre wieder gut. So sind wir nach gut zwei Stunden Abstiegszeit schon wieder zurück, eigentlich zu früh. Was machte man jetzt mit dem angebrochenen Tag? Wäre er ein regelmäßiger Tourenpartner, würde ich wohl für gemeinsame Touren auf die kleine Kamera (RX100) wechseln, umgekehrt müsste er sich daran gewöhnen, dass ich für mein persönliches Naturerlebnis gerne zum Fotografieren stehenbleibe. Für den Tag hat es gepasst, aber bei einer allfälligen Wiederholung würde ich öfter stehenbleiben.

Die Chefin hat uns von einer Einkehr bei der Unterstalleralm abgeraten, weil die derzeitigen Wirtsleut das schnelle Geld mit Fertigschnitzel und Dosengulasch machen wollen. Beim Bier konnte man hingegen nicht viel falsch machen, das war noch drin. Gegen 16 Uhr sind wir wieder zurück bei der Unterkunft.
Inzwischen hab ich so einen Hunger, dass ich den Bus um 17 Uhr zum Dorf nehme und das zweite Mal zum Bachmann gehe. Als Belohnung gönne ich mir den Hirschbraten mit Rotkraut, und danach noch Palatschinke mit Vanilleeis. Das war etwas zu viel des Guten, daher zu Fuß zurück zur Pension – ein idealer Verdauungsspaziergang.
