
Wegführung: Natur Residenz (1413m, 8.50) – Schmugglersteig – Kalkstein (9.45) – Ruschletalm – Pfanntörl (2508m, 12.05) – Toblacher Pfannhorn (2663m, 12.45-13.00) – Kalkstein (Badl-Alm, 15.05)
Höhenmeter: 1280 | Strecke: 14.3km | Reine Gehzeit: ca. 5 Std. 30 Minuten | Viecher: Steinschmätzer
Der erste hohe Gipfel meiner Innervillgratenwoche. Akribisch geplant und bis zuletzt war ich doch unsicher, wie ich die Route anlegen soll. Entfernungen und Wegbeschaffenheit richtig einschätzen war die ersten Tage eine Herausforderung. Wie schon am Vortag war ich viel zu früh wieder unten, hatte dadurch aber genug Zeit und Muße für eine Einkehr auf der Badl-Alm. Der 3-Zinnen-Blick alleine hat den prächtigen Aussichtsgipfel bereits gelohnt, aber wie üblich war auch die Botanik reizvoll.
Wetterlage: Am Vormittag querte eine schwache Kaltfront eines ausgedehnten Sturmtiefs über dem Baltikum den Alpenraum mit tiefer Bewölkung und einzelnen Regenschauern im Nordstau. Die Bewölkung griff dabei weit auf die Alpensüdseite über und reichte bis zum Pustertal. Am Nachmittag sollte die Bewölkung langsam auflockern, sich in der schwül-warmen Luftmasse der Alpensüdseite aber stärkere Quellwolken bilden, sodass die Fernsicht eingeschränkt blieb.

Ich startete direkt bei der Unterkunft. Es war beinahe drückend schwül und es gab später ein paar Regentropfen.


Der Schmugglersteig führte abwechslungsreich am Hang oberhalb des Kalksteiner Bachs entlang, eher schmal, aber gut ausgetreten und problemlos begehbar. Ab dem Alpengasthof betritt man eine Kuhweide, der Forstweg führt innerhalb der Weide bis nach Kalkstein. Ich geb es ehrlich zu: Ich bereits hohen Puls, als ich die Weide betrat und als ich die Kuhe mitten im Weg stehen sah, drehte ich wieder um, ging beim Gasthof auf die Straße und am Rand derer bis nach Kalkstein. Am letzten Tag der Wanderwoche war ich dann kuhbegegnungsgefestigt genug, um ohne irrationale Ängste dort gehen zu können. Auch später am Tag musste ich alleine durch eine Kuhweide durch, aber da war mehr Platz zum Ausweichen und außerdem ausnahmslos an allen Tagen friedliche, nicht allzu neugierige Kühe.



Nach der Alfenalm ein Blick nach Südosten in den vom Marchenbach durchflossenen Graben. Etwa zur gleichen Zeit war Carsten, ein Wanderer, der auch in meiner Unterkunft übernachtet hatte, am Steig unterwegs zum Marchkinkele (2546m). Offenbar wenig begangenene Strecke durch hohes Gras und Stauden mit nicht immer gut erkennbarem Pfad, bergab bei Nässe nicht empfehlenswert.




In den Villgratner Bergen tragen viele Almen den Suffix -let, etwa Bergletalm, Taletalm, Hoflet, Bachlet – wahrscheinlich eine Verkleinerungsform für kleinen Ber, kleines Tal, kleinen Bach, etc.





Das Gaishörndl wäre zeitlich locker drin gewesen, aber ich begnügte mich an diesem Tag mit dem Pfannhorn.


In einer Variante hätte ich den Kamm bis zum Marchginggele überschritten und wäre über den Marchengraben nach Kalkstein bzw. über den Gannekofel nach Innervillgraten abgestiegen. Das sah aber eher weit und eintönig aus.

Die Marchhütte wurde in den 30er Jahren zur Unterbringung von Grenzsoldaten mit drei Gebäuden errichtet. Zugleich wurde auch die Militärstraße angelegt. Die Kasernengebäude wurden vom Land Südtirol gekauft und zur Errichtung einer Schutzhütte umgebaut. Seit 2021 ist sie im Sommer bewirtschaftet, auch Übernachtungen sind möglich.




Nach einer knappen Dreiviertelstunde erreichte ich den Gipfel und genoss wenige Minuten in der Stille, ehe eine Gruppe junger Leute, vom Dialekt her zumindest nicht so weit entfernt aus der Region relativ lautstark am Gipfel eintraf. Die Ruhe war dann leider vorbei und ich blieb nicht lange.









Ich stieg auf der Südtiroler Seite den Kamm kurz nach Westen ab, ehe ich auf den querenden Steig zum Pfanntörl zurück traf.









Der Schmugglersteig wurde in den Jahren 1810 bis 1814 sowie nach den zwei Weltkriegen zum Schmuggeln zwischen dem Villgratental und dem Pustertal genutzt. Nach Südtirol wurde vor allem Vieh geschmuggelt, um dort höhere Preise zu erzielen. Nach den Weltkriegen wurden auch Lebensmittel, Tabak und Zigaretten geschmuggelt.

Im Hintergrund rechts Rotes Ginggele (2763m) und Grumauer Berg (2675m).



Auf der Badl-Alm kehrte ich ein mit einem Grillteller und konnte es so gut aushalten, bis der Linienbus um 16.55 in wenigen Minuten zurück zu meiner Unterkunft fuhr.
