Toblacher Pfannhorn (2663m) ab Innervillgraten-Ebene (03.07.26)

Drei-Zinnen-Blick vom Gipfel des Toblacher Pfannhorns

Wegführung: Natur Residenz (1413m, 8.50) – Schmugglersteig – Kalkstein (9.45) – Ruschletalm – Pfanntörl (2508m, 12.05) – Toblacher Pfannhorn (2663m, 12.45-13.00) – Kalkstein (Badl-Alm, 15.05)

Höhenmeter: 1280 | Strecke: 14.3km | Reine Gehzeit: ca. 5 Std. 30 Minuten | Viecher: Steinschmätzer

Der erste hohe Gipfel meiner Innervillgratenwoche. Akribisch geplant und bis zuletzt war ich doch unsicher, wie ich die Route anlegen soll. Entfernungen und Wegbeschaffenheit richtig einschätzen war die ersten Tage eine Herausforderung. Wie schon am Vortag war ich viel zu früh wieder unten, hatte dadurch aber genug Zeit und Muße für eine Einkehr auf der Badl-Alm. Der 3-Zinnen-Blick alleine hat den prächtigen Aussichtsgipfel bereits gelohnt, aber wie üblich war auch die Botanik reizvoll.

Wetterlage: Am Vormittag querte eine schwache Kaltfront eines ausgedehnten Sturmtiefs über dem Baltikum den Alpenraum mit tiefer Bewölkung und einzelnen Regenschauern im Nordstau. Die Bewölkung griff dabei weit auf die Alpensüdseite über und reichte bis zum Pustertal. Am Nachmittag sollte die Bewölkung langsam auflockern, sich in der schwül-warmen Luftmasse der Alpensüdseite aber stärkere Quellwolken bilden, sodass die Fernsicht eingeschränkt blieb.

Wolkenphase im Europa und Tirol-Ausschnitt am Freitag, 3. Juli 2026, 08:40 Uhr MESZ (Quelle: kachelmannwetter.com)

Ich startete direkt bei der Unterkunft. Es war beinahe drückend schwül und es gab später ein paar Regentropfen.

Vorgipfel vom Mosesgungge (2552m) und Kreuzspitze (2624m) dahinter, rechts gehts ins Arntal, links nach Kalkstein
Charakteristik des Schmugglersteigs bis zum ehemaligen Alpengasthof Bad Kalkstein

Der Schmugglersteig führte abwechslungsreich am Hang oberhalb des Kalksteiner Bachs entlang, eher schmal, aber gut ausgetreten und problemlos begehbar. Ab dem Alpengasthof betritt man eine Kuhweide, der Forstweg führt innerhalb der Weide bis nach Kalkstein. Ich geb es ehrlich zu: Ich bereits hohen Puls, als ich die Weide betrat und als ich die Kuhe mitten im Weg stehen sah, drehte ich wieder um, ging beim Gasthof auf die Straße und am Rand derer bis nach Kalkstein. Am letzten Tag der Wanderwoche war ich dann kuhbegegnungsgefestigt genug, um ohne irrationale Ängste dort gehen zu können. Auch später am Tag musste ich alleine durch eine Kuhweide durch, aber da war mehr Platz zum Ausweichen und außerdem ausnahmslos an allen Tagen friedliche, nicht allzu neugierige Kühe.

wahrscheinlich Verschiedenblättrige Kratzdistel (Cirsium heterophyllum)
Dukaten-Feuerfalter (Lycaena virgaureae)
Ansammlung von Fuchs-Knabenkraut auf einem feuchten Wiesenhang

Nach der Alfenalm ein Blick nach Südosten in den vom Marchenbach durchflossenen Graben. Etwa zur gleichen Zeit war Carsten, ein Wanderer, der auch in meiner Unterkunft übernachtet hatte, am Steig unterwegs zum Marchkinkele (2546m). Offenbar wenig begangenene Strecke durch hohes Gras und Stauden mit nicht immer gut erkennbarem Pfad, bergab bei Nässe nicht empfehlenswert.

Links Gannekofel (2488m), rechts Marchenswand
Phyteuma ovatum (Hallers Teufelskralle)
Dreifärbiges Stiefmütterchen (Viola tricolor)
Ruschlet-Alm mit Blick auf den steilen Aufstiegshang (rechts herum)

In den Villgratner Bergen tragen viele Almen den Suffix -let, etwa Bergletalm, Taletalm, Hoflet, Bachlet – wahrscheinlich eine Verkleinerungsform für kleinen Ber, kleines Tal, kleinen Bach, etc.

Würfel-Dickkopf-Falter (Pyrgus carthami) auf Teufelskralle
Rückblick von der Steilstufe auf Alfenbach, rechts Gannekofel
Gold-Pippau (Crepis aurea)
Kuhweiden-Durchquerung zwischen Steilstufe und Pfanntörl
am Pfanntörl (2508m) mit Blick zum Gaishörndl (2615m)

Das Gaishörndl wäre zeitlich locker drin gewesen, aber ich begnügte mich an diesem Tag mit dem Pfannhorn.

Rückblick auf meinen Auf- und Abstiegsweg
Südtiroler Seite mit Golfental

In einer Variante hätte ich den Kamm bis zum Marchginggele überschritten und wäre über den Marchengraben nach Kalkstein bzw. über den Gannekofel nach Innervillgraten abgestiegen. Das sah aber eher weit und eintönig aus.

Gannekofel links, Marchginggle rechts, im Hintergrund links Scharnik (2657m, Kreuzeckgruppe), mittig Lienzer Dolomiten

Die Marchhütte wurde in den 30er Jahren zur Unterbringung von Grenzsoldaten mit drei Gebäuden errichtet. Zugleich wurde auch die Militärstraße angelegt. Die Kasernengebäude wurden vom Land Südtirol gekauft und zur Errichtung einer Schutzhütte umgebaut. Seit 2021 ist sie im Sommer bewirtschaftet, auch Übernachtungen sind möglich.

Zoom auf Marchginggele und Marchhütte unterhalb vom Gipfel
Rückblick auf Pfanntörl und Gaishörndl
Stellungen aus dem Ersten Weltkrieg
perfekt in die Umgebung eingegliedert

Nach einer knappen Dreiviertelstunde erreichte ich den Gipfel und genoss wenige Minuten in der Stille, ehe eine Gruppe junger Leute, vom Dialekt her zumindest nicht so weit entfernt aus der Region relativ lautstark am Gipfel eintraf. Die Ruhe war dann leider vorbei und ich blieb nicht lange.

Sextener und Prager Dolomiten
Piz Popena (3152m) und Monte Cristallo (3221m), ganz rechts hinten Monte Civetta (3220m) und davor Cima Ambrizzola (2715m)
Birkenkofel (2922m)
Alt-Toblach auf einem Schwemmkegel des Silvesterbachs errichtet, 827 erstmals als Duplago erwähnt
Welsberg (erstmals 1169 erwähnt als Welfesperch), im Hintergrund Olanger Stausee und die Ortschaft Olang dahinter (erwähnt 985-993 als Olaga)
Kronplatz (2275m), Hausberg von Bruneck (Webcam)
Drei Zinnen mit Langer Alm davor
stärker herangezoomt
Halbkugelige Teufelskralle (Phyteuma hemisphaericum) am Gipfelplateau

Ich stieg auf der Südtiroler Seite den Kamm kurz nach Westen ab, ehe ich auf den querenden Steig zum Pfanntörl zurück traf.

Radiale Polsterpflanze als Nährboden für weitere Alpenpflanzen
Querung auf teilweise erodiertem Hang zurück
Schlüsselstelle – zum Glück grobe Steine, die nicht nachgaben
Altkristallines Gestein mit Eisenoxidbildung, darüber gelbgrünliche Landkartenflechten (Rhizocarpon geographicum)
Kohlröserl (Nigritella nigra)
Steig vom Marchengraben in die Scharte zwischen Marchenswand und Gannekofel
Ziestblättrige Teufelskralle (Phyteuma betonicifolium)
Abstieg durch herrliche Futterwiesen (hier nicht beweidet)
Prächtige Kugelorchidee (Traunsteinera globosa)

Der Schmugglersteig wurde in den Jahren 1810 bis 1814 sowie nach den zwei Weltkriegen zum Schmuggeln zwischen dem Villgratental und dem Pustertal genutzt. Nach Südtirol wurde vor allem Vieh geschmuggelt, um dort höhere Preise zu erzielen. Nach den Weltkriegen wurden auch Lebensmittel, Tabak und Zigaretten geschmuggelt.

Geschichte des Schmugglersteigs

Im Hintergrund rechts Rotes Ginggele (2763m) und Grumauer Berg (2675m).

Expositurkirche Maria Schnee in Kalkstein (1660 erste Kapelle, ab 1875 erweitert, Turm um 1910 erbaut), rechts 1802 erbautes Widum
Kruckenkreuze und Doppeladler aus der Zeit 1935/36, als das Widum noch eine „Dollfuß-Gedächtnis-Schule“ war, bis 1961 wurde dahin unterrichtet
Grab des 1982 erschossenen Holzfällers und Wilderers Pius Walder (Geschichte)

Auf der Badl-Alm kehrte ich ein mit einem Grillteller und konnte es so gut aushalten, bis der Linienbus um 16.55 in wenigen Minuten zurück zu meiner Unterkunft fuhr.

Track der Coros Pace 4 auf der Open Topo Map

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