
Ich titelte das Bild damals mit „Der Klimawandel lässt grüßen„. Warum? Zwei „Jahrhunderthochwasser“ im Abstand von elf Jahren sprachen für sich. Das Hochwasser von 2013 wurde nur durch das Jahrtausendhochwasser im August 1501 übertroffen, das entlang der Donau für nie dagewesene Pegelstände gesorgt hatte, etwa in Passau oder in Ybbs an der Donau. Was 1501 für die Donau war, war 1784 für den Main durch einen Vulkanausbruch auf Island mit nachfolgend strengem Winter in Mitteleuropa. Aber auch hier toppt das Magdalenenhochwasser alle bisherigen Pegelstände.

Nun argumentieren manche Kritiker damit, dass es diese Extremereignisse früher auch schon gegeben habe und damals habe es keinen menschengemachten Klimawandel gegeben, folglich könnten heutige Extremereignisse auch nicht vom Menschen mitverursacht worden sein. Das ist so nicht ganz richtig, denn im Mittelalter waren wesentlich größere Flächen im großen Umfang gerodet als heute, und mit Ackerbau und Bodenversiegelung werden Hochwässer natürlich begünstigt. Bis etwa 1850 dauerte zudem die „Kleine Eiszeit“ mit verregneten Sommern und langen strengen Wintern, sodass Eisstau und Schneeschmelze im großen Umfang noch zu hohen Wasserständen beitrugen.
Aber warum können Naturkatastrophen nicht verschiedene Ursachen haben? Damals der Wechsel von der Warm- auf die Kaltzeit, heute die anthropogene Klimaerwärmung. In der jüngeren Geschichte häufen sich extreme Starkregenereignisse:
- Hochwasser in der Eifel Juli 2021
- Hochwasser in Kärnten und in der südlichen Steiermark im August 2023
- Hochwasser in Südwestdeutschland Mai 2024
- Hochwasser in Süddeutschland Mai/Juni 2024
- Hochwasser in Niederösterreich im September 2024
Alle genannten Ereignisse wurden durch kleinräumige, intensive Starkregentiefs verursacht, wobei im September 2024 im Einzugsgebiet der Donau so viel Niederschlag fiel, dass es unterhalb von Wien für ein 100-jährliches Hochwasser gereicht hat (Hainburg an der Donau), ganz ohne zusätzliche Schneeschmelze. Die Hochwasser 2002, 2005 und 2013 wurden hingegen durch eine klassische Vb-Lage verursacht – eine Wetterlage, die auch im August 1501 sowie beim Magdalenenhochwasser 1342 vorgeherrscht haben dürfte. Den Einfluss der Klimaerwärmung analysiert die sogenannte Attributionsforschung – sie zeigt klar, dass die aktuelle Erwärmung der Erde (Luft und Wasser) Starkregenereignisse wie in den letzten Jahren ebenso begünstigt wie ausgeprägte Dürreperioden.
Im Jahr 2024 hatten wir beides, wenn ich daran erinnern darf – einen trockenen Sommer zwischen den beiden Starkregenereignissen Ende Mai und Mitte September und danach einen trockenen Winter – in manchen Alpenregionen war der Neuschnee Mitte September 2024 die höchste Schneedecke des Winters 2024/2025. Die Trockenheit setzt sich seit Herbst 2025 fort. Nun eine beispiellose Hitzewelle im Alpenraum. In Frankreich wurden am Montag, 22. Juni 2026 mehr als 150 absolute Hitzerekorde gebrochen (überalle Monate hinweg). Diese Ko-Existenz von Wetterextremen wurde vorhergesagt – also extreme Regenmengen in kurzer Zeit und dann wochen-, oder gar monatelang wieder trocken. Wir brauchen nicht nur ein besseres Dürremanagement, sondern allgemein einen effektiveren Umgang mit der Ressource Wasser (Stichwort: Poolbefüllung).
Ich erinnere mich noch an meine Urlaubswoche in Bad Goisern etwa eine Woche nach dem verheerenden Septemberhochwasser 2024. Der Hotelwirt erläuterte mir stolz, dass die jahrhundertealten Entlastungskanäle in Bad Goisern jedes Hochwasser verhindern würden. Doch dabei hatte er ein wichtiges Detail weggelassen – von den 250-300mm im Einzugsgebiet des Hallstätter Sees fiel der Großteil in Form von Schnee, nämlich über Stunden hinweg sogar bis zum Talboden auf 500m Seehöhe! Dadurch wurde der Großteil des Niederschlags in fester Form gebunden und verzögert in die Bäche und Flüsse abgegeben. Bei diesen Mengen mit gleichzeitig 2000-2500 Metern Schneefallgrenze hätten wir es mit einer ganz anderen Dimension von Abflussmengen zu tun gehabt, da hätten die Kanäle in Bad Goisern auch nicht mehr viel genutzt. Die niedrige Schneefallgrenze bewahrte übrigens auch Teile der niederösterreichischen Voralpen vor einer größeren Katastrophe.
Ich möchte daher darum bitten, sich seinen Erklärungshorizont offen zu halten und nicht von damals auf heute zu schließen. Die menschengemachte Erderwärmung ist klar belegt, ebenso der Zusammenhang zwischen Erwärmung und Zunahme an absoluter Feuchte in der Atmosphäre. Damit ist hinreichend erklärt, weshalb Starkregen- und Hochwasserereignisse immer heftiger werden. Für die Naturkatastrophen in den Jahrhunderten davor gibt es andere Erklärungen, teils Vulkanausbrüche, teils großflächige Rodungen von Wäldern zur Nutzbarmachung als Acker- und Beweidungsflächen. Der Mensch war, seit es Aufzeichnungen gibt, schon immer ein Faktor. Doch noch nie passierte die Erwärmung in erdgeschichtlich so kurzer Zeit wie jetzt – global und zeitgleich. Das ist der Unterscheid zu damals.