Radtour entlang der Ostgrenze vom Marchfeld (22.05.26)

Blühender Mohn bei Sierning an der March

Wegführung: Bernhardsthal Bf. – Sierning an der March – Angern an der March – Marchegg – Schloss Hof – Engelhartsstetten – Stopfenreuth – Bad Deutsch-Altenburg Bf.

Strecke: 92,3km (+4km Anfahrt zum Bf.) | Höhenmeter: 270 | Gesamtfahrzeit: 6 Std. 40 Minuten

Vögel: u.a. Nachtigall, Drosselrohrsänger (Aufnahme), Grünfink, Star

Tour der Superlative! Für mich die längste Radtour überhaupt – mindestens aber seit 23 Jahren (damals von Gößweinstein nach Hause in mehreren Tagen, da könnten es über 100km pro Tag gewesen sein). Ursprünglich nur bis Marchegg Bahnhof angedacht, aber von dort waren es nurmehr 5km bis Schloss Hof, wo ich noch nie war und von dort war der Weg bis Bad Deutsch-Altenburg nicht mehr weit. Am letzten Stück ging mir dennoch beinahe die Kraft aus, dazu teilweise Gegenwind und der letzte kurze Anstieg von der Donaubrücke zur Marienkirche hatte es in sich.

Erstmals verwendete ich meine Sony RX 100 VI Kompaktkamera mit dem breiten extra bequemen Halsgurt, sodass ich auch während der Fahrt fotografieren konnte, ohne stehenbleiben zu müssen. Das klappte wunderbar. Für Botanik/Tieraufnahmen kam ich aber meist nicht nahe genug heran. Auch neu an Bord: Garmin Edge Explorer 2, ein abgespecktes Navi, aber das kam erst am Vortag mit der Post und ich hatte nicht genügend Zeit, mich mit allen Funktionen vertraut zu machen. Alternativ benutzte ich mein Smartphone mit der Handyhalterung und der Open Cycle Map (siehe Karte) – das Tracken saugte viel weniger Akku als befürchtet.

Anfahrt erst zum Bahnhof Praterstern, dann mit 15min Verspätung im REX nach Bernhardsthal. Außer mir noch mindestens drei Pärchen mit E-Bikes und Gravelbikes, die ebenfalls dort ausstiegen.

Mein Proviant: 1 mit Ziegenkäse belegtes Toastbrot, Gummibärchen, Datteln, 0,75L Apfelsaft still, 1,5L Wasser mit Elektrolyt-Tablette, Kohlenhydratgel – ich bin damit gut ausgekommen, beim nächsten Mal nehm ich dennoch die zweite Satteltasche und nochmal 1,5L Wasser mit.

Track auf der Open Cycle Map

Ich starte also in Bernhardsthal und umrundete als erstes den Bernhardsthaler Teich, mit 25ha die größte Wasserfläche im Weinviertel. Er wurde bereits 1458 erstmals urkundlich erwähnt – damals gab es drei Teiche. 1787 wurde der obere und untere Teich trockengelegt.

Hamelbachviadukt (1839 von Carl Ritter von Ghega geplant), das älteste erhaltene Bahnbauwerk Österreichs
Idyllischer Ort mit trällernden Nachtigallen und Drosselrohrsängern
Straße Richtung Břeclav, nach 2,5km kommt die Staatsgrenze
Viadukt von Osten, dahinter Bernhardsthal

Die ersten Kilometer bis Hohenau an der March handelte es sich großteils um Schotterwege, wodurch der Kraftaufwand trotz (schwachem) Rückenwind höher als mir lieb war, wollte ich doch bewusst in einem niedrigeren Pulsbereich fahren. Stattdessen war ich von Beginn an in der Schwellenzone unterwegs – das sollte sich im letzten Drittel der Tour rächen. Der Radweg war ausgezeichnet ausgeschildert übrigens und verläuft bis Hohenau kilometerlang direkt neben der Bahnstrecke.

Landschaft westlich von Rabensburg

In Hohenau an der March dann dieser Wegweiser:

Vier Übergänge über die March in die Slowakei

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass ich die 77km bis Hainburg zurücklegen würde. Rechts von der Straße Richtung Staatsgrenze steht eine kleine hölzerne Aussichtswarte:

Straße über die Grenze, rechts der ehemalige Kühlteich der Zuckerfabrik (1867-2006) – ein Biotop für verschiedenste Zugvögel
Auch hier machte sich die Trockenheit bemerkbar
Im Hintergrund die Marchauen
Hohenau an der March
Naturschutzgebiete werden oft tangiert oder durchfahren wie hier „In den Sandbergen“
Rückblick – an den Wiesenrändern wuchs die Klebrige Lichtnelke (Silene viscosa)

Das erste Highlight meiner Tour kam kurz danach – die blühenden Mohnfelder bei Sierndorf an der March:

Blick nach Westen
Im Hintergrund das Straßendorf und der Goldberg (217m)
Was für ein Anblick!

Die Ernüchterung erfolgte in der Abfahrt: An etlichen Stellen war der Weg mit grobem Schotter aufgefüllt – ich musste konzentriert fahren, um das Rad stabil zu halten.

Privatbahn RegioJet zwischen Wien und Prag
Eisenbahnerteich, ein Altarm der March im Zuge der Marchregulierung entstanden
Umleitung vor Stillfried wegen dem Bau einer Straßenbrücke ins Erholungsgebiet Marchauen
Teilweise verläuft der Radweg auf dem Damm, bunte Pflanzenwelt
Meist verläuft er aber neben dem Damm

Durch das ständige Hinauf- und Hinabfahren summierten sich die Höhenmeter fast unbemerkt.

Marchfähre in die Slowakei bei Angern an der March – der Ort auf der anderen Seite heißt Zahorská Ves

Erinnerungen wurden sofort wach an den 30. Mai 2024, als wir hier in die Slowakei übersetzten, um die Vápenná (747m) in den Kleinen Karpaten zu besteigen. Wohl auch deswegen hatte ich das Lokal „Das Leben ist schön“ für meine Mittagspause auserkoren. Zwei alkoholfreie Wieselburger und ein Bauerntoast mit Spiegeleiern überbacken füllten die Kohlenhydratspeicher wieder auf (etwas zu fett- und proteinreich, aber schon nach einer halben Stunde war der „Stein im Magen“ verbrannt).

Viel Betrieb beim Grenzübergang

Gut gestärkt hatte ich inzwischen beschlossen, die ganze Strecke bis Hainburg zu fahren.

Wetterstation in Zwerndorf beim Wasserpumpwerk
Sumpf-Schwertlilie (Iris pseudacorus)
Leichter Anstieg nach der Bahnunterführung nach Oberweiden, im Hintergrund die Kleinen Karpaten – markant Vysoká (754m)
Angenehmes Dahinrollen mit Rückenwind
Marterl, dahinter Thebner Kogel (Devinska Kobyla, 514m)
Erstmals tauchen die Hundsheimer Berge auf (ganz rechts)

Ich hatte es der stärkeren Stratocumulus cumulogenitus (Inversionsbewölkung) zu verdanken, dass sich die ganze Strecke überhaupt ausgegangen ist, denn mit der abgeschatteten Sonne war es erträglich und ich verbrauchte weniger Wasser als am Vormittag, wo die Sonne noch vom Himmel brannte.

Pferdeweide mit Schrittempo kurz vor Marchegg

Auf der gegenüberliegenden Seite sah ich bei einem Altarm eine ganze Gruppe von Störchen am Ufer stehen, ein ungewohnter Anblick.

Schloss Marchegg (erstmals im Jahr 1346 als Stadtburg erwähnt), mit Storchennestern

Als Wasserschloss wurde die Burg ab 1621 neugebaut und 1715 barockisiert. Dabei wurde der Wassergraben zugeschüttet.

Zwei Brückenpfeiler kurz vor dem Gebäude über einen markanten Altarm der March (älterer Übergang)
Storchennester mit Webcam (Link)
Jahrhunderte alte Bäume im Schlossgarten

Dann ließ ich es mir nicht nehmen, ein paar Minuten in die Slowakei zu fahren:

Fahrradbrücke „VysoMarch“, die Marchegg mit Vysoká pri Morave verbindet (2022 eröffnet)
Auf der Grenze, rechts Vysoká ganz markant
Im Ausland
ehemaliges Ungartor im Osten – die Stadtmauer war 3km lang – nur in Wien war die Stadtmauer länger
erstmals urkundlich erwähnt 1380, wahrscheinlich aber schon ab 1268 erbaut – hier mit Maßwerkfenster und Dreipassrosen

Von Marchegg waren es nurmehr 5km zum Schloss Hof, und damit war die verbleibende Strecke überschaubar.

Thebener Kogel, rechts Hundsheimer Berg
Wohnblöcke im Süden von Devínska Nová Ves am Fuß des Thebner Kogels, links der Fernsehturm von Bratislava auf dem Kamzik (439m)

Ich bog rechts ab zum Schloss Hof, das auf einer Geländeerhebung (Flussterrasse) liegt – die kurze Steigung hatte es in sich. Gut zu erkennen ist die Erhebung in einer Karte von 1880:

Die dreieckige Erhebung ist rund 25-30m höher als das Umland (Quelle: AMAP/Zeitreise)
Gelände rund um das Barockschloss Hof (ursprünglich: Hoff an der March)

Noch vor dem Schloss bestand die „Feste Hof“ (im 12. Jahrhundert erstmals erwähnt).

Schloss Hof ist auch für seine Ziesel berühmt
Sie haben jegliche Scheuheit verloren
Blick zum Hauptgebäude
Wirtschaftsgebäude „Mayerhof“ vom westlich gelegenen Schloss Niederweiden
Thebener Kogel beim Marchfeldkanal, der bei Langenzersdorf an der Donau beginnt und vor der Staatsgrenze wieder in die Donau mündet (1992 in Betrieb genommen)
Braunsberg, Schlossberg und Hundsheimer Berg
Hundsheimer Berg vor dem Mohnfeld, rechts der Brückenpfeiler der Donaubrücke

Leider gibt es keinen direkten Radweg entlang der Bundesstraße zur Donaubrücke. Man muss ein weites Eck über Stopfenreuth fahren und dann entlang vom Marchfelddamm zur Brücke. Da zählte ich dann schon die Kilometer.

Am Marchfelddamm – ein Blumenmeer

Die Durststrecke war lang. Ich achtete über weite Strecken meiner Route auf die Trockenrasenstandorte an den Böschungen, aber sah vor allem viele Kartäusernelken und Salbei. Nach knapp 90km fand ich dann die ersten Orchideen bei Stopfenreuth:

Helm-Knabenkraut (Orchis militaris)
BrandKnabenkraut (Neotinea ustulata)

Vorletzter Anstieg: Auf die Donaubrücke: Ein schmaler Radweg, bei dem man zwischendurch nicht aufs Handy schauen sollte. Links kreischt der Verkehr schmerzhaft an den Ohren vorbei.

Andreas-Maurer-Brücke (1,8km lang mit 76km hohen Stahlphylon), eröffnet 1973

Konzentrierter Seitenblick zu den Steinbrüchen unterhalb der Marienkirche.

Die romanisch-gotische dreischiffige Pfeilerbasilika steht an einer markanten Geländekante

Früher hieß die Geländekante „Steinbruch am sogenannten Quadenwall“ – der Hang war nicht immer so senkrecht, sondern fiel vor der Steinbruchtätigkeit sanfter zur Donau hin ab. Die Wallanlage im Norden des Kirchbergs wurde durch den Steinabbau zerstört.

Nach der Brücke kam der letzte, glücklicherweise nur kurze knackige Anstieg auf der L2025 auf die Höhe der Marienkirche. Dann zum Bahnhof und über den Steig (allerletzter Anstieg) und ich kam um ca. 16.20 in Bad Deutsch-Altenburg an – 17min vor meinem Zug. Die letzten 2km vom Praterstern nach Hause spürte ich die zurückgelegten Kilometer sehr deutlich beim Sitzen, was nahelegte, ein paar Ruhetage vor der nächsten Radtour einzulegen. Ich konnte hochzufrieden sein und war um etliche Landschaftseindrücke reicher.

Hinterlasse einen Kommentar