
Wegführung: Bernhardsthal Bf. – Sierning an der March – Angern an der March – Marchegg – Schloss Hof – Engelhartsstetten – Stopfenreuth – Bad Deutsch-Altenburg Bf.
Strecke: 92,3km (+4km Anfahrt zum Bf.) | Höhenmeter: 270 | Gesamtfahrzeit: 6 Std. 40 Minuten
Vögel: u.a. Nachtigall, Drosselrohrsänger (Aufnahme), Grünfink, Star
Tour der Superlative! Für mich die längste Radtour überhaupt – mindestens aber seit 23 Jahren (damals von Gößweinstein nach Hause in mehreren Tagen, da könnten es über 100km pro Tag gewesen sein). Ursprünglich nur bis Marchegg Bahnhof angedacht, aber von dort waren es nurmehr 5km bis Schloss Hof, wo ich noch nie war und von dort war der Weg bis Bad Deutsch-Altenburg nicht mehr weit. Am letzten Stück ging mir dennoch beinahe die Kraft aus, dazu teilweise Gegenwind und der letzte kurze Anstieg von der Donaubrücke zur Marienkirche hatte es in sich.
Erstmals verwendete ich meine Sony RX 100 VI Kompaktkamera mit dem breiten extra bequemen Halsgurt, sodass ich auch während der Fahrt fotografieren konnte, ohne stehenbleiben zu müssen. Das klappte wunderbar. Für Botanik/Tieraufnahmen kam ich aber meist nicht nahe genug heran. Auch neu an Bord: Garmin Edge Explorer 2, ein abgespecktes Navi, aber das kam erst am Vortag mit der Post und ich hatte nicht genügend Zeit, mich mit allen Funktionen vertraut zu machen. Alternativ benutzte ich mein Smartphone mit der Handyhalterung und der Open Cycle Map (siehe Karte) – das Tracken saugte viel weniger Akku als befürchtet.
Anfahrt erst zum Bahnhof Praterstern, dann mit 15min Verspätung im REX nach Bernhardsthal. Außer mir noch mindestens drei Pärchen mit E-Bikes und Gravelbikes, die ebenfalls dort ausstiegen.
Mein Proviant: 1 mit Ziegenkäse belegtes Toastbrot, Gummibärchen, Datteln, 0,75L Apfelsaft still, 1,5L Wasser mit Elektrolyt-Tablette, Kohlenhydratgel – ich bin damit gut ausgekommen, beim nächsten Mal nehm ich dennoch die zweite Satteltasche und nochmal 1,5L Wasser mit.

Ich starte also in Bernhardsthal und umrundete als erstes den Bernhardsthaler Teich, mit 25ha die größte Wasserfläche im Weinviertel. Er wurde bereits 1458 erstmals urkundlich erwähnt – damals gab es drei Teiche. 1787 wurde der obere und untere Teich trockengelegt.




Die ersten Kilometer bis Hohenau an der March handelte es sich großteils um Schotterwege, wodurch der Kraftaufwand trotz (schwachem) Rückenwind höher als mir lieb war, wollte ich doch bewusst in einem niedrigeren Pulsbereich fahren. Stattdessen war ich von Beginn an in der Schwellenzone unterwegs – das sollte sich im letzten Drittel der Tour rächen. Der Radweg war ausgezeichnet ausgeschildert übrigens und verläuft bis Hohenau kilometerlang direkt neben der Bahnstrecke.

In Hohenau an der March dann dieser Wegweiser:

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass ich die 77km bis Hainburg zurücklegen würde. Rechts von der Straße Richtung Staatsgrenze steht eine kleine hölzerne Aussichtswarte:






Das erste Highlight meiner Tour kam kurz danach – die blühenden Mohnfelder bei Sierndorf an der March:



Die Ernüchterung erfolgte in der Abfahrt: An etlichen Stellen war der Weg mit grobem Schotter aufgefüllt – ich musste konzentriert fahren, um das Rad stabil zu halten.





Durch das ständige Hinauf- und Hinabfahren summierten sich die Höhenmeter fast unbemerkt.

Erinnerungen wurden sofort wach an den 30. Mai 2024, als wir hier in die Slowakei übersetzten, um die Vápenná (747m) in den Kleinen Karpaten zu besteigen. Wohl auch deswegen hatte ich das Lokal „Das Leben ist schön“ für meine Mittagspause auserkoren. Zwei alkoholfreie Wieselburger und ein Bauerntoast mit Spiegeleiern überbacken füllten die Kohlenhydratspeicher wieder auf (etwas zu fett- und proteinreich, aber schon nach einer halben Stunde war der „Stein im Magen“ verbrannt).

Gut gestärkt hatte ich inzwischen beschlossen, die ganze Strecke bis Hainburg zu fahren.






Ich hatte es der stärkeren Stratocumulus cumulogenitus (Inversionsbewölkung) zu verdanken, dass sich die ganze Strecke überhaupt ausgegangen ist, denn mit der abgeschatteten Sonne war es erträglich und ich verbrauchte weniger Wasser als am Vormittag, wo die Sonne noch vom Himmel brannte.

Auf der gegenüberliegenden Seite sah ich bei einem Altarm eine ganze Gruppe von Störchen am Ufer stehen, ein ungewohnter Anblick.

Als Wasserschloss wurde die Burg ab 1621 neugebaut und 1715 barockisiert. Dabei wurde der Wassergraben zugeschüttet.



Dann ließ ich es mir nicht nehmen, ein paar Minuten in die Slowakei zu fahren:





Von Marchegg waren es nurmehr 5km zum Schloss Hof, und damit war die verbleibende Strecke überschaubar.


Ich bog rechts ab zum Schloss Hof, das auf einer Geländeerhebung (Flussterrasse) liegt – die kurze Steigung hatte es in sich. Gut zu erkennen ist die Erhebung in einer Karte von 1880:


Noch vor dem Schloss bestand die „Feste Hof“ (im 12. Jahrhundert erstmals erwähnt).







Leider gibt es keinen direkten Radweg entlang der Bundesstraße zur Donaubrücke. Man muss ein weites Eck über Stopfenreuth fahren und dann entlang vom Marchfelddamm zur Brücke. Da zählte ich dann schon die Kilometer.

Die Durststrecke war lang. Ich achtete über weite Strecken meiner Route auf die Trockenrasenstandorte an den Böschungen, aber sah vor allem viele Kartäusernelken und Salbei. Nach knapp 90km fand ich dann die ersten Orchideen bei Stopfenreuth:


Vorletzter Anstieg: Auf die Donaubrücke: Ein schmaler Radweg, bei dem man zwischendurch nicht aufs Handy schauen sollte. Links kreischt der Verkehr schmerzhaft an den Ohren vorbei.

Konzentrierter Seitenblick zu den Steinbrüchen unterhalb der Marienkirche.

Früher hieß die Geländekante „Steinbruch am sogenannten Quadenwall“ – der Hang war nicht immer so senkrecht, sondern fiel vor der Steinbruchtätigkeit sanfter zur Donau hin ab. Die Wallanlage im Norden des Kirchbergs wurde durch den Steinabbau zerstört.
Nach der Brücke kam der letzte, glücklicherweise nur kurze knackige Anstieg auf der L2025 auf die Höhe der Marienkirche. Dann zum Bahnhof und über den Steig (allerletzter Anstieg) und ich kam um ca. 16.20 in Bad Deutsch-Altenburg an – 17min vor meinem Zug. Die letzten 2km vom Praterstern nach Hause spürte ich die zurückgelegten Kilometer sehr deutlich beim Sitzen, was nahelegte, ein paar Ruhetage vor der nächsten Radtour einzulegen. Ich konnte hochzufrieden sein und war um etliche Landschaftseindrücke reicher.