
Erster Besuch zuhause seit etlichen Jahren einmal wieder im Mai zur Wachstumszeit der Vegetation. Leider mit sehr durchwachsenem Wetter und täglichen Regenschauern. Dazu wehte ein kalter Nordwestwind bei knapp zweistelligen Höchstwerten. Sonst wäre sich zumindest eine Vormittagstour ausgegangen. Dafür sammelte ich auch so genügend interessante Eindrücke aus der Region, in der ich zumindest zwanzig Jahre meines Lebens verbrachte.
Spaziergang am Main in Miltenberg-West
Start beim Parkplatz neben dem Edeka und nicht weit entfernt vom stolzen Empfangsgebäude des ehemaligen Miltenberger Hauptbahnhofs, ein Kopfbahnhof in unmittelbarer Nähe zur historischen Altstadt, dem Schwarzviertel.





Die alte Mudbrücke stach mir sofort ins Auge. Direkt daneben liegt ein altes Gebäude, das heute als Schrottplatz fungiert. Es handelt sich um den ehemaligen Lokschuppen zum Hauptbahnhof (1906-1976). Am 12. November 1876 erhielt Miltenberg einen Eisenbahnanschluss (Aschaffenburg – Miltenberg). Der Bahnhof wurde bewusst vom Königreich Bayern so angelegt, dass keine Weiterführung nach Amorbach oder Wertheim möglich war, um eine Konkurrenz mit der badischen Ludwigsbahn zu vermeiden.

Im Jahr 1880 wurde die Strecke nach Amorbach eröffnet, dort gab es ab 1899 einen Anschluss an das badische Seckach. 1906 wurde die Lokalbahn nach Stadtprozelten eröffnet. Spätestens jetzt erwies sich die Lage des Hauptbahnhofs als strategischer Fehler, da der Platz nach der (heute noch existierenden Eisenbahnbrücke) zu knapp war für eine Einfahrskurve. Die Züge von Stadtprozelten kommend mussten erst in Miltenberg-Nord halten, dann über die Brücke fahren und zum Hauptbahnhof zurücksetzen. 1912 wurde der Anschluss an die Lauda-Wertheim-Bahnstrecke geschaffen.

Die Deutsche Bahn entschied sich 1972 für einen großen Umbau, die heutige Lösung: Miltenberg-Nord wurde 1977 zum Bahnhof und der Hauptbahnhof zum Güterbahnhof. Ab 1997 verlagerten wichtige Kunden ihre Transporte auf die Straße und der letzte Güterzug verließ den Bahnhof am 20. Dezember 2001. Im Herbst 2007 wurden die Gleisanlagen vollständig abgebaut. Bis heute wird die Strecke Aschaffenburg – Miltenberg mit Diesellocks betrieben und stellt keine wirkliche Konkurrenz zum Auto dar (45 vs. 30min).

Nach dem Spaziergang ging es mit dem Auto hinauf zum Schützenhaus über die Obere Waldürrner Straße, gesäumt von wohlhabenden Bürgern.


In der Spitzkehre ging ein Wanderweg zur Hochfläche bei Wenschdorf weiter. In meiner Kindheit sind wir hier öfter mit dem Schlitten hinabgefahren.
Ein weiterer Abstecher nach Bürgstadt gegenüber und zum Naturpark Stutz führte uns zur Marienkapelle am Stutz mit prächtigem Blick auf Bürgstadt, Miltenberg und das „linke untere Mainviereck“.


Die Mainbrücke wurde im Jahr 1900 eröffnet und 1945 von deutschen Truppen gesprengt. Der Wiederaufbau war 1950 abgeschlossen. Die Martinsbrücke wurde 2008 eröffnet.
Manche Sehenswürdigkeiten sind mir bis heute neu, etwa die Heunesäulen am Haineberg, rund 1000 Jahre alte Steinsäulen, die im Wald herumliegen, bei Mainbullau, oder das Felsenmeer oberhalb vom Schnatterloch.
2. Seltenbachschlucht bei Klingenberg
Seit Jahren wollte ich die Schlucht schon einmal gehen. Dieses Mal passte es vom Wetter her. Vom Zeitaufwand her keine Hexerei, es waren insgesamt 3,7km und 130hm hin und zurück, mit einem Abstecher in die Heunenschlucht.
Klingenberg kommt von Clinge = Schlucht.
Start hinter dem Bekleidungsgeschäft Breunig. Die Schlucht wurde erst 1901 begehbar gemacht. Mehr Bilder hier.






Ich folgte dem Wegweiser in die Heunenschlucht. Der Steig wurde rasch schmaler und ein paar Felsblöcke waren zu überwinden. Ich ging bis zur nächsten Forststraße und drehte wieder um.

Am wahrscheinlichsten dienten die Mauern als Erosionsschutz, um zu verhindern, dass der Hang instabil wurde und bei Starkregen die Schlucht blockiert wurde.


Der tief eingeschnittene Teil war leider kürzer als die Bilder vermuten ließen – der Rest ein unspektakulärer, wenn auch schön schattiger Waldgraben. Im Sommer sicherlich angenehm kühl.


Das Tonbergwerk verhalf der Stadt Klingenberg zum Reichtum und war von 1742 bis 2011 in Betrieb. Hier wurden reine Tone abgebaut, die sich vor etwa 30 Millionen Jahren ablagerten. An 21 Stellen wurde Ton gefördert. Seine Blütezeit erlebte das Bergwerk zwischen 1860 und 1914. Heute ist eine Greifvogelpflegestation auf dem Gelände untergebracht.
3. Naturschutzgebiet Grohberg bei Breitenbrunn
Der Main hat sich im Laufe der Zeit immer weiter eingetieft. Davor bildete er markante Schlingen, die irgendwann trocken fielen. Zu den markanten Umlaufbergen zählen heute der Romberg (230m) bei Sendelbach, der Achtelsberg (235m) bei Hafenlohr, der Rainberg (250m) bei Kreuzwertheim und der Grohberg (237m) zwischen Faulbach und Breitenbrunn. Der Ort Marktheidenfeld liegt in einer erodierten Schlinge des Mains.

Ich fand einen Artikel zu einer Orchideenexkursion am Grohberg – die Jahreszeit, Mitte Mai, sollte passen, um Orchideen aufzuspüren. Die Bestände an Orchideen scheinen dort aber stark zu schwanken, wie dieser Bericht von 2011 zeigt.










Stadtprozelten hat seinen Namen von mittelhochdeutsch brat = Fleisch braten und althochdeutsch selde = Haus, zusammengesetzt also Bratselde = Herberge zum Einkehren. Erstmals erwähnt wurde der Ort durch Timo de Bratselde im Jahr 1127, der als Aufttrageber für einen romanischen Vorläuferbau der Burg Prozelten gilt. Deren Überreste sind zahlreich in der heutigen Ruine verbaut.




4. Hausrotschwanz im Garten

5. Miltenberg Altstadt und Burg
Spaziergang durch den Stadtpark zur Mildenburg und über das Schnatterloch und die Altstadt zum Alten Jüdischen Friedhof. In Miltenberg ging ichs ins Gymnasium, aber die Stadt richtig erkundigt habe ich nie. So gesehen eine Entdeckungsreise über zwanzig Jahre später.
Was ich nicht wusste: Auf den Ruinen des ehemaligen römischen Kastells Miltenberg-Altstadt wurde eine mittelalterliche Stadt gebaut (Wallhausen) – 1237 teilweise zerstört worden und in den folgenden Jahrzehnten aufgelassen. Die Fundamente des ehemaligen Kirchturms sind noch erhalten.















Im Alten Rathaus hab ich als Volksschüler Blockflöte und später Gitarre gespielt. Die Hochwassermarke fand ich schon immer fasziniered. Das Niveau der alten Hauptstraße liegt rund drei Meter über dem heutigen Fluss-Niveau.
Ein schweres Hochwasser ist für das Jahr 1784 vermerkt. Im Juni 1783 brach auf Islad die Lakispalte aus und verursachte eine massive Aerosolwolke („Höhenrauch“, „trockener Nebel“) bis nach Mitteleuropa („Móðuharðindin“). Auf Island starb rund ein Viertel der Bevölkerung als Folge der ausgelösteten Hungerkatastrophe. Der dichte Nebel senkte sich bis Bodennähe herab und schränkte die Sichtweite auf den Meeren und am Land ein. Der nachfolgende vulkanische Winter war sehr streng mit viel Schnee. Im Frühjahr 1784 kam ein plötzliches Tauwetter und verursachte ein Jahrhunderthochwasser.
Weitere Hochwassermarken:
- 30. März 1845 (Tauwetter, Regen, Eis- und Schneeschmelze)
- 27. November 1889
- 02. Februar 1862
- 20. Februar 1874
- 1920 stand das Wasser ebenfalls in der Altstadt (Bild)
Jüngere Hochwässer erreichten mit 6m Höchststand mehrfach auch die historische Altstadt (Schwarzviertel), aber nicht mehr den Fuß vom Alten Rathaus – zuletzt 2011, 2003, 1995 und 1993.




Sehenswert auch die alte jüdische Synagoge, erstmals 1335 erwähnt, erbaut ca. 1290, damit eine der ältesten Synagogen Deutschlands. Eine ausführliche Beschreibung gibt es hier.
6. Großheubach

