Der Tag mit dem durchziehenden Kaltlufttropfen (Höhentief) aus Nordost. Die geplante gemeinsame Radtour von Wien nach Hollabrunn fiel den erwartenden Niederschlägen, dem Gegenwind und der Kälte zum Opfer. Als am Vormittag dann in Wien die Sonne durchblinzelte, hielt es mich zuhause nicht mehr und ich visierte die Föhrenberge an.
Der ursprüngliche Plan war eine Besteigung aller vier (benannten) Wände an einem Tag – angefangen mit der Pfefferwand, die mir noch fehlt, und dann über Weinzettlwand, Spiesswand und Polleroswand weiter, die ich bereits einzeln bestiegen habe. Das ist aus verschiedenen Gründen nicht ganz aufgegangen, aber es kam dennoch eine stattliche Anzahl an Höhenmetern und vor allem Strecke zusammen, die noch dazu recht abwechslungsreich war.
Höhenmeter: ca. 2100 | Strecke: ca. 15km | Gehzeit: 3 Std. Aufstieg zur Hütte, 4,5 Std. Aufstieg Gipfel, 3 Std. 50 Minuten Abstieg ins Tal
Gemeinsam mit meinem Studienkollegen Nik erfüllte ich mir einen lang gehegten Traum, zum Einen meine erste Hüttenübernachtung, zum Anderen mein erster 3000er. Rückblickend sollte der Habicht fast neun Jahre lang mein höchster Gipfel bleiben, erst am 25. Juli 2018 schaffte ich es im Zuge einer geführten Alpenvereinswoche auf den noch höheren Saykogel (3355m), der technisch etwas leichter als der Habicht ist.
Unser Plan sah vor, am ersten Tag auf die Innsbrucker Hütte zu steigen und die Kalkwand (2564m) in der Nähe noch mitzunehmen. Am zweiten Tag dann der Gipfel und Direktabstieg ins Tal.
Ein Tag, an dem gefühlt alle meine Wandersleut im Bekanntenkreis unterwegs waren. Die einen suchten den Schnee, der ziemlich sulzig und schwer war, ich suchte Wärme und Farben in der Natur nach den langen Wochen eisigen Nebelwetters. Auf meiner üblichen Runde fand ich die Frühlingsvorboten, und kam auch mit dem Sonnenschein auf meine Kosten. Negativer Beigeschmack nur durch die starke Haselpollenbelastung (vor allem Kopfweh), was ich aber durch Antihistaminika rasch in den Griff bekam).
Ausnahmsweise ist ein Adriatief-Ereignis so eingetroffen wie es die Wettermodelle Tage vorher schon angedeutet haben. Der Niederschlagsschwerpunkt lag dabei in der Ost- und Südosthälfte von Österreich und brachte verbreitet das größte Neuschnee-Ereignis seit 13 bzw. 21 Jahren. Im Wiener Becken und Burgenland fielen 15-30mm als Schnee, in der südlichen Steiermark 40-60mm. Verbreitet kam es zu Stromausfällen durch umgestürzte Bäume auf Oberleitungen. Der Verkehr brach zusammen. In Wien fielen im Stadtgebiet 15-20cm, am Hermannskogel waren es rund 30cm, mit Verwehungen 50cm.
Der Grund für den späten Schneereigen war dieses formschöne Adriatief mit ausgeprägter Dry Intrusion über Kroatien, Saharastaub-Cirrus über Thüringen, Sachsen, Südpolen und teilweise Ungarn. Der Okklusionspunkt lag über Ostösterreich. Insgesamt intensive Hebung durch Aufgleiten der milden Mittelmeerluft auf einströmende Kaltluft aus Norden, zugleich Staueffekte.
Am Vortag und selbst in der Früh überlegte ich noch, ob ich es wagen sollte, nach Gumpoldskirchen (Anninger) oder ins Helenental (Hoher Lindkogel) zu fahren, entschied mich wegen der vielen Zugausfälle dann aber dagegen. Angesichts der Neuschneemengen konnte ich es wagen, mit kurzer Anfahrt direkt in Döbling zu starten. Damit war diese Tour für mich eine Premiere: Erstmals auf Wiener Boden mit Schneeschuhen unterwegs! Im Verlauf der Wanderung stieg die Lufttemperatur auch in den höheren Wienerwaldlagen knapp ins Plus. Die diffuse Strahlung bewirkte ein Anfeuchten und Setzen der Schneedecke.
Tour mit Günter am wahrscheinlich mildesten Tag der Woche (in Mürzzuschlag plus 7 Grad, auf 1500m rund +2 Grad). Eigentlich hatte ich die Region ausgesucht, weil dort am Chancen auf etwas Sonne bestehen sollten. Dafür hätten wir zum Wechsel oder Fischbacher Alpen wechseln müssen. Der kompakte Altostratus des aufziehenden Mittelmeertiefs ließ die Sonne nie wirklich zum Zug kommen.
In der ersten Stunde war mein Puls recht hoch (Herzfrequenz mit Brustgurt gemessen), aber da wurden auf 1,8km Strecke rund 320hm überwunden, also ein recht steiler Anstieg. In weiterer Folge schwankte der Puls stärker, im Abstieg lag er durchgehend unter 135. Das scheint realistisch, dann passen auch ungefähr die rund 2900 verbrannten kcal. Ich hab erst seit kurzem mit der Messung begonnen und werde das weiter beobachten.
Der ewige Nebel ging mir schon gewaltig auf die Nerven, aber es half nichts. Deswegen konnte ich mich nur für eine kurze Etappe motivieren. Mit dem auflebenden Südostwind hoffte ich lange vergebens auf Auflockerungen.
Höhenmeter: 650hm | Strecke: 11,0km | Gehzeit: ca. 4 Stunden
Track auf Open Hiking Map (korrigiert mit GPX Studio)
Langsam geht mir die monotone Witterung auch auf die Nerven. Zu wenig für Schneeschuhe, zu kalt zum länger Verweilen im Freien und die Hütten oft gesteckt voll an den Wochenenden. Für manche ambitioniertere Routenführungen liegt wieder zu viel Schnee und Eis. Kurz hatte ich überlegt, nach Salzburg zu fahren und auf den Gaisberg zu gehen, doch auch da sitze ich lieber im Freien und lasse mir die Sonne auf den Bauch scheinen. Bei der Kartendurchsicht fiel mir auf, dass ich den Irrweg ab Kaltenleutgeben noch nie gegangen bin. Zudem war ich auch am Kleinen Flösslberg erst einmal, zu Pandemiebeginn, und hatte entsprechend kaum nennenswerte Erinnerungen daran. Dieses Mal keine Probleme bei der Anfahrt, halleluja.
Das Gesamtrésumée: Schon lange keine so abwechslungsreiche Tour mehr genossen. Bisher war es zwar ein ungleich winterlicherer Winter als die letzten Jahre, aber dennoch schneearm und mit Schneeschuhen einfach nichts zu holen. Dafür reizvolle Reifstimmungen unter bzw. im Nebel mit Winterlandschaft in den Niederungen und ewiger Fernsicht am Berg.
Eine Winterwanderung mit Anlaufschwierigkeiten. Mangels vernünftiger Alternativen und unnötiger langer Wartezeiten in der Eiseskälte habe ich es dann doch durchgezogen und erstmals ein Taxi für die Anfahrt benutzt.