Die 4 Ghega-Wände auf einen Streich, Semmering (06.04.26)

Track auf der OTM

Wegführung: Breitenstein Bf. (10.00) – Weinzettelwand-West (Aussichtsplatz, 10.30) – Gipfel (875m) und Ost (Aussichtsplatz, 10.50-11.00) – Pfefferwand-West (819m, 12.05) und -Ost (821m, 12.25) – Ghf. Polleros – Kreuzberg (1084m, 14.40) – Speckbacher Hütte (1094m, 15-16) – Polleroswand (979m, 17.00) – Pollerosfenster (17.15) – Spiesswand (915m, 18.10) – Breitenstein Bf. (18.30)

Höhenmeter: ca. 800 | Strecke: 14,6km

Viecher: 3 Zeckenstiche

Feiertagswanderung zu dritt. Der ursprünglich anvisierte Streimling in den Gutensteiner Alpen fiel den vorlaufenden Schauern und Gewittern am Vorabend zu Opfer. Damit wäre die vollständig weglose Runde im Steilgras unangenehm feucht geworden. Zudem gab es auch ein paar luftige Passagen, wo der kräftige Nordwestwind gestört hätte. Stattdessen also die vier Wände entlang der Semmeringbahn (Adlitzgräben), die ich etwa drei Wochen vorher schon einmal versucht hatte. Damals scheiterte ich an der körperlichen Fitness.

Dieses Mal passte alles und auch der lebhafte Winde störte bei den teilweise weglosen Gratgeschichten nicht. Schön abenteuerlich war es jedenfalls und definitiv eine kluge und zugleich vernünftige Entscheidung, beim letzten Pfefferwand-Besteigungsversuch alleine wieder umgedreht zu sein.

Für Nachahmer: Beschildert ist nur der Weg zur Polleroswand. Bei den Aussichtsplätzen an der Weinzettelwand gibt es ein Geländer, Bank und Informationstafeln, aber keine Wegbeschilderung. Die Pfefferwand ist komplett weglos und erfordert Trittsicherheit und Schwindelfreiheit und gute Orientierung/Erfahrung im Fels- und Steilwaldgelände. Nichts für Anfänger!

Wir starteten also beim Parkplatz direkt unterhalb vom Bahnhof Breitenstein unsere Tour.

Spiesswand (915m) mit Polleroswand (979m) dahinter, rechts Breitenstein. Kalte-Rinne-Viadukt derzeit eingehüllt.

Zunächst über einen breiten Weg unschwierig zum Westgipfel der Weinzettelwand (875m):

Bild von Günter

Westgipfel mit Raxblick und Polleroswand nun prominenter.

Dahinter ganz links Kaltenberg (1302m) und Luckerte Wand (1128m)
Erika

Über den Kamm im schönen Föhren-Fichtenwald schritten wir, den Hauptgipfel mitnehmend, zum Aussichtsplatz im Osten der Wand.

Klamm mit der Ruine, links Eichberg (818m), rechts Raachberg (908m), im Hintergrund Rosalia und Bucklige Welt
Seidelbast

Bei meiner letzten Besteigung aus der Gegenrichtung wich ich der umzäunten Wiese im Osten der Weinzettelwand aus und stieg einen steilen Waldhang hinauf. Dieses Mal folgten wir dem gut ausgetretenen Steig bis zum Ende und standen dann beim ersten Stacheldrahtzaun an. Unter dem zweiten Stacheldrahtzaun mussten wir durchrobben, der dritte hatte zumindest keinen mittleren Draht und der untere lag am Boden.

Wolfgang beim Unterkriechen des zweiten Zauns

Für Nachahmer: Besser weglos über den Waldhang zur frisch planierten Zufahrtsstraße der ÖBB oberhalb des Viadakts absteigen.

Rote Pestwurz (Petasites hybridus)

Bald standen wir nahe dem in der OSM mit Nummer 157 bezeichnetem Haus, in Google Nr. 51. Nachdem auf der anderen Seite der Bahn ein Haus mit der Nummer 50 steht, klingt 51 plausibler. Dort stiegen wir problemlos in der Scharte auf den Beginn des Grates auf. Dort drehte ich damals um, weil ich den gut ausgetretenen Steig nicht fand.

Wir fanden ihn auch erst nach Überwindung einer Steilstufe. Stellvertretend für die ganzen Pfefferwand: Schrofen und Waldhang hatten jede Menge loses Gestein – jeder Schritt und jeder Griff wollte gut geprüft sein.

Günter hilft Wolfgang über die Schlüsselstelle mit einem besonders hohem Schritt

Dahinter folgte erst Gehgelände, ehe wir bei einem steilen Abbruch in die linke Flanke auswichen. Mit weiteren hohen Schritten auf festem Waldboden und dank freundlicher Unterstützung von den Bäumen hangelten wir weiter hinauf.

West-Gipfel (819m)

Spannend war jeweils, was am Ende des sichtbaren Grats folgen sollte. Ein senkrechter Abbruch? Stattdessen folgte immer gut gestuftes Felsgelände mit Bäumen zum Festhalten.

Repräsentativ für den Übergang vom West- zum Ostgipfel
Eine Steilstufe wird abgestiegen
Rechts pfiff es ordentlich in die Adlitzgräben hinab – immerhin knapp 200 Höhenmeter.
Ein Gratzacken wird links umgegangen.

Nach einer ausgeprägten Scharte stiegen wir flach wieder auf den Grat auf.

Rückblick zur Weinzettelwand links
Aufschwung zum Ostgipfel voraus
Alpen-Aurikel oder Petergstamm (nicht dasselbe, über die exakte Art sollen sich die Botaniker den Kopf zerbrechen) blühten vertreut
Tiefblick zum Hof an der Pefferstraße
Gamperlgrabenviadukt (152m lang und 37m hoch)

Nach rund einer Dreiviertelstunde Gehzeit ab Gratbeginn errichten wir den Hauptgipfel der Pfefferwand (821m).

Blick zum Raachberg gegenüber
Bild von Günter (ich hielt mich wegen dem lebhaften Westwind fest, und weil der Platz ziemlich exponiert war)

Bis dahin soweit so gut. Nur wo sollten wir am besten absteigen?

Steiler, erdiger mit rutschigem Laub und losen Steinen bedeckter Hang

Die erste sich bietende Option war eine schlechte Idee. Der Hang wurde nach unten zu immer steiler und von oben sahen wir außerdem den Abbruch einer weiteren Felswand nicht. Also wieder zurück zum Grat und dann zu der ausgeprägten Scharte absteigend. Günter und ich hatten den gleichen Gedanken: Am ehesten konnte man dort zum Forstweg absteigen, der sich zum Haus Nr. 51 hinaufzog. Unten sah man zudem Heuballen durchschimmern – das sah machbar aus.

Steiler Waldhang mit jede Menge lockeren Steinen
Unterholzruachlerei
Rückblick auf das steilste Stück, dafür gut gestuft mit Felsen
Rückblick auf den Hang

Der untere Teil war nicht einfacher, da es weniger Bäume zum Anhalten gab und wir mehrfach Steinschlag lostraten. Unten bei den Heuballen angekommen legten wir endlich die verdiente Rast ein. Die Pfefferwand war ein echter „Arbeitssieg“.

Ruine Klamm genau vor dem Raachberg

Die Ruine selbst ist zwar leider in Privatbesitz, es gibt aber offenbar ein Steiglein, was bis zu den Felsen unterhalb heranführt. Ein zweiter Aussichtspunkt weiter östlich heißt Luisenhöhe und eine „Inschriftenbuche“ verzeichnet die OSM auch. Bissl was zu tun bleibt also noch in den Adlitzgräben.

Now for something completely different:

Konvergenzzone mit Cumulus mediocris über dem Wiener Becken

Die Konvergenz mit der Wolkenstraße entwickelte sich genau wie am Vortag vorhergesagt, blieb aber sonst ohne Auswirkungen. Über einen moderat ansteigenden Forstweg und anschließend auf der Straße stiegen wir zum Gasthof Polleres an, der sogar geöffnet hatte. Am Kamm weiter, die beliebte MTB-Route über den Kreuzberg.

Eng mit Hohem Hengst im Hintergrund
Wunderschöne Föhnwolken (Altocumulus lenticularis) über Sonnwendstein bis Stuhleck
Hochschwab, Sperrkogel und Veitsch noch sehr winterlich

Auf der Terrasse der Speckbacher Hütte hatten wir überraschenderweise viel Platz. Ostermontag war offenbar eher Familientag statt Ausflugstag. Ich blieb bei der Kaspressknödelsuppe, aber die Bratwürstelsuppe mit Kartoffeln sah auch gut aus. Dazu ein Raxbier. Nach einer Stunde Rast brachen wir auf, denn zwei Wände warteten noch auf uns.

Bestes Licht am Nachmittag auf Grassberg, Otterfamilie, Sonnwendstein, Dürriegel und Hirschenkogel
Rückblick auf die noch kuhlose Weide
Schönes Licht
Ausgeprägte hochreichende Leewellen („mountain waves“) mit großer Wellenamplitude

Über die Wiese kürzten wir im unteren Teil ab, dadurch kam es zu Stacheldrahtzaun-Überwindung Nr. 4, aber das war nicht allzu schwer.

Nun über einen der vielen Pfeffersteige hinauf zur Polleroswand

Bei unseren Erstbesteigung im Oktober 2019 sind Günter und ich ebenfalls von der Speckbacher Hütte gekommen, aber dann zuerst zum Pollerosfenster gegangen. Damals sind wir direkt an der Abbruchkante weiter zum höchsten Punkt geklettert.

Das war noch nicht der höchste Punkt
Vor uns der Ausstieg
Blick auf das eingehüllte, derzeitig eingleisige Kalte-Rinne-Viadukt
Fortsetzung der Polleroswand
Pfefferwand und Ruine Klamm, rechts der Anstieg zur Weinzettelwand
Pollerosfenster
Spiesswand (915m) gegenüber
Regungslose Blindschleiche
Überquerung des Baumgartnergrabens am gut beschilderten Pfeffersteig

Die leichtestzugängliche Wand dann zum Abschluss:

Wolfgang und Günter am gut erkennbaren Kammweg
Am späten Nachmittag warf ich meinen Schatten voraus
Meine Freunde folgen aus der Finsternis nach
Krauselklauseviadukt

Der Pfeffersteig unterquert das Viadukt und führt hinab zur Kalte-Rinne-Straße.

Buchs-Kreuzblume (Polygala chamaebuxus)

In einer kleinen Scharte sah ich Wegspuren abzweigen. Von dort hatte man einen imposanten Eindruck der Spießwandnordabbrüche

Spießwand im Abendlicht
Letzter Tiefblick in die Adlitzgräben, gegenüber Wolfsbergkogel (960m) und rechts Semmeringkogel (1166m)
Weinzettelwand-Westgipfel
Riesige stehende Wellen am Himmel am Abend

Um halb sieben waren wir beim Auto zurück. Zufrieden konnten wir auf einen abwechslungsreichen Tag zurückblicken.

Hinterlasse einen Kommentar