
Wegführung: Breitenstein Bf. (10.00) – Weinzettelwand-West (Aussichtsplatz, 10.30) – Gipfel (875m) und Ost (Aussichtsplatz, 10.50-11.00) – Pfefferwand-West (819m, 12.05) und -Ost (821m, 12.25) – Ghf. Polleros – Kreuzberg (1084m, 14.40) – Speckbacher Hütte (1094m, 15-16) – Polleroswand (979m, 17.00) – Pollerosfenster (17.15) – Spiesswand (915m, 18.10) – Breitenstein Bf. (18.30)
Höhenmeter: ca. 800 | Strecke: 14,6km
Viecher: 3 Zeckenstiche
Feiertagswanderung zu dritt. Der ursprünglich anvisierte Streimling in den Gutensteiner Alpen fiel den vorlaufenden Schauern und Gewittern am Vorabend zu Opfer. Damit wäre die vollständig weglose Runde im Steilgras unangenehm feucht geworden. Zudem gab es auch ein paar luftige Passagen, wo der kräftige Nordwestwind gestört hätte. Stattdessen also die vier Wände entlang der Semmeringbahn (Adlitzgräben), die ich etwa drei Wochen vorher schon einmal versucht hatte. Damals scheiterte ich an der körperlichen Fitness.
Dieses Mal passte alles und auch der lebhafte Winde störte bei den teilweise weglosen Gratgeschichten nicht. Schön abenteuerlich war es jedenfalls und definitiv eine kluge und zugleich vernünftige Entscheidung, beim letzten Pfefferwand-Besteigungsversuch alleine wieder umgedreht zu sein.
Für Nachahmer: Beschildert ist nur der Weg zur Polleroswand. Bei den Aussichtsplätzen an der Weinzettelwand gibt es ein Geländer, Bank und Informationstafeln, aber keine Wegbeschilderung. Die Pfefferwand ist komplett weglos und erfordert Trittsicherheit und Schwindelfreiheit und gute Orientierung/Erfahrung im Fels- und Steilwaldgelände. Nichts für Anfänger!
Wir starteten also beim Parkplatz direkt unterhalb vom Bahnhof Breitenstein unsere Tour.

Zunächst über einen breiten Weg unschwierig zum Westgipfel der Weinzettelwand (875m):

Westgipfel mit Raxblick und Polleroswand nun prominenter.


Über den Kamm im schönen Föhren-Fichtenwald schritten wir, den Hauptgipfel mitnehmend, zum Aussichtsplatz im Osten der Wand.


Bei meiner letzten Besteigung aus der Gegenrichtung wich ich der umzäunten Wiese im Osten der Weinzettelwand aus und stieg einen steilen Waldhang hinauf. Dieses Mal folgten wir dem gut ausgetretenen Steig bis zum Ende und standen dann beim ersten Stacheldrahtzaun an. Unter dem zweiten Stacheldrahtzaun mussten wir durchrobben, der dritte hatte zumindest keinen mittleren Draht und der untere lag am Boden.

Für Nachahmer: Besser weglos über den Waldhang zur frisch planierten Zufahrtsstraße der ÖBB oberhalb des Viadakts absteigen.

Bald standen wir nahe dem in der OSM mit Nummer 157 bezeichnetem Haus, in Google Nr. 51. Nachdem auf der anderen Seite der Bahn ein Haus mit der Nummer 50 steht, klingt 51 plausibler. Dort stiegen wir problemlos in der Scharte auf den Beginn des Grates auf. Dort drehte ich damals um, weil ich den gut ausgetretenen Steig nicht fand.
Wir fanden ihn auch erst nach Überwindung einer Steilstufe. Stellvertretend für die ganzen Pfefferwand: Schrofen und Waldhang hatten jede Menge loses Gestein – jeder Schritt und jeder Griff wollte gut geprüft sein.

Dahinter folgte erst Gehgelände, ehe wir bei einem steilen Abbruch in die linke Flanke auswichen. Mit weiteren hohen Schritten auf festem Waldboden und dank freundlicher Unterstützung von den Bäumen hangelten wir weiter hinauf.

Spannend war jeweils, was am Ende des sichtbaren Grats folgen sollte. Ein senkrechter Abbruch? Stattdessen folgte immer gut gestuftes Felsgelände mit Bäumen zum Festhalten.




Nach einer ausgeprägten Scharte stiegen wir flach wieder auf den Grat auf.





Nach rund einer Dreiviertelstunde Gehzeit ab Gratbeginn errichten wir den Hauptgipfel der Pfefferwand (821m).


Bis dahin soweit so gut. Nur wo sollten wir am besten absteigen?

Die erste sich bietende Option war eine schlechte Idee. Der Hang wurde nach unten zu immer steiler und von oben sahen wir außerdem den Abbruch einer weiteren Felswand nicht. Also wieder zurück zum Grat und dann zu der ausgeprägten Scharte absteigend. Günter und ich hatten den gleichen Gedanken: Am ehesten konnte man dort zum Forstweg absteigen, der sich zum Haus Nr. 51 hinaufzog. Unten sah man zudem Heuballen durchschimmern – das sah machbar aus.




Der untere Teil war nicht einfacher, da es weniger Bäume zum Anhalten gab und wir mehrfach Steinschlag lostraten. Unten bei den Heuballen angekommen legten wir endlich die verdiente Rast ein. Die Pfefferwand war ein echter „Arbeitssieg“.

Die Ruine selbst ist zwar leider in Privatbesitz, es gibt aber offenbar ein Steiglein, was bis zu den Felsen unterhalb heranführt. Ein zweiter Aussichtspunkt weiter östlich heißt Luisenhöhe und eine „Inschriftenbuche“ verzeichnet die OSM auch. Bissl was zu tun bleibt also noch in den Adlitzgräben.
Now for something completely different:

Die Konvergenz mit der Wolkenstraße entwickelte sich genau wie am Vortag vorhergesagt, blieb aber sonst ohne Auswirkungen. Über einen moderat ansteigenden Forstweg und anschließend auf der Straße stiegen wir zum Gasthof Polleres an, der sogar geöffnet hatte. Am Kamm weiter, die beliebte MTB-Route über den Kreuzberg.



Auf der Terrasse der Speckbacher Hütte hatten wir überraschenderweise viel Platz. Ostermontag war offenbar eher Familientag statt Ausflugstag. Ich blieb bei der Kaspressknödelsuppe, aber die Bratwürstelsuppe mit Kartoffeln sah auch gut aus. Dazu ein Raxbier. Nach einer Stunde Rast brachen wir auf, denn zwei Wände warteten noch auf uns.




Über die Wiese kürzten wir im unteren Teil ab, dadurch kam es zu Stacheldrahtzaun-Überwindung Nr. 4, aber das war nicht allzu schwer.

Bei unseren Erstbesteigung im Oktober 2019 sind Günter und ich ebenfalls von der Speckbacher Hütte gekommen, aber dann zuerst zum Pollerosfenster gegangen. Damals sind wir direkt an der Abbruchkante weiter zum höchsten Punkt geklettert.









Die leichtestzugängliche Wand dann zum Abschluss:




Der Pfeffersteig unterquert das Viadukt und führt hinab zur Kalte-Rinne-Straße.

In einer kleinen Scharte sah ich Wegspuren abzweigen. Von dort hatte man einen imposanten Eindruck der Spießwandnordabbrüche




Um halb sieben waren wir beim Auto zurück. Zufrieden konnten wir auf einen abwechslungsreichen Tag zurückblicken.