Wagner- und Springlessteig, Hohe Wand (24.03.26)

Steinbock auf der Hohen Wand

Wegführung: Zweiersdorf Parkplatz (10.00) – Wagnersteig (A) – Wilhelm-Eichert-Hütte (11.45-13.35) – Hubertushaus (14.15) – Springlessteig (A) – Zweiersdorf (15.25)

Höhenmeter: 560hm | Strecke: 5,7km | Gehzeit: ca. 3,5 Std.

Viecher: Steinböcke

Nach langer Zeit wieder einmal Klettersteig auf der Hohen Wand, sozusagen ein leichter Einstieg in die Sommersaison. Wolfgang wollte beide schon länger mit mir gehen, dieses Mal hat es endlich gepasst. Unter der Woche war die Hohe Wand nicht überlaufen und die Hütte hatte trotzdem geöffnet. Das Wetter: Thermisch aktive Luftmasse mit raschen Quellungen, die an einer gut ausgeprägten Absinkinversion in 3km Höhe in Quellschichtbewölkung übergehen. Grund für die Labilität war Warmluftzufuhr in den unteren Schichten bei gleichzeitig noch vorhandener Höhenkaltluft des abziehenden Troges.

Coros Pace 4 Track auf GPX Studio exportiert (Open Hiking Map)

Wir starteten beim Wanderparkplatz zwischen Oberhöflein und Zweiersdorf.

Kleines Immergrün beim Parkplatz

Am Himmel machte sich eindrucksvoll das sogenannte „warme Förderband“ (warm conveyor belt) mit strahlenförmigen Schleierwolken bemerkbar. Sie kündeten markante Warmluftzufuhr an, womit am Folgetag nochmals ein frühlingshafter Tag im Osten ermöglicht werden sollte, ehe die markante Kaltfront am Abend den Spätwinter einleitete.

Sehr seltener Anblick: Cirrus radiatus

Im ersten Teil war es ein wenig unübersichtlich, auch durch relativ frische Schläge.

Einschnitt mit dem Wagnersteig

Dann stieg das Gelände deutlich an, blieb aber bis zur Querung des Wandfußsteigs noch gutmütig. Der Wandfußsteig beginnt beim Grafenbergweg im Westen und läuft bis zur Einmündung in den Leiterlsteig keineswegs immer auf gleicher Höhe, sondern legt auf 6,3km Strecke rund 440 Höhenmeter zurück. Die Kletterer benutzen ihn meist nur als Zustiegsweg.

Wandfußsteig mit frischen Felssturz-Spuren (Beginn Wagnersteig)
Steiles Schrofengelände
Hochschneeberg vor dem großen Neuschnee

Nach etwa zehn Minuten Gehzeit erreichten wir den eigentlichen Einstieg in den Klettersteig.

Die erste Leiter
Haselpollen vor Steinbockpopo
Nächste Leiter, dann links hinauf
Genussvolle kurze Kletterpassagen (I)
Steilere Leiter
Rückblick
Blick in die Wand

Die eigentliche, eher psychologische Schlüsselstelle war eine Querung eines steilen, ausgesetzten Schrofenhangs, aber auch hier alles gut versichert. Knapp über Wolfgangs Stecken sieht man die letzte Leiter, danach nochmals querend um den Rücken herum.

Schlüsselstelle: Eine ausgesetzte Querung
Möglicherweise ein Habichtskraut oberhalb der letzten Leiter

Nach fünfzig Minuten ab Wandfußsteig erreichten wir den Ausstieg am Hochplateau genau gegenüber der Wilhelm-Eichert-Hütte.

Ausstieg Wagnersteig

Die Sonne machte sich leider ab dem Zeitpunkt rar durch die Ausbreitungsschichten, sodass wir uns auf die verglaste Terrasse setzten. Dort sorgten zwei Hunde für kurzweilige Momente, da sich beide aus der entgegensetzten Ecke anknurrten. Speziell der Deutsch Langhaar war merklich unruhig und brummte hörbar widerwillig unter dem Tisch, da er Leine tragen musste. Sein Besitzer erklärte den anderen Gästen, dass er sonst nie Leine trug und seit Jahren mit auf die Hohe Wand ging. Er war quasi mit den Steinböcken aufgewachsen und näherte sich ihnen nie.

Steinbock in Ruhe grasend nahe der Wilhelm-Eichert-Hütte (durch Scheibe fotografiert)

Nachdem ich im Aufstieg unter einem veritablen Kaloriendefizit litt (derzeit hab ich meine Ernährung etwas umgestellt und esse allgemein weniger, dafür schießt unter Anstrengung der Hunger gelegentlich schneller ein), bestellte ich mir ausnahmsweise die gebackenen Hühnerstreifen auf Salat (statt der gegrillten, die die bessere Entscheidung gewesen wären, da besser gewürzt).

Nach ausgiebiger Rast brachen wir auf und schauten kurz noch zum Plateaurand, wo gerade eine Gruppe Kletterer den Wagnersteig abstieg.

Wer geht da in meinem Revier?
Steilschrofengelände im Ausstieg vom Wagnersteig (Helm empfohlen)
Junger Steinbock

Blick auf die Hochfallwand mit dem Baumgartnerturm links davon.

Schneebergland

Kienberg (650m) und Zweierwald (633m) im Vordergrund, dahinter das südliche Steinfeld.

Alpenostrand

Kurz darauf erreichten wir das montags und dienstags geschlossene Hubertushaus, wo der Springlessteig abzweigt. Dieser war ein wenig gefürchtet für seine tödliche Unfälle. Im August 2022 stürzten zwei Wanderer ab, im Dezember ein dritter, ebenso im Oktober 2025. Im Oktober 2014 kamen ein Vater und sein Kind bei einem Absturz ums Leben.

Ich empfand den Steig als ein wenig anspruchsvoller als den Wagnersteig mit längeren Kletterpassagen, dafür nur ein Leiter (ganz am Anfang) und ebenfalls großteils versichert.

Einstieg Springlessteig
Verspielte Steinbockkinder
Rückblick mit einem von zwei Trittbügeln vor der Leiter.
Hochfallwand
Senkrechte Leiter, danach kurz Gehgelände
Für Veilchen fotografieren blieb genügend Zeit

Dann war das Schrofengelände auch schon zu Ende und wir tauchten ab dem Wandfußsteig wieder in den dichten Wald ein.

Querung des Wandfußsteigs auf 760m Höhe
Es gibt schon lange keinen Lift mehr (Doppelsesselbahn auf die Plackles von 1965-1994)
Felssturzgelände im weitesten Sinne unterhalb der Hochfallwand
Rückblick auf die Schwachstelle in der Hohen Wand mit dem Springlessteig

Nach etwas weniger als zwei Stunden Gesamtgehzeit erreichten wir unseren Ausgangspunkt. Damit war der Tag aber noch nicht zu Ende. Endlich Gelegenheit für mich, die Kirche in Maiersdorf zu besichtigen, die ich bis dato immer nur von oben fotografiert hatte.

Es handelt sich um eine romanische Kirche aus dem 12. Jahrhundert mit Rundbogenfenstern im Kirchturm und Langhaus. Später wurde die Kirche mit einem gotischen Wehrobergeschoss aufgestockt, erkennbar am dünkleren Gemäuer.

Romanischer Chorturm südseitig mit Hocheinstieg, romanisches Langhaus, der gotische Teil wurde im 14. Jahrhundert erweitert

Zur Bedeutung des Kirchenstandorts habe ich bereits bei meinem ersten Besuch der Fischauer Vorberge (02/2016) geschrieben. Es hat mit den Sichtachsen zwischen Starhemberg, Burgstall, Dachenstein bei Netting, Emmerberg und der Kirche von Muthmannsdorf zu tun – letztere steht klar außerhalb des Orts. Zwischen Dachenstein, Emmerberg und Burgstall gab es keine direkte Sichtverbindung (schwarze Linien), dafür von der Kirche weg, während Burgstall von Starhemberg „Nachrichten“ empfangen und über die Kirche an Emmersberg weiterleiten konnte

Sichtachsen auf der Karte (eigenes Werk)
spätgotische Wandmalerei um 1430 um die Sakramentsnische im Presbyterium
Westseite mit neuzeitlichem Anbau aus dem Jahr 1964

Auf der Weiterfahrt bemerkte ich, wie schön der Blick auf der Anhöhe zwischen Muthmannsdorf und Dreistetten Richtung Südwesten war. Außerdem kamen wir an der Ruine Starhemberg vorbei, die schon länger auf meinem Speisezettel steht. Über Aigen fuhren wir weiter nach Lindabrunn, wo wir im Bereich des Bildhauersymposions das größte zusammenhängende Trockenrasengebiet der südlichen Thermenlinie besichtigten. Während auf der Perchtoldsdorfer Heide, am Kleinen Sattel-Auslug und am Eichkogel bereits Adonisröschen und Zwergschwertlilien blühten, zeigte sich der Trockenrasen bei unserem Besuch am späten Nachmittag leider recht karg. Es blühten Unmengen an Kuhschellen, darunter auch zahlreiche Schwarze Kuhschellen, sonst aber noch nichts.

Abendstimmung
Leuchtende Blüten

Dennoch war es sicherlich nicht unser letzter Besuch auf diesem Platz und wir bekamen einen Eindruck über die Größe des Trockenrasengebiets. Wolfgang, es war mir eine Freude an diesem Tag!

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