
Wegführung: Kaltenleutgeben Pfarrgasse Hst. (9.42) – Irrweg – Ludwig-Fürst-Steig – Raabfelsen – Punkt 492m – Kleiner Eisgraben – Großer Flösslberg (583m) – Großer Sattelberg (584m) – Mugl-Höhe (556m) – Drei-Ecker (562m) – Kleiner Flösslberg (510m) – Buch-Bründl – Kammersteinerhütte/Josefswarte (581m, 12.30-15.00) – Parapluieberg (561m) – Bierhäuslberg (488m) – Rodaun Endhaltestelle 60er (16.10)
Höhenmeter: 650hm | Strecke: 11,0km | Gehzeit: ca. 4 Stunden

Langsam geht mir die monotone Witterung auch auf die Nerven. Zu wenig für Schneeschuhe, zu kalt zum länger Verweilen im Freien und die Hütten oft gesteckt voll an den Wochenenden. Für manche ambitioniertere Routenführungen liegt wieder zu viel Schnee und Eis. Kurz hatte ich überlegt, nach Salzburg zu fahren und auf den Gaisberg zu gehen, doch auch da sitze ich lieber im Freien und lasse mir die Sonne auf den Bauch scheinen. Bei der Kartendurchsicht fiel mir auf, dass ich den Irrweg ab Kaltenleutgeben noch nie gegangen bin. Zudem war ich auch am Kleinen Flösslberg erst einmal, zu Pandemiebeginn, und hatte entsprechend kaum nennenswerte Erinnerungen daran. Dieses Mal keine Probleme bei der Anfahrt, halleluja.
Ich starte beim Emmelpark. Besonders perfide war, dass ich noch auf den ersten Metern ein paar blaue Lücken in der tiefbasigen Hochnebeldecke Richtung Sulzer Höhe sah und gewisse Hoffnungen entwickelte, noch in die Sonne zu kommen.

Das Satellitenbild zeigte auch entsprechende Lücken im Hochnebel im Bereich der Föhrenberge. Damit sollte es dann für den Rest des Tages allerdings gewesen sein. Die Wellenstrukturen nahmen allgemein ab und die Bewölkungsverteilung sollte sich bis zum Abend nicht mehr ändern. Der Südostwind war zum Glück nicht mehr ganz so lebhaft wie an den Vortagen, denn ich hatte die Frostgrade klar unterschätzt. Erst am Abend sah ich, dass ich überwiegend bei -6°C und tiefer unterwegs war, gerechnet hatte ich mit -2 bis -3°C. Dafür war ich fast etwas zu luftig angezogen.

Gleich hinterm Park beginnt das unmarkierte Steiglein. Ich legte gleich die Spikes an.

Zum Hintergrund der Benennung der Parkanlage und der ehemaligen Kuranstalt gibt es auf den Seiten der Gemeinde Kaltenleutgeben interessante Infos. Der Steig geht kurz in einen engen Graben und windet sich dann links in Kehren hinauf.

Über den Irrweg, der oben in den Kaisersteig nahe der Gaisbergwiese mündet, habe ich nichts weiter gefunden. Vom Alter der Mauerreste her könnte er in Verbindung mit der Kuranstalt angelegt worden sein. Breit genug jedenfalls, um als Wanderweg zu dienen. Dann verließ ich den breiten Weg und wechselte auf den Kamm.


Über den Kaisersteig kam ich zum Ludwig-Fürst-Steig, den ich von der Gaisbergwiese kommend schon zahlreich abgestiegen bin.

Wenn der Ort nicht inmitten eines Naherholungsgebiets liegen würde, wäre er der schiachste Ort überhaupt. Kein richtiges Ortszentrum und hässliche Wohnblöcke neben historischen Gebäuden aus der Gründerzeit. Grausames Stadtbild, aber sechs Hütten zum Einkehren.
Ich stieg nicht zur Kirche ab wie sonst, sondern gleich im Großen Eisgraben wieder aufwärts und dann links zum sogenannten Raabfelsen. Im 20. Jahrhundert befand sich hier sogar eine kleine Aussichtswarte am ugs. „Loreley-Felsen„, die Roseggerwarte, die der Postverwalter und Mitglied des Verschönerungsvereins Kaltenleutgeben, Josef Raab, errichten ließ. 1913 wurde Raab nach Oberhollabrunn versetzt – seitdem hieß der Aussichtspunkt nurmehr Raabfelsen. Um 1960 herum wurde ein Großteil des Raabfelsens schließlich aufgrund des ostseitig gelegenen Steinbruchs gesprengt (Quelle).

Ich blieb am Kamm mit zahlreichen Felsgebilden, an denen Kletter- und Boulderrouten erkennbar waren.

Beim höchsten Punkt unweit des Forstwegs war ich laut OSM auf 492m. Gipfelinfrastruktur gab es keine, dafür war der Mugel zu wenig ausgeprägt. Aus dem Kleinen Eisgraben hörte ich übrigens minutenlang heftig durchdrehende Reifen eines mutmaßlichen Geländewagens. Er dürfte es dann aber geschafft haben.


Witzig war, dass ich mich schon zum zweiten Mal nicht mehr erinnern konnte, hier auf- bzw. abgestiegen zu sein. Mehr oder weniger auf direktem Anstieg strebte ich dem Gipfel zu.

Dieses Mal ging ich nicht auf direktem Weg zum Großen Sattelberg weiter, sondern machte den Schlenker zum Weg oberhalb des ehemaligen Steinbruchs Flössl.

Interessantes Gelände dort, vielleicht einmal ein Besuch im Frühling wert, wenn die Vegetation sprießt. Jedenfalls sah ich dort den meisten Schnee der gesamten Wanderung. Herrlich ruhig außerdem.



Über einen Steig querte ich zum breiten Kamm, der den Großen Sattelberg überquerte.



Bei der Mugl-Höhe (556m) bogen sich die reifbeladenen Äste schon fast bis zum Boden durch. Dort mäßig steil nach Norden hinab und wieder hinauf.


Zum zweiten Mal nach April 2020 stieg ich den sehr steilen Hang nach Nordwesten hinab. Ich würde ihn auch in der schneefreien Zeit bevorzugt mit Spikes gehen. Stark erodiert hatte ich den Untergrund als sehr rutschig in Erinnerung. Nach kurzem Gegenanstieg stand ich schon am Gipfel des Kleinen Flösslbergs (510m).

Laut Gipfelbucheintrag war eine Woche vor mir ein Manfred aus Wien mit 82 Jahren das erste Mal hier. Herzlichen Glückwunsch zur körperlichen Verfassung in dem Alter!
Nun hätte ich den steilen Hang wieder hinaufgehen können, doch sah ich in der Karte einen strichlierten Weg, der querend am Hang endete und in den markierten Aufstieg vom Steinbruchsee kommend münden sollte. Die Schneelage hätte sich ohne zu übertreiben für Schneeschuhe geeignet, zumindest alle Nordhänge, aber mit Spikes war der Schnee ebenfalls griffig genug und mit etwas Gespür fürs Gelände und GPS erwischte ich den Weg, sodass ich genau beim Buchbründl, sogar mit fließendem Rinnsal, wieder den markierten Weg erreichte.
Nun freute ich mich richtig auf die Einkehr, musste vorher aber noch das Duell mit einem ganz gefährlichen Hund für mich entscheiden.

Nachdem er etwas unsicher schwanzwedelnd an mir geschnuppert hatte, ließ er mich passieren.




Eine Gruppe verließ gerade die Hütte, als ich eintrat – so hatte ich erfreulich viel Platz im Gastraum und vor allem entsprechende Ruhe.

Lob an die Köchin. Ich hab schon viele Kaspressknödelsuppen in Österreich gegessen, aber nirgendwo war sie so gut wie hier. Zuletzt am Höllensteinhaus zwei kleine flache Knödeln mit etwas Suppe, die nach nichts schmeckten. Das konnte einfach nichts. Dieser hier ist immer groß mit einem intensiven Bergkäse.
Schönen Gruß an dieser Stelle auch an Gerhard, der regelmäßig im Gipfeltreffenforum mitliest und ich das zweite Mal nach dem 12. März 2025 traf. So kam es, dass aus einer geplanten Stunde Rast zweieinhalb Stunden wurden, aber mein Pflichtprogramm war erfüllt und ich hatte es nicht eilig.


Die Hündin war nicht nur hungrig, sondern auch extrem geräuschempfindlich. Unablässig drehte sie den Kopf, schaute sehr genau, aber brav und gut erzogen war sie auch.
Dann hieß es doch Abschied nehmen.



Der asphaltierte Weg auf die Heide war ab Beginn der Stiege vereist. Erst bei der Bank legte ich die Spikes wieder ab.

Bei der Endhaltestelle des 60ers musste ich zum Glück nicht warten, sondern konnte mich gleich in die Straßenbahn setzen. Viel gestreut oder geräumt hatte man dort übrigens nicht, überall Eisplatten. Daher abschließend noch einmal eindringlich meine Empfehlung, unbedingt Spikes für die Schuhe einzupacken – das gilt derzeit nahezu überall im Alpenraum auf Steigen und Forstwegen. Eine Unachtsamkeit und der Unfallchirurg freut sich. Das muss nicht sein.