
Wegführung: Kahlenbergerdorf (12.20) – Nasenweg – Leopoldsberg – Kahlenberg – Vogelsangberg – Hermannskogel – Häuserl am Roan – Obersievering (15.55)
Höhenmeter | Strecke | reine Gehzeit: 600hm | 12.1km | 3,5 Std.
An Tagen mit spannendem Wetter versuche ich immer unterwegs zu sein, und wenn es nur meine übliche Runde in den höheren Wienerwaldlagen von Wien ist. Für gleichmäßig 3-5cm vom Stadtgebiet bis Hermannskogel reichte dieses Neuschneeereignis. Bis Montag wird man den winterlichen Eindruck genießen können. Dann kommt erst gefrierender Regen und zumindest vorübergehend eine deutliche Milderung. In mittleren Lagen zeichnen sich deutliche Plusgrade ab.
Roßauer Lände heute Mittag:

Nach holprigem Start (U4-Störung, Bus verpasst) startete vom Kahlenbergerdorf über den Nasenweg. Beim steilsten Stück kam mir ein älterer Mann mit Trippelschritten am Geländer hangelnd entgegen. Er meinte beim Vorbeigehen zu mir „Owi gehn is a Aufgob!“

Beim Aufgang zur Kanzel beim Leopoldsberg legte ich meine Spikes an (Snowline Chainsen XT), da sich unter der dünnen Pulverschneeauflage eine spiegelglatte Eisschicht befand. Das galt für fast die gesamte Strecke auf den Asphalt- und Forstwegen.
Beim Kahlenberg fielen kurzzeitig Eiskörner, die Warmluft in der Höhe war bedrohlich nah. Dafür könnte ich die Handschuhe endlich ausziehen.


Dann war ich laut meinen Aufzeichnungen zum fünfzigsten Mal am Vogelsangberg, meist eingebettet in kürzere oder längere Wanderungen am Stadtwanderweg. Da kam schon etwas zusammen.


Der Gipfelschmuck schaut jedes Mal anders aus. Die tibetischen Gebetsfahnen hängen jetzt schon länger.

Das Gasthaus zum Agnesbründl hatte vermutlich offen, doch bin ich derzeit auf Schonkost und verspürte keine Lust, einzukehren. Über den steilsten Anstieg ging es sich mit den Spikes leicht.


Zum fünfunddreißigsten Mal stand ich auf dem Hermannskogel:

Die angegebene Höhe ist nicht richtig. Die 542m gelten nur für die Habsburgwarte, das Gipfelkreuz ist am höchsten Punkt auf 544m. Ab dem Hermannskogel geriet ich nicht nur kurzzeitig in den Nebel, sondern auch in merklich kältere, also deutlich frostigere Luft.





Im Abstieg nach Obersievering kommt mir eine Familie mit Hund entgegen. Der Mann geht voraus, Frau und Kleinkind folgen. Plötzlich stürmt mir ein Golden Retriever entgegen, passiert mich knapp und bellt dabei einmal laut. Die Frau zu ihrem Kind: „Ich glaub nicht, dass sie gebellt hat.“ Zu ihrem Partner: „Hat sie wirklich gebellt?“ – „Ja.“ – (Schmarrn, ICH belle immer, wenn Hunde an mir vorbeirennen).
Fast unten. Zwei Frauchen mit drei kleinen Hunden. Die wollen nicht folgen und fallen etwas zurück. Ich bleibe stehen und fotografiere die Umgebung. Plötzlich geht der größere von ihnen auf mich zu, schlägt aber einen Bogen und schaut nach, wer vom Weinberg nachkommt. Ich dachte, er hätte einen Hund dabei, aber es war einfach nur ein weiterer Spaziergänger. Am Rückweg wirft der Hund mir einen Blick zu, der zu sagen schien: „Du bist mir sowas von egal.“

Der Radiosondenaufstieg von Wien (Hohe Warte) von 13 Uhr MEZ zeigt eine lehrbuchhafte Rechtsdrehung des Windes mit der Höhe, mit bodennahem Südostwind und starkem Nordwestwind in der Höhe – folglich Warmluftzufuhr. Die Temperatur- und Taupunktsschichtung war knapp an gefrierenden Regen dran. In rund 1200m eine hauchdünn positive Schicht, darunter deutliche Frostgrade. Die Kaltluftschicht war mächtig genug, sodass lange Schnee und dann Eiskörner fielen. Im Tullnerfeld regnete es jedoch kurzzeitig (gefrierend).

Verantwortlich für den winterlichen Tag war ein ausgeprägtes Sturmtief (Kerndruck 968hPa) über Benelux, mit mehrfach eingedrehter Okklusionsfront und okkludierender Warmfront über dem Ostalpenraum.

Der Frontenprozess bis dahin ist durchaus interessant, er zeigte am Vortag eine ausgeprägte „split front“. Dabei „überrennt“ die trockene Höhenluft der Kaltfront die Warmfront, sodass nurmehr die tiefe Bewölkung übrig bleibt (Donnerstag, 08.01., 22.30 Uhr MEZ). Der Warmfrontbereich wird immer schmaler (Freitag, 09.01., 04.40 Uhr MEZ) und liegt strömungsparallel über den östlichen Alpen (09.00 Uhr MEZ). Am Nachmittag wird das Bild etwas komplexer, weil sich über Italien ein Teiltief bildet und damit eine Verwellung der Front auslöst (14.10 Uhr MEZ).