Königstuhl (2336m) und Friesenhalshöhe (2246m) ab Dr. Josef-Mehrl-Hütte, Nockberge (28.02.26)

Track Open Topo Map (Aufstieg nachträglich eingezeichnet), Gipfelfoto Königstuhl

Wegführung: Dr. Josef-Mehrl-Hütte (1731m, ÜE, 9.25) – Oberes Kremstal – Königstuhlscharte (2185m) – Königstuhl (2336m, ca. 12.20-12.55) – Friesenhalshöhe (2246m, 14.10) – Rosaninseen – Dr. Josef-Mehrl-Hütte (ÜE, 16.15)

Höhenmeter: ca. 700hm | Strecke: ca. 12km | reine Gehzeit: 4,5 Stunden

Schneeschuhwanderwochenende mit dem Alpenverein in den Nockbergen. Für mich das erste Mal auf der Dr. Josef-Mehrl-Hütte. Das Wetter hätte kaum besser sein können, allenfalls ein wenig kühler. Ich hab geschwitzt wie im Hochsommer und leider viel zu wenig getrunken. Die Gruppe hat gut harmonisiert, das Tempo passte. An Gesprächsstoff mangelte es nicht 😉

Ich war gespannt, ob ich die Höhe merken würde, kam aber gut zurecht – eher wars die Hitze bei gleichzeitiger Windstille, die mir beim finalen Gipfelanstieg zu schaffen machte.

Anfahrt von Wien ins Kremstal.

Wir erreichten mit der Abenddämmerung unseren Zielort.

Matehanshöhe (2086m) links, mittig Sagmeisterhöhe (2058m) oberhalb von Schönefeld
Von der untergehenden Sonne angestrahlter Stubennock (2092m), rechts der Schlepplift am Osthang der Matehanshöhe

Eine sanfte Rechtskurve und die im reichlichen Weihnachtsschmuck erstrahlende Hütte lag vor uns. Das Wirtspaar schupfte den Betrieb zu zweit bzw. mit einer zusätzlichen Küchenhilfskraft. Entsprechend dauerte es mit dem Bestellen ein wenig. Die Portionen waren riesig. Untergebracht waren wir in Zweibettzimmern mit Waschbecken – und einer Gratisdusche am Gang. Das war schon recht luxuriös für die Höhe (1731m). Einziger Wermutstropfen das späte Frühstück (ab 8 Uhr). Der Hüttenwirt dazu lakonisch „Gestern war der Gastraum schon um halb acht bummvoll, doch ich blieb stur. Vor dem zweiten Kaffee braucht mich niemand ansprechen!“ Ganz so ernst meinte er es dann doch nicht, denn um 7.47 bekamen wir schon unseren Kaffee. Wach war ich schon ab halb sechs und schlug die Zeit tot bis zum Frühstück.

Blick nach Norden, rechts Klölingnock (2178m), über die Klölingscharte (2116m) stiegen wir am Folgetag ab

Für das Foto stieg ich mit meinen Crocs auf den aufgehäuften Schnee und rutschte im Abstieg gleich mal aus und fiel auf die linke Seite, die Kamera fiel mir aus der Hand und kullerte hinab. Passiert ist mir nichts – es blieb immerhin der einzige Faller an dem Wochenende. Note for myself: Crocs haben schlechten Grip auf plattgedrücktem Schnee.

Gegenüber startete ein Mann mit seinem Hannover’schen Schweißhund seine Skitour. Ich sah ihn im Aufstieg zur Königstuhlscharte von ebendieser abfahren, der Hund rannte fröhlich wedelnd im Abstand hinab.

Treuer Begleiter

Nach üppigem Frühstücksbuffet starteten wir um 9.20 bei der Langlaufloipe gegenüber der Hütte.

Csaba mit der Vorstellungsrunde, im Hintergrund das Kremstal, sowie Hohe Pressing (2370m) und Kasperkopf (2129m)
Krems im Oberlauf
Abmarsch zunächst in der Ebene zum Eingehen. Über den Hang links unterhalb der Rosaninhöhe stiegen wir am Folgetag an.
Im Gleichschritt
Rückblick, links aufgereiht Matehanshöhe, Sagmeisterhöhe, Lenzenbühel (2106m) und Wirtsnock (2059m)
Gegenüber die Rosaninscharte (2075m), links Mühlbacher Nock (2273m) und rechts Königstuhl (2336m)

Bis etwa hierhin ging die gespurte Loipe, dann wechselten wir auf teilweise Spuren, teilweise spurten wir daneben neu.

Aufstieg zur Königstuhlscharte (im Hintergrund)
Königstuhl-Gipfel links
Erste Trinkpause bei strahlendem Sonnenschein ohne Wind
Mühlbacher Nock und Rosaninscharte im Hintergrund
Unterm Schnee verborgen der schmale Rosaninsee und die flachen Moorlacken, rechts Ochsenriegel (2282m) und Rosaninhöhe (2280m)

Schlüsselstelle I: Der Normalweg (markiert, im Winter unterm Schnee verborgen) führte über die Scharte rechts, über die zuvor schon mehrere Tourengeher aufgestiegen waren. Wir wählten den Rücken in Bildmitte und hielten uns dabei eher rechts der erkennbaren Schneewechtenkante.

Aufstiegshang
Bergfex Karte OSM + Hangneigung (gelb: ab 30°) und skizzierte Aufstiegsroute, links die lange Querung unterhalb der Friesenhalshöhe in steilerem Gelände (Schlüsselstelle II)

Beim Aufstieg fuhr unterhalb von uns querend ein Skitourengeher vorbei. „Das ist aber kein Aufstiegshang!“ rief er uns zu. „Das ist ein Lawinenhang!“ setzte er nach. „Wir gehen eh mit einem Guide!“ entgegnete einer von uns. „Ganz gescheiter Bursche! Bitte richtet Ihm von mir aus, das ist ein ganz gescheiter Bursche!“ antwortete er im triefenden Sarkasmus. Einige Augenblicke später legte eine Gruppe Tourengeher eine zweite Spur neben unserer an. Ich kann die Kritik an unserem Aufstieg nicht nachvollziehen. Die von der Hangneigung her kritischeren Passagen wären links und rechts des Rückens gewesen. Alles gut mit etwas Vorsicht – dafür absolvierten wir diese Passage auch mit zehn Meter Abständen zwischen den Gehern.

Es wurde steiler – jetzt kam die Aufforderung, längere Abstände einzuhalten.
Im mittleren Teil des Rückens Stop and Go, bis die Abstände passen
Wir blieben rechts der Kante, keine Setzungsgeräusche bis dahin
Rückblick auf den Aufstiegsweg, im Hintergrund Schilchernock, Ochsenriegel, Rosaninhöhe und Mühlbacher Nock
Die breite Scharte mit einzelnen dolinenartigen Löchern ist erreicht. Weiter gings am Rand, bis wir auf der Schulter den markierten Aufstieg erreichten.
Königstuhlscharte mit Friesenhalshöhe rechts, im Hintergrund Ankogelgruppe mit Hochalmspitze (3360m) und Großem Hafner (3076m)
Panorama Nockberge und Hohe Tauern, Hochalmspitze in Bildmitte

Für die letzten knapp zweihundert Höhenmeter gingen wir von der Kante weg, wo der Normalweg hinaufzieht, und wählten je nach Gusto in mehr oder weniger ausladenden Kehren unsere eigene Aufstiegsroute zum Gipfel. Dabei herrschte unverändert wenig Wind und ich schwitzte gehörig, obwohl ich ohnehin dünnere Kleidung anhatte. Als Entschädigung entfaltete sich ein Panorama mit fast maximaler Fernsicht.

Links: Großleobeneck (2196m) und Stileck (2179m) in den Nockbergen, dann Hohe Trieb (2199m) in den Karnischen Alpen. Zentral einzelne flache Quellwolken, die wie hohe Gipfel aussehen. Sie verschleiern teilweise die südlichen Karnischen Alpen auf der italienischen Seite. Rechts schließt die Köderhöhe (2228m) an, dahinter Monte Crostis (2250m), und gleich rechts anschließend der wuchtige Reißkofel (2371m) in den Gailtaler Alpen. Abgesetzt und kleiner rechts Polinik (2332m) und der Creta di Collina (Kolinnkofel, 2742m) am Plöckenpass in den Karnischen Alpen.

Nockberge, Karnische und Gailtaler Alpen

Im Vordergrund (mittlere Reihe) Tschiernock (2088m), dahinter nochmal Reißkofel, Polinik und Kollinkofel mit Hohe Warte (2780m) rechts, sowie Hinterer Mooskofel (2506m) am Karnischen Höhenweg. Ganz rechts der ausgeprägte Klotz am Horizont ist der Monte Antelao (3264m, 128km) in den Dolomiten. Rechts davon schaut noch ein markantes Spitzerl durch, der Monte Pelmo (3168m,138km), davor der sanftere Stagor (2289m) in der Kreuzeckgruppe.

Karnische Alpen, Dolomiten und Kreuzeckgruppe

Was hätte ich an dem Tag für meine Canon G3X mit 600mm Brennweite gegeben, aber die Sony RX 100 VI lieferte auch ganz passable Aufnahmen.

Im Hintergrund Rosskofel (2240m) und Creta di Pricotic (2223m) beim Nassfeld, rechts Trogkofel (2280m) von der breiten Seite und ganz rechts Staff (2217m) nordöstlich vom Weissensee.

Karnische und Gailtaler Alpen

Links Javolec (2645m) und Mangart (2677m). Davor relativ unspektakulär nach rechts gezogen Dobratsch (2166m), noch vor dem trapezförmigen Pfannock (2254m) schaut hinten der Rombon (2208m) durch. Rechts schließen an: Jof Fuart (2666m), Jôf di Montasio (2753m) und Monte Cimone (2379m).

Nockberge, Gailtaler und Julische Alpen

Diese Bilder hab ich noch von der Schulter aufgenommen.

Rückblick auf unseren Aufstiegsweg und die Gruppe Tourengeher, die neben/auf unseren Spuren folgt.
Ein seltener Moment mit menschenleerem Gipfelkreuz

In der Euphorie war es mir zuerst nicht bewusst, bevor Csaba mahnend darauf hinwies: Es gab schon aus gutem Grund keine Spuren im Schnee rechts vom Gipfelkreuz – dort befand sich eine mächtige überhängende Schneewächte.

Kollinkofel und Hohe Warte links, Monte Antelao mittig, rechts Monte Peralba (2694m) und Punta Sorapiss (3205m, 129km)

Ein Detail fiel mir noch auf, und dafür hab ich einen vergrößerten Ausschnitt gewählt:

Der höchste Dolomitengipfel zeigte sich unscheinbar im Hintergrund

Im Osten war die Gipfelbestimmung ein wenig leichter:

Koralpe mit Großem Speikkogel (2140m) sichtbar abgesetzt
Seetaler Alpen mit Kreiskogel (2306m), Scharfes Eck (2364m) und Zirbitzkogel (2396m), davor Hirschstein (2047m) und rechts Grebenzen
Ausgeprägte Gipfelwechten, im Hintergrund Radstädter und Schladminger Tauern
Rosaninseen und Oberes Kremstal

Mittig Javolec und Mangart, links Triglav (2864m), ganz links Hochstuhl (2237m, 64km). Im Hintergrund links ist eine flache Wolken/Dunstschicht erkennbar, laut Satellitenbild nicht sehr ausgedehnte flache Konvektion am Alpensüdrand.

Blick nach Süden zu den Steiner Alpen (links) und Julische Alpen (rechts)

Alte Bekannte im Südosten – erst letzten Sommer war ich erstmals auf der Petzen.

Im Vordergrund rechts Rinsennock (2334m), mittig Petzen (2126m), links Uršlja gora (1699m), östlichster Gipfel der Karawanken
Hochobir (2139m) links, mittig Grintavec (2558m) in den Karawanken, vorne Gregerlnock (2296m) und Stangnock (2316m)

Nach ausgiebigem Schauen und gemütlicher Rast begannen wir den Abstieg.

Abstieg zurück in die Scharte, die steile Querung unterhalb der Friesenhalshöhe hier gut sichtbar
Größenvergleich

Um auf die Friesenhalshöhe zu gelangen, querten wir den Südwesthang und gingen dann am flachen Rücken hinten hinauf.

Anfangs noch ein breiter Weg
Wechtenbruch mit Abgang eines Schneebretts
Der Weg wurde langsam schmaler und steiler, aber noch war er gut zu bewältigen
An dieser Stelle hielten wir bereits Abstand – der Schnee war ziemlich weich in der prallen Sonne

Schlüsselstelle II: Ein Teilnehmer rutschte weiter vorne in eine steile Rinne ab, derfing sich aber rechtzeitig und konnte wieder hinaufstapfen. Entsprechend stieg natürlich die Nervosität bei allen dahinter. Es hieß langsam und konzentriert zu steigen.

Vor der Schlüsselstelle – Hangneigung hier über 35°

In der Schlüsselstelle – linker und rechter Tritt waren unterschiedlich hoch, was etwas unangenehm war – Csaba überwacht die Querung

Im Hintergrund links Hohe Pressing (2370m), rechts Reißeck (2965m)
Rückblick auf die Querung und den Königstuhl

Dann gings über den Zaun und am breiten Gipfelkamm nach oben. Viele zogen die Schneeschuhe aus, da der Kamm teilweise aper war. Ich ging mit ein paar anderen daneben im Schnee weiter. Das Stück war ohnehin nurmehr kurz.

Rückblick von der Friesenhalshöhe auf den Königstuhl
Monte Antelao und Monte Peralba in Bildmitte, rechts Punta Sorapiss

Über den Abstieg war ich zugegeben gespannt, denn ich schaute nebenher auf der Open Topo Map mit und fragte mich, wo wir zurück nach Osten absteigen konnten. Csaba fand die Antwort in der Scharte zwischen Seenock (2260m) und Friesenhalshöhe.

Csaba mit dem besseren Überblick auf den Abstieg als wir in der Scharte, im Hintergrund Mühlbacher Nock und Kaserhöhe (2318m) hinter der Rosaninscharte

Von Csabas Standort sah man unterhalb der Scharte eine steile Rampe, die dann in den Osthang mündete und zu den flachen Mulden der Rosaninmoore auslief.

Rampe
Mäßiges Rutschvergnügen auf der Rampe – dafür sank man zu tief ein.
Rückblick zur Scharte und zur Rampe, die die Steilheit etwas verringerte.
Königstuhlscharte links, Friesenhalshöhe und gut erkennbar unsere breite Abstiegsspur

Jetzt im gutmütigen Gelände, leicht ansteigend und dann wieder flach absteigend (unter 30°) hörten wir erstmals das charakteristische „Wumm-Geräusch“. Es entsteht, wenn eine kompakte Altschneeschicht (meist Triebschnee) auf einer instabilen Schwachschicht (z.B. aufbauende Umwandlung, eingeschneiter Graupel) durch Zusatzbelastung plötzlich zusammenbricht – ein Indikator für erhöhte Schneebrettlawinengefahr. Dabei entweicht die Luft aus der weichen Schwachschicht und die darüber liegende harte Schicht sinkt ab. In steilerem Gelände können dann große Schneebrettlawinen entstehen, manchmal bilden sich Risse in der Schneedecke. Es tritt gehäuft im Übergangsbereich von wenig zu viel Schnee auf, wie hier, wo es den Triebschnee über die flachen Rosaninmoore in den steileren Hang geblasen hatte.

Mäßig steiler Hang – zum Glück, im Hintergrund rechts Ochsenriegel.
Rückblick – hier gab es die Setzungsgeräusche.

Der steile Hang hinab durch lockeren Wald war dann eine regelrechte Wühlerei. Die ersten Geher waren im Vorteil, dahinter wurden die Löcher immer tiefer, man brach immer häufiger bis zur Hüfte oder noch tiefer ein. Kein Abstiegsgelände, wenn man alleine unterwegs ist!

Die letzten Meter zurück zur gespurten Loipe

Die letzten Meter zur Hütte waren nurmehr Formsache. Die Sonne verschwand bald aus dem Nord-Süd ausgerichteten Tal und wir drückten aufs Tempo, um die Hütte noch bei Sonnenschein zu erreichen. Bis wir dort ankamen, war ich schon ziemlich hungrig, hatte ich doch wenig Proviant mitgenommen, und durstig. Auf eine Thermoskanne hatte ich verzichtet, in Erwartung der milden Höhenluft, und ohnehin schon etwas mehr mitgenommen – es war trotzdem zu wenig.

In Summe ein durchaus abwechslungsreicher Tourentag, mit etwas Nervenkitzel und sonst aber besten Schneeschuhverhältnissen.

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