
Wegführung: Dr. Josef-Mehrl-Hütte (1731m, ÜE, 9.25) – Oberes Kremstal – Königstuhlscharte (2185m) – Königstuhl (2336m, ca. 12.20-12.55) – Friesenhalshöhe (2246m, 14.10) – Rosaninseen – Dr. Josef-Mehrl-Hütte (ÜE, 16.15)
Höhenmeter: ca. 700hm | Strecke: ca. 12km | reine Gehzeit: 4,5 Stunden
Schneeschuhwanderwochenende mit dem Alpenverein in den Nockbergen. Für mich das erste Mal auf der Dr. Josef-Mehrl-Hütte. Das Wetter hätte kaum besser sein können, allenfalls ein wenig kühler. Ich hab geschwitzt wie im Hochsommer und leider viel zu wenig getrunken. Die Gruppe hat gut harmonisiert, das Tempo passte. An Gesprächsstoff mangelte es nicht 😉
Ich war gespannt, ob ich die Höhe merken würde, kam aber gut zurecht – eher wars die Hitze bei gleichzeitiger Windstille, die mir beim finalen Gipfelanstieg zu schaffen machte.
Anfahrt von Wien ins Kremstal.
Wir erreichten mit der Abenddämmerung unseren Zielort.


Eine sanfte Rechtskurve und die im reichlichen Weihnachtsschmuck erstrahlende Hütte lag vor uns. Das Wirtspaar schupfte den Betrieb zu zweit bzw. mit einer zusätzlichen Küchenhilfskraft. Entsprechend dauerte es mit dem Bestellen ein wenig. Die Portionen waren riesig. Untergebracht waren wir in Zweibettzimmern mit Waschbecken – und einer Gratisdusche am Gang. Das war schon recht luxuriös für die Höhe (1731m). Einziger Wermutstropfen das späte Frühstück (ab 8 Uhr). Der Hüttenwirt dazu lakonisch „Gestern war der Gastraum schon um halb acht bummvoll, doch ich blieb stur. Vor dem zweiten Kaffee braucht mich niemand ansprechen!“ Ganz so ernst meinte er es dann doch nicht, denn um 7.47 bekamen wir schon unseren Kaffee. Wach war ich schon ab halb sechs und schlug die Zeit tot bis zum Frühstück.

Für das Foto stieg ich mit meinen Crocs auf den aufgehäuften Schnee und rutschte im Abstieg gleich mal aus und fiel auf die linke Seite, die Kamera fiel mir aus der Hand und kullerte hinab. Passiert ist mir nichts – es blieb immerhin der einzige Faller an dem Wochenende. Note for myself: Crocs haben schlechten Grip auf plattgedrücktem Schnee.
Gegenüber startete ein Mann mit seinem Hannover’schen Schweißhund seine Skitour. Ich sah ihn im Aufstieg zur Königstuhlscharte von ebendieser abfahren, der Hund rannte fröhlich wedelnd im Abstand hinab.

Nach üppigem Frühstücksbuffet starteten wir um 9.20 bei der Langlaufloipe gegenüber der Hütte.






Bis etwa hierhin ging die gespurte Loipe, dann wechselten wir auf teilweise Spuren, teilweise spurten wir daneben neu.





Schlüsselstelle I: Der Normalweg (markiert, im Winter unterm Schnee verborgen) führte über die Scharte rechts, über die zuvor schon mehrere Tourengeher aufgestiegen waren. Wir wählten den Rücken in Bildmitte und hielten uns dabei eher rechts der erkennbaren Schneewechtenkante.


Beim Aufstieg fuhr unterhalb von uns querend ein Skitourengeher vorbei. „Das ist aber kein Aufstiegshang!“ rief er uns zu. „Das ist ein Lawinenhang!“ setzte er nach. „Wir gehen eh mit einem Guide!“ entgegnete einer von uns. „Ganz gescheiter Bursche! Bitte richtet Ihm von mir aus, das ist ein ganz gescheiter Bursche!“ antwortete er im triefenden Sarkasmus. Einige Augenblicke später legte eine Gruppe Tourengeher eine zweite Spur neben unserer an. Ich kann die Kritik an unserem Aufstieg nicht nachvollziehen. Die von der Hangneigung her kritischeren Passagen wären links und rechts des Rückens gewesen. Alles gut mit etwas Vorsicht – dafür absolvierten wir diese Passage auch mit zehn Meter Abständen zwischen den Gehern.







Für die letzten knapp zweihundert Höhenmeter gingen wir von der Kante weg, wo der Normalweg hinaufzieht, und wählten je nach Gusto in mehr oder weniger ausladenden Kehren unsere eigene Aufstiegsroute zum Gipfel. Dabei herrschte unverändert wenig Wind und ich schwitzte gehörig, obwohl ich ohnehin dünnere Kleidung anhatte. Als Entschädigung entfaltete sich ein Panorama mit fast maximaler Fernsicht.
Links: Großleobeneck (2196m) und Stileck (2179m) in den Nockbergen, dann Hohe Trieb (2199m) in den Karnischen Alpen. Zentral einzelne flache Quellwolken, die wie hohe Gipfel aussehen. Sie verschleiern teilweise die südlichen Karnischen Alpen auf der italienischen Seite. Rechts schließt die Köderhöhe (2228m) an, dahinter Monte Crostis (2250m), und gleich rechts anschließend der wuchtige Reißkofel (2371m) in den Gailtaler Alpen. Abgesetzt und kleiner rechts Polinik (2332m) und der Creta di Collina (Kolinnkofel, 2742m) am Plöckenpass in den Karnischen Alpen.

Im Vordergrund (mittlere Reihe) Tschiernock (2088m), dahinter nochmal Reißkofel, Polinik und Kollinkofel mit Hohe Warte (2780m) rechts, sowie Hinterer Mooskofel (2506m) am Karnischen Höhenweg. Ganz rechts der ausgeprägte Klotz am Horizont ist der Monte Antelao (3264m, 128km) in den Dolomiten. Rechts davon schaut noch ein markantes Spitzerl durch, der Monte Pelmo (3168m,138km), davor der sanftere Stagor (2289m) in der Kreuzeckgruppe.

Was hätte ich an dem Tag für meine Canon G3X mit 600mm Brennweite gegeben, aber die Sony RX 100 VI lieferte auch ganz passable Aufnahmen.
Im Hintergrund Rosskofel (2240m) und Creta di Pricotic (2223m) beim Nassfeld, rechts Trogkofel (2280m) von der breiten Seite und ganz rechts Staff (2217m) nordöstlich vom Weissensee.

Links Javolec (2645m) und Mangart (2677m). Davor relativ unspektakulär nach rechts gezogen Dobratsch (2166m), noch vor dem trapezförmigen Pfannock (2254m) schaut hinten der Rombon (2208m) durch. Rechts schließen an: Jof Fuart (2666m), Jôf di Montasio (2753m) und Monte Cimone (2379m).

Diese Bilder hab ich noch von der Schulter aufgenommen.


In der Euphorie war es mir zuerst nicht bewusst, bevor Csaba mahnend darauf hinwies: Es gab schon aus gutem Grund keine Spuren im Schnee rechts vom Gipfelkreuz – dort befand sich eine mächtige überhängende Schneewächte.

Ein Detail fiel mir noch auf, und dafür hab ich einen vergrößerten Ausschnitt gewählt:

Im Osten war die Gipfelbestimmung ein wenig leichter:




Mittig Javolec und Mangart, links Triglav (2864m), ganz links Hochstuhl (2237m, 64km). Im Hintergrund links ist eine flache Wolken/Dunstschicht erkennbar, laut Satellitenbild nicht sehr ausgedehnte flache Konvektion am Alpensüdrand.

Alte Bekannte im Südosten – erst letzten Sommer war ich erstmals auf der Petzen.


Nach ausgiebigem Schauen und gemütlicher Rast begannen wir den Abstieg.


Um auf die Friesenhalshöhe zu gelangen, querten wir den Südwesthang und gingen dann am flachen Rücken hinten hinauf.




Schlüsselstelle II: Ein Teilnehmer rutschte weiter vorne in eine steile Rinne ab, derfing sich aber rechtzeitig und konnte wieder hinaufstapfen. Entsprechend stieg natürlich die Nervosität bei allen dahinter. Es hieß langsam und konzentriert zu steigen.

In der Schlüsselstelle – linker und rechter Tritt waren unterschiedlich hoch, was etwas unangenehm war – Csaba überwacht die Querung


Dann gings über den Zaun und am breiten Gipfelkamm nach oben. Viele zogen die Schneeschuhe aus, da der Kamm teilweise aper war. Ich ging mit ein paar anderen daneben im Schnee weiter. Das Stück war ohnehin nurmehr kurz.


Über den Abstieg war ich zugegeben gespannt, denn ich schaute nebenher auf der Open Topo Map mit und fragte mich, wo wir zurück nach Osten absteigen konnten. Csaba fand die Antwort in der Scharte zwischen Seenock (2260m) und Friesenhalshöhe.

Von Csabas Standort sah man unterhalb der Scharte eine steile Rampe, die dann in den Osthang mündete und zu den flachen Mulden der Rosaninmoore auslief.




Jetzt im gutmütigen Gelände, leicht ansteigend und dann wieder flach absteigend (unter 30°) hörten wir erstmals das charakteristische „Wumm-Geräusch“. Es entsteht, wenn eine kompakte Altschneeschicht (meist Triebschnee) auf einer instabilen Schwachschicht (z.B. aufbauende Umwandlung, eingeschneiter Graupel) durch Zusatzbelastung plötzlich zusammenbricht – ein Indikator für erhöhte Schneebrettlawinengefahr. Dabei entweicht die Luft aus der weichen Schwachschicht und die darüber liegende harte Schicht sinkt ab. In steilerem Gelände können dann große Schneebrettlawinen entstehen, manchmal bilden sich Risse in der Schneedecke. Es tritt gehäuft im Übergangsbereich von wenig zu viel Schnee auf, wie hier, wo es den Triebschnee über die flachen Rosaninmoore in den steileren Hang geblasen hatte.


Der steile Hang hinab durch lockeren Wald war dann eine regelrechte Wühlerei. Die ersten Geher waren im Vorteil, dahinter wurden die Löcher immer tiefer, man brach immer häufiger bis zur Hüfte oder noch tiefer ein. Kein Abstiegsgelände, wenn man alleine unterwegs ist!

Die letzten Meter zur Hütte waren nurmehr Formsache. Die Sonne verschwand bald aus dem Nord-Süd ausgerichteten Tal und wir drückten aufs Tempo, um die Hütte noch bei Sonnenschein zu erreichen. Bis wir dort ankamen, war ich schon ziemlich hungrig, hatte ich doch wenig Proviant mitgenommen, und durstig. Auf eine Thermoskanne hatte ich verzichtet, in Erwartung der milden Höhenluft, und ohnehin schon etwas mehr mitgenommen – es war trotzdem zu wenig.
In Summe ein durchaus abwechslungsreicher Tourentag, mit etwas Nervenkitzel und sonst aber besten Schneeschuhverhältnissen.